1
straus,
der
;
-sen/-sen
;
zur etymologischen Einordnung s. .
›Strauß (der Vogel)‹; die Belege beziehen sich seltener auf natürliche Eigenschaften des Vogels als auf die tradierten antiken, die alt- und neutestamentlichen, schließlich die mittelalterlichen Zuschreibungen.
Gehäuft Texte gebundener Form.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, 1, , ,
1
1,
1
1, , 1, , .
Syntagmen
(in Auswahl):
ein könig einen s. haben, Salomon einen s. in ein glas verschlossen / verwürkt haben
;
der s. gros als ein esel sein
, [wo]
entwelen
, [wohin]
fliegen, federn / flügel haben, nicht zu fliegen taugen, eier legen / ausbrüten
(z. B.
mit sichtigkeit
),
seine eier ˹bescherren / verwirren˺
›begraben‹,
seiner eier vergessen, seinen jungen leben geben, seine jungen erledigen
›befreien‹,
aus dem schelf (der eier) blicken, seine brut anblicken, stahel / eisen fressen, die augen zum himmel heben, ein glas zubrechen, blut an ein glas streichen, gleichen schein
(wie die
hochfart
)
geben
;
j. hochfärtig als ein s. sein, j. wie ein s. sehen wollen, das [...], wie ein s. die speise in schlinden, j. die sele also ein s. fressen
;
dem straussen die augen rot (sein), dem straussen nicht ande um seine eier sein, js. augen gleich einem straussen brinnen
;
eier an des straussen müe ausbrüten, bei dem straussen etw
. (Subj.)
bezeichent sein, der s. von silber, mit einer krone
;
der alte s
.;
der mage, der geselle, die art, die blicke, das sehen des straussen
.
Wortbildungen:
strausvogel
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Wen die [juden] worfen sich selben uz | Und sint hochvertic als ein struz.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
eine schrift di brudit di andir uz, | also sin eier tut der struz.
ditz ist des druzzels art: | di spise di der zan vorschart, | di slindet her in also ein struz.
ste uf zue den alden menschen uz,| der di sele vrizzet also ein struz | tut den stal und ouch daz iser.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
8012
(
rib.
,
1444
):
Der struysse hait gelijchen schyn | Van mir [Hovart] ind van dem mantel myn. | He hait vloegele ind vederen ouch, | Mer zo vliegen he neit en douch.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Auch wel ich sehen als ein struß, | Daß Jhesus icht komme her uß.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Zwar, Job, du irwermes nicht | Des struzen eyger in der schicht | Des sandes, in den beschorren | Si hat der struz verworren. | Um sin eyger ist nicht ande | Dem struze, wan in dem sande | Vergyzt er syner eyger gar.
Pyritz, Minneburg
306
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
als dez strußen sehen clar | Uz sinen eyern bringet frucht, | So gebar sie ez [kint] an ungenuht.
Ebd.
3468
:
[Daz sie] mich auch willig als der struz | Mit iren augen sehen an, | Der sin eyer wol getan | Mit sichtikeit uz bruttet!
v. Groote, Muskatblut (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Du wol geblümte Arons ruͦt | sich vns mit strüssen blicken, | spise vns mit pellicani bluͦt.
Zwar du hast eyns wolffes sluͦnt | vnd eynes struͦssen magen.
Gille u. a., M. Beheim
267, 25
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Sie hat zwai mynnigliche aͮglein als ain strauss, | dy sten ir nach der zwerche
(Scherzgedicht).
Ebd.
319, 20
:
Der belicanus gut, | strauss, greiff und nachtigalle, | die andern vogel alle, | [...].
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Der strauß am schein der sun nit lat, | Sein prut er fru anplikt pis spat, | Do von yn leblich crafft zu stat.
Der strauß sicht mit der sun behellff | Die jungn auß seiner eyer schellff.
Ebd. (
um 1480
):
O ir juden habt in euren historijs daz Salomon ein jungen straussen weschluß in ein glas. Der alt strauß pracht ein burmlein auß der bustung mit namen Thamür, mit welcher plut er auff tet daz glaß und erlediget den straussen; welches wurmlin wetheut unseren herren.
Thiele, Minner. II,
17, 137
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
bulier din hertz alß adamast, | durch sihe min trúw nach strussen art.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Ich was ein bruͦder der tracken: vnd ein gesell der straussen
[Hiob 30, 29].
ire heuser werdent derfúllte mit tracken. Vnd do entwelent die straussen vnd die rauchen springent do
[Jes. 13, 21].
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Dü ogen als ainem strusse rott.
Bremer, Voc. opt.
44207
(
halem.
,
1328f.
):
Strucio strus [...] est animal, quod ad similitudinem auis habet alas, licet eis numquam vtatur ad volandum, sed bene ad currendum, quia alas erigit et celerrime in terra currit; pennas habet accipitris. Hec auis oua sua fouere negligit, sed ea fodit sub terra [...]; est enim naturaliter obliuiosa. Ouis igitur calefactis sub arena a sole pulli educuntur ex eis. [...]. Hec auis tante caliditatis est, quod ferrum comidit et digerit.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2458
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Das Jhesus diser helle gluͦt | Lasst und brach mit sinem bluͦt, | Das was hievor bezaichnet schon | Bÿ ainem struss, den Salomon | Sin kind verwúrket inain glas.
Strauß / straußvogel.
Martin, H. v. Sachsenh. Temple
168
(
schwäb.
,
1455
):
Recht als der struß sin jungen | Git leben in der bruot, | Soltu
[Maria]
mir synn und muot | Erwecken und enbörn.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Strucio haizt ain strauz [...]. der vogel hât die art, wenn diu zeit kümt, daz er airt, sô hebt er seineu augen auf gegen dem himel und schawet, ob der stern aufgangen sei, [...], wan er legt sein air niht unz der stern aufgegangen ist, dar umb, daz der selb stern aufgêt sumerzeiten in dem häumônn, der ze latein julius haizt, und sô ist daz ertreich warm.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1769
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 strauß von silber uf ein plech abgossen.
Loesch, Kölner Zunfturk. ;
Karsten, a. a. O. ;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
72, 10
;
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich ;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Lindqvist, a. a. O.
2461
;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 134
;
Vgl. ferner s. v.
1
5.