rumoren,
V.
1.
›laut sein, lärmen‹; speziell auch: ›im Zorn laut werden, schreien, fluchen‹; mit Steigerung zum gewaltsam zerstörerischen Handeln: ›wüten, toben, Verwüstung anrichten‹ (auch vom strafenden Gott); subst.: ›Lärm, Getöse‹; offen zu 2 und 3;
vgl. 1.
Syntagmen:
j
. (z. B.
der evangelist / mensch, das weib
)
r
. (absolut);
j
. [wie, wo] (z. B.
hart, durch alle gassen, mit ungeduld, mit dem wort, den bildern, unter den heiden / teufeln, unter die schwermer / teuffel
)
r., das tier
(Subj.)
im land, um und um r., das mer mit brausen der wellen r
.; subst.:
ein nar mit rumoren rausplatzen
;
feuer
(Subj.)
mit rumoren die feinde fressen
.

Belegblock:

Luther, WA (
1524
):
Das man wol mag sagen, der wellt laufft und sonderlich seyner heyligen wesen sey Gottes mummerey, darunter er sich verbirgt und ynn der wellt so wunderlich regirt und rhumort.
Ebd. (
1544
):
[der] so freundlich mit jnen spielet als ein Vater mit seinen Kindern, Und doch hernach so grewlich unter jnen rumort und toͤdtet.
Ebd. (
1528
):
es ist ein mechtig gewaltiger Euangelist, der rhumort unter die Schwermer und Teuffel.
Ders. Hl. Schrifft.
Sach. 9, 15
(
Wittenb.
1545
):
Der HERR Zebaoth wird sie schützen / Das sie fressen [...] das sie trincken vnd rumorn
[
Mentel
1466 /
Eck
1537:
werden sy truncken
;
Wormser Proph.
1527:
eyn wesen haben als mann beim wein pflegt
;
Froschauer
1531:
wuͤten vnd schreyen
]
als vom wein, vnd vol werden als das Becken.
Dedekind/Scheidt. Grob.
207, 18
(
Worms
1551
):
Da plerr / rumor / sing / jauchts / vnd schrey / | Durch alle gassen wo es sey / | So muͤssen von dem gschrey vnd schall / | Die nachpaurn gleich erwachen all.
Sachs (
Nürnb.
1546
):
Nach dem das thier
[hier bildlich für Krieg]
war ungestümb, | Rumoret im land umb unnd ümb | Mit seynem uber-langen schwantz.
Ebd. (
1565
):
Der herr wird sie [feinde] [...] | Verschlingen in seim grimmen zorn; | Fewr wird sie fressen mit rumorn.
Ebd. (
1562
):
Wo aber sie [weib] nit wird gewert, | [...] | Da sie mit gar wütigem zorn | Denn thut hart wüten und rumorn.
Vgl. ferner s. v. 2.
2.
›(sich) streiten, handgreiflich raufen (und dadurch die öffentliche Ruhe stören)‹ (von einzelnen Personen); auch: ›kämpfen, (kriegerische) Auseinandersetzungen führen‹ (von Personengruppen); subst.: ›Streit, Kampf‹;
vgl. 2.
Bedeutungsverwandte:
, 1, 2; vgl. .
Gegensätze:
(V.) 2.
Syntagmen:
j. mit jm., mit dem schwert, um den taler r
.; subst.:
got
(Subj.)
das rumoren ansehen
;
j. zu einem rumoren kommen
;
das grosse / seltsame rumoren
.
Wortbildungen:
rumorer
›Raufbold‹ (dazu bdv.: vgl. ).

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
273, 2
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Herr got, sih an den kummer, | das wusten hergen und daz gros rumorn.
Sachs (
Nürnb.
1553
):
Den wirdt unde diesen dorffpfaffen, | Hab ich gemachet beidt zu affen, | Das sie beidsam rumoren wern | Umb den thaler.
Ebd. (
1554
):
Da kam ich [...] | Zu einem sėltzamen rumorn: | Ein krämer hett sein geldt verpilt, | Drob war die krämerin so wildt | [...] | Thetten drob an-einander schlagen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1603
, Hs.
18. Jh.
):
wellicher wiert [...] dem romorer darvon hilft, soll selbs [...] gestraft werden.
Ebd. (
1391
, Hs.
1528
):
Wenn es sich [...] zuetrug das ainer mit dem andern rumort oder gefächt anfiengen [...] und ainer an den andern hand anlegt [...], der ist pueßfellig.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
17. Jh.
):
so hat unser richter auch in frävelssachen, als rumorn, raufen, schlahen [...] zwischen den unsern güet- oder rechtlich zu handlen.
Vgl. ferner s. v. 5.
3.
›aufbegehren, sich widersetzen‹; im Einzelnen auch: ›Zwietracht säen‹ (vom Teufel, von Anhängern ,falscher‘ Glaubensrichtungen u. Ä.); ›seine Unzufriedenheit äußern und gegen die herrschende (politische, soziale) Ordnung rebellieren‹; mit Bezugsgrößenverschiebung absolut: ›brodeln, sich zersetzen‹ (von der politischen, sozialen Ordnung);
zu 3.
Gegensätze:
(V., unr. abl.) 6.
Syntagmen:
es rumort
(absolut);
j
. (z. B.
der teufel, die jungfrau
) [wann, wie]
r
.,
j. lange / wiederbellend, ane unterlas r
;
j. mit der ehe, dem haushalten, um einen trunk bier, wieder die ordnung, das weltliche regiment r
.

Belegblock:

Luther, WA (
1523
):
Die hochsten der welt wundern sich iczt, das es alßo rumuhrt.
Ebd. (
1524
):
Wer ists aber, der also mit der ehe und hauhallten rhuͤmort und keret es so seltzam?
Ebd. (
1544
):
Da sihet man, wie er [teufel] rumoret on unterlas, Offentlich wuͤtet und tobet wider die gantze Christenheit.
Ebd. (
1527
):
Wir sind also geschickt, das wir wol umb ein trunck bier duͤrffen haddern und rumorn.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
um 1525
):
Wir han die sach zu wild getriben, | An pfaffen fieng es erstlich an, | [...] | Die werden nun so lang rumoren, | Biß das sie alle ding umbkoren.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
233, 11
(
Nürnb.
1548
):
Jch bin der Herr / dein Gott [...] das ist / der ein zeytlang dem Teuffel / vnnd der blinden welt zusihet / das sie rumoren / vnd seine liebe Christen engsten vnd plagen.
Sachs (
Nürnb.
1554
):
[Die jung fraw spicht:] Wenn du
[Ehemann]
zörnest, so solt ich schweygen | Und nicht widerpellent rumorn.