röre,
die
;
–/-n
;
aufgrund inkonsequenter Umlautmarkierung, im Diminutiv
rörlein, rörl
und in der Wortbildung, ist eine eindeutige Abgrenzung von nicht immer möglich (vgl. auch f.; 1127); die Zuordnung der Wortbildungen erfolgt nach semantischen Gesichtspunkten.
1.
›Wasserleitung, Wasserrohr‹;
vgl. 2.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
7, 948
f.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte, auch berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
, 1; 3; vgl. 5, .
Syntagmen:
die rören öfnen, in etw. richten
;
die rören
(Subj.)
ablängs zu der tränke, bis zu dem brunnenkasten, um etw. herum gehen
;
etw. bei der rören waschen, das wasser in rören leiten, ein loch in die rören boren / machen, das wasser von einer rören brauchen / nemen
;
die rören des brunnens
;
die hölzernen rören
.
Wortbildungen
(im Bw sowohl
ror-
als auch
rör-, rören-
):

rorborer
›j., der Brunnenröhren bohrt‹,
˹
rörborn
,
rörbrunnen
,
rörenbrunnen
˺ ›aus einer Röhre fließendes Grund- oder Brunnenwasser; Brunnen, dessen Wasser aus Röhren ausgeleitet wird‹,
rorbüchse
(Gw zu 5); laut Hrsg. hier wohl ›Eisenreif zur Verbindung von Brunnenröhren‹,
3
rören
(V.) ›(Wasser) mit einer Röhre ableiten‹,
rorfart
›Wasserleitung‹,
˹
rormeister
,
rörenmeister
˺ wohl ›Handwerker, der Wasserleitungen herstellt, verlegt und instand hält‹,
rörwasser
,
rorwerk
wohl ›miteinander verbundene Wasserleitungen‹.

Belegblock:

Welti, Pilgerf. v. Walth.
85, 16
(
omd.
,
n. 1474
):
Czu Basil sint [...] czünffthusere, die gar lustig sint mit roͤrbornern [...] vnd dorczu bie drittehalp hündert springbornen, die dorch roren gar eygintlichin vß louffen.
Lippert, UB Lübben
2, 184b, 28
(
osächs.
,
1442
):
9½ g. Mertin Schefer vor dy rorfard zcu rumen baß an dy (Spr)ehe.
Ebd.
297a
, 11 (
1596
):
4 arg. den breuern geben, das sie die reren wider gofnet, welche vorstop(t) waren.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1528
):
Welche gewerken durch kunst oder rohrwerk das wasser heben [...], denselben gewerken sollen [...].
Es sollen alle arbeiter [...] ir lon nemen wie volgt: [...] dem rormeister roren in die bergk zu lassen, von ieder roren 12 gr. und sein wochenlon 12 gr.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
O reren prun der lib, | Ob ich die schuld dir gib | Mit deim schissenden stral | Sulch qual | An thun der jungen welt.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1513
):
vereert ich den Kuncz rornmaister fur sein gehabte mue im vergangen jar her mit meiner rörn im garten dt. ime par 2 fl.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
[wer] dehein loch in die roͤrren dez bruͥnnen boret [...] äne erloͮben dez ratez, daz der [...] umb fuͥnf pfunt stebler ueruallen sin sol.
Boner, Urk. Brugg
281, 7
(
halem.
,
1498
):
das er das wasser zwen tag in der wuchen, so er dan badt haben will, von einer ruͤren so das bad anhebt [...] bruchen vnd nemen mag.
Roͤhrwasser [...] Aqua fluida.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
huͦb man an die rör prunnen zuͦ graben. auch ward ein zwayung [...] von der rörbrunnen wegen also.
Rauwolf. Raiß
30, 27
([
Lauingen
]
1582
):
Wasserkasten oder trog [...] darein seind Roͤren gericht / das Wasser nach allem wolgefallen zuͦ temperieren.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1560
):
Es soll niemants gewant oder schaff oder ander unsauber ding auß dem stainen grant pei der rörn waschen.
Ebd. (
1512
):
melden si das der Georg Örphlhofer die wasserrunsen aus einem hof under der erd in sein wisen rören sol.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
gieng auch darin auf ein rörenprun, darauß man den ganzen garten überwessern mocht.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
):
wan man rorporrer hat, so gibt man in zu den fruestuck kaß und prot.
Zingerle, Inventare (
tir.
1489
):
Sibẹn eysner rorpuxẹn, ain peẅtẹlkastẹn.
Schmitt, Ordo rerum
54, 24
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
Öst. Wb.
3, 624
;
1177
;
1280
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 167
.
Vgl. ferner s. v. , (Präp.) 5, 2, 17.
2.
›röhren- oder rohrähnlicher länglicher, runder, an den Enden offener Hohlkörper von unterschiedlicher Größe und Funktion‹; auf eine hohe Anzahl von Gegenständen bezogen, die mit einem Rohr in Vergleich gesetzt werden, z. B.: ›Trichter; Hals, Ausguss (eines Gefäßes); Mundstück eines Trinkgefäßes‹; ›Zapfvorrichtung (am Fass)‹; ›Arme eines Kerzenhalters, Leuchters‹; ›Beinschiene (als Teil einer Rüstung)‹; ›Orgelpfeife‹; ›Darmrohr; Blasenkatheter‹ (medizinisch); ›Trinkhalm, Trinkschlauch‹; ›Federhalter‹; ›Ofenrohr, Rauchfang, Schornstein‹; ›Tülle (zum Einstecken von Federn auf einem Hut)‹;
zu 2.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte, auch fachliche sowie narrative Texte.
Bedeutungsverwandte:
1, , , ; vgl. , , 1, , 1.
Wortbildungen:
rören|nägeber
›Bohrer für Röhren‹ (Gw s. v. ),
rörle
›Zimtstange‹,
rörlentorte
›Zimtkuchen‹.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
92, 22
(
preuß.
,
1440
):
3 rorennegeber.
Luther, WA (
1527
):
Denn wir nicht wissen koͤnnen, was fur eine gestalt die selbigen kellen haben gehabt. ob sie wie toͤpfflin odder kenlin odder roͤren gewest sind.
muͤgen wol beyde zapffen und roren yhrer gonst und gnaden abhawen und das fas und born alleine behalten.
Ders. Hl. Schrifft.
2. Mose 25, 32
(
Wittenb.
1545
):
Sechs röhren sollen aus dem Leuchter zun seiten ausgehen / aus jglicher seiten drey röhren / ein jgliche röhre sol drey offen schalen / kneuffe vnd blumen haben.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
Auch furten si beingewant, das waren roren von leder gemachet als armeleder.
Hirschmann, Roger-Glosse
231ra, 2
ff. (
omd.
, Hs.
15. Jh.
):
nÿm eÿne rore von holunderinnen holcze [...] mache eỹ rore czwier / vinger lang vnde salbe dỹ rore [...] thu dÿ rore in den darm.
Ebd.
231va, 10
f.:
thu em denne eÿne / rore in das gemechte vnde / gus em denne durch dÿ rore in / das gemechte.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
die groß roͤrn
[›Orgelpfeife‹]
zu Laurenti ist bei 30 schuͤh lank.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
295, 20
(
halem.
,
1403
):
Es ensúllen oͧch (die) winsticher [...] usser keinem vas nicht lassen noch nemen noch mit deheinem spuͦlen noch roͤren nicht dar us trinken.
Stopp, Kochbuch S. Welserin
132, 1
(
Augsb.
1553
):
Ain rerlentorten
[Überschrift]
[...] solchs dúrchainandergemischt, nachmals ain lot rerlen darúnder, doch der merer tail daraúfgestret.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ich hân gesehen, daz ain hol rœrl dar auz wart silbervar gewunden umb ain ästel an ainem paum.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
295
(
oobd.
,
1607
/
11
):
cocco de maldiva, mit silber gefasst zu einem trinckhgeschirr, vornen mit einem rörlin.
Ebd.
819
:
schreibzeüg mit 3 rörn zu federn und federmesserlein.
Ebd.
1122
:
Zwo gießkandel mit langen subtilen zapfen oder rörn.
Eis, Gottfr. Pelzb.
157, 24
(
öoobd.
,
15. Jh.
):
mach eyn roren von einem holer vnd stös dy jn das peyl.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1445
):
[dass Veit Schattauer]
ain rörn oben aushin als ainen rauchfangk machen sol.
Zingerle, Inventare (
vorarlb.
/
tir.
,
1489
):
ein silbrein rör auf ein hüt.
Ziesemer, a. a. O.
21, 15
;
Luther, WA ;
36
;
Müller, Welthandelsbr.
183, 4
;
3.
bezogen auf röhrenförmige Teile am menschlichen Körper; im Einzelnen: ›Harnröhre‹; ›Penis‹; ›(Röhren)knochen (z. B. in den Armen, Beinen)‹; ›Speiseröhre‹; ›Luftröhre‹; im Diminutiv auch: ›Blutgefäß, Sehne‹;
zu 3.
Gehäuft fachliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
1
1; 4,
1
6, 1, .
Syntagmen:
die natur die r. oben bedecken
;
die rören
(Subj.)
siech sein, in den gleichen zusammenstossen, ein pfeil in der r. stecken, die feuchte in den rören hängen, die fistel in die r. gehen, der stein von der r. fallen
;
die r. des arms
;
eine r. von js. arm
;
die knie zwischen den zweien rören geteilt mit der kniescheibe
.
Wortbildungen
(im Bw
rör-
und
rören-
):

rörenbruch
(a. 1449),
rörlot
›rohr- oder röhrenförmig‹,
rörwunde
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Follan, Ortolf. Arzneib.
127, 35
(
rib.
,
1398
):
Dot eynen menschen de steyn alz we, [...], so lege her sich eyne wyle vf den rucke, so vellet der steyn von der roren.
J. W. von Cube. Hortus
104, 27
(
Mainz
1485
):
[coriander] benymmet auch die vffreckung deß mãnes roren genãt erectio virge.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
16, 6
(
omd.
,
n. 1474
):
In der selbin kerchin ist eyne rore von sandte Margaretan arme.
Ebd.
95, 31
:
in der roren des armes stegkit yme noch eyn pfil vffen, das ist dorynne vorwachsen.
Sudhoff, Paracelsus (
1527
/
8
):
rörwunden oder beinwunden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Die Roͤr dardurch die speyß in in magẽ kumpt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
in den rœrn, dâ der luft innân gêt von der lungen in den hals.
in den armen sint vil âdern und rœrlein, auz den man aller gemachsamist daz schedleich pluot geziehen mag in dem menschen.
Ez gênt auch âdern durch die rœrloten mitten der prust unz in des hauptes spitzen.
Stedtfeld, Roger-Glosse
101
;
Sudhoff, a. a. O. ; ; ;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Vgl. ferner s. v. 11.
4.
›Unterlage für das einzusetzende Reis beim Pfropfen‹;
vgl. 1; 2.
Bedeutungsverwandte:
2.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
104, 4
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Die dritte art zu propfen nennet man das anschleufen mit rörlein oder pfeiflein.
Ebd.
114, 4
:
so bald man die impfreisle abschneidet, müssen die in die röhre und ins waßer gesteckt sein.