streitbar,
Adj.;
auch vielfach
streitbäre
und
streitbärlich
.
1.
›kriegsgewohnt, kriegstüchtig, wehrhaft, kampffähig‹ (von Einzelpersonen und Personenkollektiven unter physischen und psychischen Aspekten gesagt); ›kriegstauglich, zum Seekrieg ausgestattet‹ (von Schiffen); offen zu 2; vgl. I, 1.
Bedeutungsverwandte:
1, 2, , 2, , .
Syntagmen:
j
. (z. B.
ein fürst
) / ein Personenkollektiv (z. B.
ein volk
)
s. sein
;
der streitbare fürst / könig / sitte, das streitbare gezeug / schif / volk / weib
.
Wortbildungen:
streitbarkeit
1.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Bellicosus. Woͤrlich streitbar kriegbar.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Als eynen kung der redelich | Wol mit strytberem volke sich | Zu strite bereytet.
Gille u. a., M. Beheim
308, 300
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wissent sicher, daz | on sterk streitperer leute | küng ader furst mit neüte | mag weder reich nach lant | Hant haben sunder krant.
Franck, Decl.
346, 20
(
Nürnb.
1531
):
gemeyne trunckenheyt / Dise hat streitbare voͤlcker den feynden uͤbergeben.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
ich hab gemacht ein auserwelte menig des hers. ich hab gemacht streitberliche
[
Froschauer
1530 /
Dietenberger
1534 /
Eck
1537, 1. Makk. 15, 3:
wol gerüstete starcke
]
schiff.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Pugnacitas, Streitbarkeyt.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Sin lib nach stritbarlichem sitte | Gewapnett waz.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
9r, 2
(
Zürich
1521
):
fraͤuel [...] reden sind das / das etlich sprechen got werd in der heyligen gschrifft genent ein gott des strytbaren zügs / vñ ein gott des rachs.
Henisch (
Augsb.
1616
):
von denen [Amazones] schreibt man / das sie streitbar gewesen / vñ vil krieg gefuͤhrt haben.
Gereke, Seifrits Alex.
1211
(
oobd.
, Hs.
1466
):
do hies er rueffen hervart | in allen sein kunig reichen | [...] | allen den die streyttper wern.
Ebd.
4197
:
das [volkch] ist werhaft zu aller frist, | starkch und achtper, | chuen und streyttper.
Moscouia
D 3v, 22
(
Wien
1557
):
auß dem Khestud wardt geboren der groß streitbar Fuͤrst WITOLD.
Ralegh. America ;
Leidinger, V. Arnpeck .
2.
›schlachtenerprobt‹ (von Personen); ›für den Kampf geeignet‹ (von der Rüstung); ›wirksam‹ (von Waffen); vgl. I, 2, auch 4.

Belegblock:

Euling, Kl. mhd. Erz. (
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
funfczehen kunig gancz streiper man | vor Troÿ ich [Hector] erschlagen han.
Bachmann u. a., Volksb. (
alem.
,
15. Jh.
):
des was er vonn herczen fro, wann es [ritterlich gewannd] was gar striberlichen geschaffen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
sy alle brachten im gaben
.
durch alle iar guldine vaß vnd silbrine
.
gewande vnd streitpere geweffen
[
Eck
1537:
kriegsharnisch
;
Luther
1545, 1. Kön. 10, 25:
Harnisch
].
vnd aramathen vnd roß.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
do komen zuͦsamen 88 grosser hawffen, den streit zuͦ volfürn, streitpar männer auf baiden teilen geordnet, jeder auf drei spitz.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
553, 4
;
3.
s. I, 3.
4.
s. I, 4.
5.
hebt als funktionales Adj. eine Person (Mann oder Frau, darunter auch die Mutter Gottes) als im jeweiligen textlichen Zusammenhang ›überragend, ausgezeichnet‹ heraus.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): ˹ 1; 5, ,
1
5, ˺ (vom Mann); ˹, , 3; 4; 5, 1˺ (von der Frau).

Belegblock:

Luther, WA (
1526
):
Denn ‚heissen‘, ‚ruffen‘, ‚predigen‘ ist ein wort ym Ebreischen, gleich wie man David nennet: Sanfft, Demutig, Streitbar, Weise ec., das ist, man preiset mit solchen namen seine tugent und werck oder eigenschafft, da mit man yhn fur ander sonderlich erkenne und absondere.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1619
):
Vmb diese Wohnung bitten wir, | Koͤnigliche Staͤttlein, | Muͦtter Gottes, | Streitbare Muͦtter.
Thür. Chron.
10r, 22
(
Mühlh.
1599
):
Ein Bawr [...] Marius Gaius genandt / Weise / Maͤnlich / vnnd Streitbar gnug / ward zu einem Obersten Rahtsherrn in Rom erwehlet.
Pyritz, Minneburg
4175
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Si ist doch niht Kamille, | Die kuͤne stritberliche maget, | Von der in Eneas man saget, | Daz er [...].
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
Der was [...] durchweyter adelhayt, das im an weyshait und streypärem hanndel wenig geleich waren.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
herr Mathias [...] hat des fürsten Friderich all sein tugent, gericht-, mändlich- und grosmutigkeit und streitper händl nach leng geschrieben.
derselbig keiser Heinrich verlech das hertzogtumb Beirn einem hochgeporn, streitpern mann, genant Welfo.
6.
s. I, 5.
7.
›streitlustig‹; vgl. I, 6.

Belegblock:

Luther, WA (
1527
):
davon der Engel verkuͤndigt, wie er [Jsmael] ein wilder mensch wuͤrde sein und streitbar und sich setzen widder alle seine bruͤder, daher mans noch dafur helt, das der Tuͤrcke von diesem Jsmael herkome.
8.
s. I, 7.