rumoren,
V.
1.
›laut sein, lärmen‹; speziell auch: ›im Zorn laut werden, schreien, fluchen‹; mit Steigerung zum gewaltsam zerstörerischen Handeln: ›wüten, toben, Verwüstung anrichten‹ (auch vom strafenden Gott); subst.: ›Lärm, Getöse‹; offen zu 2 und 3; Syntagmen:
j
. (z. B. der evangelist / mensch, das weib
) r
. (absolut); j
. [wie, wo] (z. B. hart, durch alle gassen, mit ungeduld, mit dem wort, den bildern, unter den heiden / teufeln, unter die schwermer / teuffel
) r., das tier
(Subj.) im land, um und um r., das mer mit brausen der wellen r
.; subst.: ein nar mit rumoren rausplatzen
; feuer
(Subj.) mit rumoren die feinde fressen
.Belegblock:
Das man wol mag sagen, der wellt laufft und sonderlich seyner heyligen wesen sey Gottes mummerey, darunter er sich verbirgt und ynn der wellt so wunderlich regirt und rhumort.
[der] so freundlich mit jnen spielet als ein Vater mit seinen Kindern, Und doch hernach so grewlich unter jnen rumort und toͤdtet.
es ist ein mechtig gewaltiger Euangelist, der rhumort unter die Schwermer und Teuffel.
Der HERR Zebaoth wird sie schützen / Das sie fressen [...] das sie trincken vnd rumorn
[
werden sy trunckenMentel
1466 / Eck
1537: ;
eyn wesen haben als mann beim wein pflegtWormser Proph.
1527: ;
wuͤten vnd schreyenFroschauer
1531: ]
als vom wein, vnd vol werden als das Becken. Da plerr / rumor / sing / jauchts / vnd schrey / | Durch alle gassen wo es sey / | So muͤssen von dem gschrey vnd schall / | Die nachpaurn gleich erwachen all.
Nach dem das thier
[hier bildlich für Krieg]
war ungestümb, | Rumoret im land umb unnd ümb | Mit seynem uber-langen schwantz. Der herr wird sie [feinde] [...] | Verschlingen in seim grimmen zorn; | Fewr wird sie fressen mit rumorn.
Wo aber sie [weib] nit wird gewert, | [...] | Da sie mit gar wütigem zorn | Denn thut hart wüten und rumorn.
2.
›(sich) streiten, handgreiflich raufen (und dadurch die öffentliche Ruhe stören)‹ (von einzelnen Personen); auch: ›kämpfen, (kriegerische) Auseinandersetzungen führen‹ (von Personengruppen); subst.: ›Streit, Kampf‹; Syntagmen:
j. mit jm., mit dem schwert, um den taler r
.; subst.: got
(Subj.) das rumoren ansehen
; j. zu einem rumoren kommen
; das grosse / seltsame rumoren
.Wortbildungen:
rumorer
Belegblock:
Herr got, sih an den kummer, | das wusten hergen und daz gros rumorn.
Den wirdt unde diesen dorffpfaffen, | Hab ich gemachet beidt zu affen, | Das sie beidsam rumoren wern | Umb den thaler.
Da kam ich [...] | Zu einem sėltzamen rumorn: | Ein krämer hett sein geldt verpilt, | Drob war die krämerin so wildt | [...] | Thetten drob an-einander schlagen.
wellicher wiert [...] dem romorer darvon hilft, soll selbs [...] gestraft werden.
Wenn es sich [...] zuetrug das ainer mit dem andern rumort oder gefächt anfiengen [...] und ainer an den andern hand anlegt [...], der ist pueßfellig.
3.
›aufbegehren, sich widersetzen‹; im Einzelnen auch: ›Zwietracht säen‹ (vom Teufel, von Anhängern ,falscher‘ Glaubensrichtungen u. Ä.); ›seine Unzufriedenheit äußern und gegen die herrschende (politische, soziale) Ordnung rebellieren‹; mit Bezugsgrößenverschiebung absolut: ›brodeln, sich zersetzen‹ (von der politischen, sozialen Ordnung); Syntagmen:
es rumort
(absolut); j
. (z. B. der teufel, die jungfrau
) [wann, wie] r
., j. lange / wiederbellend, ane unterlas r
; j. mit der ehe, dem haushalten, um einen trunk bier, wieder die ordnung, das weltliche regiment r
.Belegblock:
Die hochsten der welt wundern sich iczt, das es alßo rumuhrt.
Wer ists aber, der also mit der ehe und hauhallten rhuͤmort und keret es so seltzam?
Da sihet man, wie er [teufel] rumoret on unterlas, Offentlich wuͤtet und tobet wider die gantze Christenheit.
Wir sind also geschickt, das wir wol umb ein trunck bier duͤrffen haddern und rumorn.
Wir han die sach zu wild getriben, | An pfaffen fieng es erstlich an, | [...] | Die werden nun so lang rumoren, | Biß das sie alle ding umbkoren.
Jch bin der Herr / dein Gott [...] das ist / der ein zeytlang dem Teuffel / vnnd der blinden welt zusihet / das sie rumoren / vnd seine liebe Christen engsten vnd plagen.
[Die jung fraw spicht:] Wenn du
[Ehemann]
zörnest, so solt ich schweygen | Und nicht widerpellent rumorn. Schulz/Basler
3, 504
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