erschütten,
V.
1.
›sich schütteln, kräftig hin und her bewegen‹ (von Personen, Tieren, Körperteilen); auch: ›jn. / etw. schütteln‹; ›etw. abschütteln‹;
vgl. 3; 8.
Bedeutungsverwandte:
1; 2; 8, .
Syntagmen:
jn. e., sich e., etw
. (z. B.
den bauch, die flügel
)
e., jm. den grind e
.;
der widder sich erschüttend die hörner brechen
.

Belegblock:

Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Frankfurt
1550
):
Des Worts muͦste der Kranck im Bett lachen, daß er den Bauch erschuͤttet, davon im ein Wind kam unnd besser mit ihm ward.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
darnach ich sach | Wie daz sich der weder brach | Irschuttende die horne | In vientlicheme zorne.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
dann sie [drei gut nider wagen] sich auf dem pflaster ser erschütten unter einem ast.
Sachs (
Nürnb.
1555
):
Er trinckt auff halb, erschut sich, [...] und spricht: [...].
Ebd. (
1554
):
Mit dem erschüett sie [Fraw schalckheit] auf dem rüeck | Ir fluegel und auf die fues sprang.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
482, 9
(
els.
,
1362
):
Do sprang der esel uf vnd erschutte sich vnd truͦg den bischof wider hein.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Funk
188, 467
(
Bern
1551
):
den grind ich dir erschütten muß.
Jörg, Salat. Reformationschr.
769, 8
;
10
;
2.
›(gewaltsam) erbeben, vibrieren‹ (oft von der Erde); auch refl.; trans.: ›etw. erbeben lassen‹; Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
1; 2, , ; vgl. (V.).
Syntagmen:
der man, der leib e
. (absolut);
etw
. (z. B.
die erde
)
e
.,
etw
. [wie] (z. B.
mit grim, vor dem donner
)
e., jm. das herz e
.;
etw
. (Subj., z. B.
die erde, die dächer / häuser
)
sich e., sich
[wie] (z. B.
x-mal, für jm
.)
e., die haut
(Subj.)
jm. e., die wagen
(Subj.)
sich unter einem ast e
.
Wortbildungen:
erschüttern
›erbeben‹; meist ütr.: ›(vor Furcht) erschaudern, erzittern, zusammenzucken (von Personen, Körperteilen)‹; auch trans.: ›jn. erschaudern lassen‹,
erschüttung
(dazu bdv.: 1; 4).

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1631
):
Mein mattes Herze zittert, | die erste Kraft ist hin, der ganze Leib erschüttert.
Luther, WA (
1522
):
do erschreckte er seine jünger fast seer und erschottert in jre hertzen gar wol.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
114, 2204
(
Magdeb.
1608
):
ES tratt aber am platz herumb / | [...] | Ein erschreckliches wunderthier / | Dafuͤr die haut erschuttert mir.
Ebd.
679, 5435
:
Du erschuͤttest die Erd im Grimm.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Die erd erschuͤtter sich fuͤr ihm.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Balde dede er das ertrich bieben | Und vor dem donre erschuden.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
150r, 2
(
Leipzig
1588
):
so die Sünde der Menschen so gross vnd schwer ist / das sich der Erdboden erschuͤttet / zittert und bebt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Erschüttung (die) Bewegung.
Luther. Hl. Schrifft.
Rut 3, 8
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Schweiz. Id. ff. (mit Ausdifferenzierung);
Vgl. ferner s. v.
1
17.
3.
›(eine Waffe) schwingen, gegen jn. erheben‹; als Spezialisierung zu 1 auffassbar.
Bedeutungsverwandte:
2.

Belegblock:

Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1522
/
45
):
Herr keyser, erschútten das schwert wider die find der kilchen!
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1452
):
der kaiser [...] hett sich umbgürt mit dem hailigen schwert und das wider ausgezogen und vor im erschütt und wider eingesteckt.
4.
›etw. (z. B. einen
hof
,
wege
) mit etw. (z. B. mit
erde
) aufschütten, erhöhen‹; ütr.: ›(erquickende Flüssigkeit) über js.
herz
gießen‹;
vgl. 1.
Bedeutungsverwandte:
2, (V.) 1.

Belegblock:

Chron. Nürnb. (
nobd.
,
v. 1407
):
den hoff must ich mit ertreich derschuͤten wol 6 such hoch.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
ist zu zeitten pöser wege, den hab ich durch die kerner [...] erschütten und erhohen lassen mit allerlai erden.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
107
(
schwäb.
,
1455
):
Dins balsams süß gesprencz | Erschütt min hercz das trucken!