straks,
Adv.
1.
›geradewegs, schnurstracks, auf dem kürzesten Wege, ohne Umweg‹ (räumlich gesehen); ›geradeaus‹ (richtungsbezogen); in einem Teil der Belege auch im Sinne von 2 (zeitbezogen) lesbar; zu (Adj.) 1.
Mehrfach berichtende Texte.
Phraseme
(phonästhetisch):
strak und schnak
›knapp, eng‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , (Adj.) 3, 1.
Syntagmen:
s. heimgehen, für sich sehen, s. der kamer, dem hause zugehen, etw. s. auf seinen grund füren, s. durch den teich setzen, gegen London zureisen, nach der kapelle gehen, der rauch s. vor got gehen
, [ein Schiff]
mit dem strom s. hinab treiben
;
s. gegen dem haus über, s. nach der müle
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der rouch des suzen smackes | Der gienc uf rechte strackes | Von des engeles hant | Vor Got.
Luther, WA (
1539
):
Erstlich soltu wissen, das die heilige Schrifft ein solch Buch ist, das aller ander Buecher weisheit zur narrheit macht, weil keins vom ewigen leben Leret on dis allein. Darumb soltu an deinem sinn und verstand stracks verzagen. Denn damit wirstu es nicht erlangen, Sondern mit solcher vermessenheit dich selbs und andere mit dir stuertzen vom Himel (wie Lucifer geschach) in abgrund der Hellen.
Luther. Hl. Schrifft.
Spr. 4, 25
(
Wittenb.
1545
):
Las deine augen stracks
[
Mentel
1466 /
Eck
1537:
die gerechten ding
(Vulgata:
recta
);
Froschauer
1530:
fleyssig
]
fur sich sehen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
265, 147
(
Magdeb.
1608
):
Es war ein Sommer heis vnd trucken / | Das man wenig gebraucht der Bruͤcken / | Sondern stracks setzt durch Teich vnd Pfuͤtzen.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1578
):
und stain disse hoesen strack und snack umb den fois und bein, unden und oben.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
den nachgehenden Tag sassen sie zu Roß, [...], reisten also stracks gegen Londen zu.
Chron. Augsb. Anm. 6 (
schwäb.
, zu
1538
):
daß er von heut dato an ain gantz jar lang außer seinem haus [...] nit kome, dann ausgenomen in die predig und wort Gottes gehe und höre und von demselben stracks widerumb haimgehe.
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
Also loschirten wür stracks gögen seinem haus ober.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1516
):
von disem rainstain stracks hinuber wider auf die thorseil.
Ralegh. America ;
Küther, UB Frauensee
399, 4
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Haszler, a. a. O. ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
124, 9
.
2.
›sofort, umgehend, unverzüglich, schnell, direkt an Vorangegangenes anschließbar‹; Ütr. zu 1, im Unterschied zu diesem strikter zeitbezogen; zu (Adj.) 3.
Bedeutungsverwandte:
5, 1; 2; vgl. (Adj.) 2, (Adv.) 2.
Syntagmen:
s. fort wollen / fürreiten, sich s. niederlegen, s. etw. begeren / sagen / sprechen, jn. s. aufhängen, ein kalb s. auf die weide stossen, js. geist s. etw. im fegefeuer erstatten
›abbüßen‹;
sich e. S
. (Gen.obj.)
s. vermessen
;
e. S
. (Dat.obj.)
s. nachkommen
;
s. von den versen sagen, s. zur oberkeit gehen, jm. s. anliegen, das [...]
.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn (
Wolfenb.
1594
):
bin ich dermassen durch drey Gesichter, [...], erschreckt worden, Das ich mich stracks niederlegen müssen.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
50
(
Köln
1476
):
‚Jn der gestalt mach dat nyet syn‘, | Spraychen stracks dye Nuysser fyn.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
Darumb sollen sie
[Geistliche]
jhnen stracks nicht anliegen / dz sie bekennen sollen / sondern damit etwas inhalten.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
82, 15
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wan vorhin abgesetzte kalber vorhanden, habe ich die volgenden strax von der kue [...] ins gras auf eine gutte kleeweide gestoßen.
Gajek, Seidelius. Tych.
13, 7
(
Breslau
1613
):
Sondern [derselbig] geht stracks zur Oberkeit / | Bericht die Sach.
Opitz. Poeterey
39, 1
(
Breslau
1624
):
die [...] gemeinen verse / von denen wir stracks sagen werden.
Wyss, Luz. Ostersp.
3115
(
Luzern
1571
):
Die wyl ir v̈ch ietz für hand gnon | Stracks für zuͦ rytten vnd zblyben nitt.
Stracks / als bald / von stund an / [...]. Jch will stracks kommen / [...], Statim veniã.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 36, 11
(
moobd.
,
1524
):
dem soll vnnser Burgermaister, [...], strackhs nachkommen.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
was
[an Strafe im Fegefeuer]
er aber hie nit erlangt dasselb muoes sein geist strackhs erstatten mit pein dort im fegfewr.
Holland, a. a. O. Weibe ;
Lappenberg, Fleming. Ged. ;
Opitz. a. a. O.
12, 34
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
183
;
Wyss, a. a. O.
3, 79, 36
.
3.
kennzeichnet als modal fiktionales Adverb die meist positiv bewertete Gesinnung, Haltung, Handlung e. P. gegenüber einer anderen bzw. angesichts eines Sachverhaltes; im Einzelnen z. B.: ›aufrichtig‹ (von js. Handlung); ›deutlich, klar‹ (von einer Überzeugung); ›logischerweise‹ (von einer Argumentation, Schlussfolgerung); ›streng‹ (von einem Gebet, einer Forderung); ›e. P. / e. S. schnurstracks, direkt entgegengerichtet‹; ›standhaft, unbeirrt, beharrlich‹ (von einer Meinung); ›fest, unbedingt‹ (von der Anhänglichkeit an eine Frau); ›unmittelbar, direkt‹ (von einer Handlung, die ohne vermittelnde Zwischenstufen vollzogen wird); die Zuordnung der Belege zu einer dieser semantischen Verdichtungen ist in vielen Fällen diskutabel; vgl. (Adj.) 4.
Bedeutungsverwandte:
, (Adj.) 2; 3; 4, 1; 2; 3; 5; 6, ›unverbrüchlich‹.
Syntagmen:
j. s. eine hexe sein, s
. [wie]
handeln, gehorsam fordern, jm. anhangen, js. willen tun, etw. gebieten, einen artikel halten, ein urteil sprechen, auf seinem sin, auf dem schmalen weg bleiben, einer ordnung leben, e. S. zuwieder handeln, eine rede s. wieder gut, ein gebot sein, etw
. (Subj.)
s. an einer erfindung hängen
.

Belegblock:

Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2793
(
Köln
1476
):
Dat man in nyet vermyrcken kunt | Anders, dan hye stracks handelden | Jnd truwlych dayr in wandelden.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
45, 6
(
Frankf./M.
1550
):
was man beid partheien bat / | so wolt gut rath nicht haben stat / | Sie blieben stracks auff jhrem sinn.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
Gebens doch die Richter / selbst nach / daß es eben / kein Glaubens Articull seyn / daß alle die jenige / welche dieses Lasters halben / ingezogen werden / stracks Hexen seyen.
Opitz. Poeterey
17, 19
(
Breslau
1624
):
An dieser erfindung henget stracks die abtheilung / welche bestehet in einer fuͤglichen vnd artigen ordnung der erfundenen sachen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
Söliche yetz vermelte göttliche geschrift weyst den willen gottes stracks zu tun [...] und alle orden, closer, menschliche fund und uffsetz zu verlassen.
Sachs (
Nürnb.
1560
):
Weil er ir
[dem
weib
]
stracks anhangen thut, | Vergist gewalt, leib, ehr und gut.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 15, 15
(
Hagenau
1534
):
Gott hilfft dem sterckisten. Dise rede ist stracks widder Gott / Denn er hat nicht gefallen an der stercke.
Goldammer, Paracelsus
7, 173, 18
(
1530
):
dann dieweil gott die höchst obrigkeit ist und hats nit erlaubt, sonder stracks gebotten: ‚du sollt die ehe nit brechen‘.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1547
):
und hette in dem der kay. may., auch der capitulation stracks und dreifältig zuͤwider gehandlet.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
9, 14
(
mslow. inseldt.
,
1612
):
śein begehren nicht billich, vnd śtraks wieder das 9 gebott gotteß were.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
11, 13
;
Thiele, Chron. Stolle ;
Geier, Stadtr. Überl. ;
Jörg, Salat. Reformationschr.
323, 4
;
Bremer, Voc. opt.
39064
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 119, 34
.