sanftmut,
die
.
›Sanftmut, Freundlichkeit, Wohlwollen‹ (als Haltung des Menschen mit dem Ziel seiner Herzens- und Seelenbildung, speziell im Blick auf ein christliches Lebensverständnis); auch: ›Duldsamkeit gegenüber einem Leid, das zu ertragen ist‹; speziell als Tugend des Herrschers oder Richters: ›Milde, Gnade, Nachsicht‹ (auch gegenüber seinen Widersachern); zu 1, (
der
) 1.
Belege vorwiegend aus dem späten Frnhd.; gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
j. s. erzeigen / hochhalten / sehen / üben
;
(die) s
. (Subj.)
wieder
›wider‹
den zorn, den frauen änlich sein, die s. schmerzen ausstehen,
[wo]
vordringen
;
die früchte des geistes s. sein, die liebe
(Subj.)
mer als s. sein
;
etw
. (Subj.)
aus s. beschaffen sein, j. jn. in s. unterweisen, sich in der s. erfreuen, j. mit s. herdringen / leben, jn. mit s. gewinnen, etw. mit s. verantworten, an jm. mit s. arbeiten, j. das herz zu s. weiten
;
die edle / grosse s
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
241, 1
(
Lübeck
.
1639
):
Es muß eins vnter den zweyen erwehlet seyn / entweder / daß man mit Gedult vnnd Sanfftmuth vnter den Leuten lebt / vnnd das seine mit gutem gewissen vnd Fried behalt / oder mit Zanck vnd rumorn das seine handhabt / vnnd dabey vnruhig lebt.
Luther, WA (
1522
):
Also sollen wir auch mit unsern schwachen bruͤdern umbgehen, sollen [...] sie nicht greulich anschnautzen, sondern fein freundlich handeln und sie in aller sanfftmut unterweisen und leren.
Ebd. (
1522
/
3
):
Des geysts frucht (spricht er) [Paulus] sind liebe, freude, frid, langmut, freuntlickeyt, guͤttickeyt, glawben, sanfftmut, keuscheytt.
Sanfftmuͤt ist wider den zorn, das man sich nicht lasse erzurnen, fluche nicht, schlahe nicht, hasse nicht und thuͤ noch wunsche niemand nichts arges auch den feynden, das ist kunst.
Ebd.
117, 22
:
Die liebe ist mehr denn erbarmen, freundlickeyt, sanfft muͤt und demuͤt.
Rosenthal. Bedencken
6, 9
(
Köln
1653
):
Wir erfrewen vns mit S. Augustino / daß wir sehen [...] die so grosse Sanfftmut / welche die schaͤrffste Schmerzen in bekantnuß deß Catholischen Glaubens ohn widersprechung in so vielen tausenten außgestanden.
Sachs (
Nürnb.
1542
):
Senfftmut, du bist den frawen ehnlich, | Die alle ding tregt, leidt und duld.
v. Birken. Erzh. Österreich (
Nürnb.
1668
):
wiewol er
[der Kaiser]
sich itzt haͤtte raͤchen koͤnnen / so hat doch die edle Sanftmut in seinem Gemuͤte fuͤrgedrungen / also daß er dieser Stadt nicht weniger Gnade / als andren / erwiesen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Vnd was etliche Weiber mit Vnfreundlichkeit [...] sündigen, das sündigen hingegen etliche Männer mit Holtzböckerei vnd Tyranney. Derowegen [...] ein jegliches dahin zu sehen hat, wie es das andere mit Sanfftmuth vnd Freundlichkeit gewinnen
(möge).
Ruh, Bonaventura
332, 10
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
Zem erstenn sol das hertz die gnad ze erwerben genaigt syn zuͦ götlicher eer; zem andren sol man das hertz weittren zuͦ senfftmuͦt vnd dangbarkait.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
461, 6184
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Rosenthal. a. a. O.
7, 33
;
Reu, Süddt. Kat.
1, 259, 35
;
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern ;
Winter, Nöst. Weist. ;