räuchen,
V.;
oobd. auch ohne Umlaut; alem. auch
räuken
; vgl. mit weiteren Belegen.
1.
›durch Verbrennen von fester (brennbarer) Materie Rauch (für verschiedene Zwecke) erzeugen‹; ›etw. / jn. zu einem bestimmten (z. B. therapeutischen) Zweck einem Rauch oder einem dem Rauch verglichenen Duft, Dampf aussetzen, beräuchern‹; überwiegend speziell: ›im Zuge rituellen Handelns Weihrauch als Opfergabe verbrennen‹; metonymisch: ›ein Weihrauchfass schwenken‹; mit Objekt der Person: ›jm. ein Rauchopfer darbringen‹; zu (
der
) 1.
Bedeutungsverwandte:
1
2, ; vgl. 1, .
Wortbildungen:
räuchaltar
,
räucherei
›zeremonielles Ausräuchern des Teufels‹,
räuchern
1,
˹
räuchopfer
,
räuchwerk
˺ ›Weihrauchopfer‹,
räuchung
›Erzeugung von Wohlgeruch durch Verbrennen von Kräutern u. dgl.‹.

Belegblock:

Boon, St. Prätorius
88, 26
(o. O.
1593
):
wie auch sein Edel Knabe die fewrige kole fein mutig auff seiner hand ligen lies / da er / der Koͤnig / den Goͤttern reucherte.
Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
hat der Herr Dechandt [...] selber geruechert oder thurificirt.
Luther, WA (
1535
/
6
):
so ward Aaron geweihet mit seinen kindern, das sie solten des opfern warten und des reicherns und bettens.
Ebd. (
1538
):
mit den selbigen namen und zeichen weren sich des Teuffels, ut etiam magae faciunt cum 6 wocherin, [...] machen ein reucherey an uber bette pueri et matris.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Laß mein gebet fuͤrn augen dein | Ein angenem reuchopffer werden.
J. W. von Cube. Hortus
77, 27
(
Mainz
1485
):
dießer [bdellium] hait keynen guͦten geroch vnd stincket so man do mit reuchet.
Thür. Chron.
3r, 18
(
Mühlh.
1599
):
Derowegen auch die Menschen letzlich viel Liechte vor jhm Brandten / vñ Weyrauch raͤucherten.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
nobd.
1524
):
Darzuͦ ablaß und gnad verleihen, | Mit reuchen, amplen, kerzen brennen.
Fischer, Folz. Reimp.
45, 142
(
Nürnb.
1482
):
die reüchung der gemech sol gescheen mit durren rauten, wacholterper, mirra, ligni aloes.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Nam das rauchfaß, mit gwalt anfieng | Zu räuchern ob dem räuchaltar.
ein güldene schal | Vol köstliches reuchwercks.
Sudhoff, Paracelsus (
1530
):
was schmirben kunt, das mußt doctor werden! darnach was reuchen kunt, dan weschen [...]!
(mit ironischem Bezug auf die überlieferten Praktiken von Heilern).
Ukena, Zuger Trag.
879
interlinear (
halem.
,
1598
):
[Priester] Tretten ab, vnd reücken ihrem Abgott.
Maaler (
Zürich
1561
):
Roͤuchen / Einen rauch machen.
Raͤuchern / einen Rauch in / oder vnder etwas machen. [...]. Eine Geschwulst (raͤuchern).
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
Zum 5. ermanen sie das volck zuͦm opfer, kertzen auffstecken, amplen prinnen, raichen auff den gräbern.
Langmantel, Schiltb. Reiseb. (
oobd.
,
n. 1427
):
Sie rauchen alle sampßtag in iren heusern.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
er lerent mit weyroch ze rauchen, darumb haisset das land Tussia von thure, daz ist weiroch.
Buijssen, Dur. Rat.
183, 23
(
moobd.
,
1384
):
dye rauchung der andechtichait ze smeckchen ist in dem rauchvaz dez herczen mit fewer der lieb, daz iz den gesmachen der suͤzzichait auzloͤzz.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
si opfereten und räuchten den götzen.
Gille u. a., M. Beheim
1246, 872
;
Bihlmeyer, Seuse ;
2.
›Lebensmittel (überwiegend Fleisch und Fisch) über einen längeren Zeitraum dem Rauch von Erhitztem aussetzen und diese dadurch konservieren oder geschmacklich verfeinern‹; als Spezialisierung zu 1 auffassbar.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1.
Wortbildungen:
räuchelen
›nach Rauch schmecken‹,
räucherfleisch
,
räuchern
2,
rauchkamer
.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
um 1524
/
7
):
Die weiber haben das fleisch damit gereucht.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
206, 22
(
preuß.
,
16. Jh.
):
3 thunn rocherflysch.
Ebd.
593, 21
(
1438
):
½ ochsen geroͤchert fleisch.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 39, 3
(
hess.
,
1537
):
das übrig
[Fleisch von Mastschweinen]
eingesaltzen, gereuchert und auf die dorff [...] verkaufft.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
vil tonnen mit geroucherten fischen.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Fumariũ, ein rauch kam̃er / oder ein ort da man den wein raͤüchet.
Maaler (
Zürich
1561
):
Roͤuchelen / Ein geschmack von rauch haben.
3.
›heizen; etw. beheizen‹; speziell: ›einen abgabenpflichtigen Haushalt führen‹; vgl. dazu mit weiteren Belegen ; zu (
der
) 2.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 2.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1404
):
8 ruten holz und 2 schog ronen, 4 oven zu rochen.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
so hab ich [...] peltz hinein kauft und machen lassen den gefangen, damit vor kelt zu behalten, und auch eissen pfannen zu den kölen, wenn der lochhütter reucht oder süst so kalt ist, das ers den gefangen mit kölen zusetzt.