samnen,
sammen,
V.
1.
›(an einem Ort, zu einem bestimmten Zweck) zusammenkommen, sich versammeln‹; ›(aufgrund gemeinsamer Interessen u. dgl.) eine Gruppe bilden, sich vereinigen‹; jeweils von mehreren Personen (oder als Personen gedachten Wesen), auch von Personengruppen, die sich zu einer größeren Gruppe zusammenfinden, gesagt; speziell auch von militärischen Einheiten, dabei zum Teil in der Verbindung
j
. (Sg.)
sich samnen
stellvertretend von Führungspersonen gesagt: ›eigene Truppen zusammenziehen, versammeln‹; vereinzelt von Tieren; speziell von Gewässern: ›sich vereinigen, zusammenfließen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 3.
Gegensätze:
2.
Syntagmen:
j
. (z. B.
der bischof / pöbel / rat, die pfafheit / ritterschaft, die ältesten / gereisigen / jünger / kardinäle, die durchziehenden personen, die erlichen frauen
)
sich s., die tiere sich s., j. sich
[wo] (z. B.
auf dem markt, bei dem spital, in den gassen, zu Soloturn
)
s., die vögel sich auf das erdreich, j. sich gegen jn., mit jm., mit her, mit lob, zu etw
. (z. B.
zu streit, zu einem turnei
)
s
.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
62, 17
(
14. Jh.
):
Wann die sele sich sament in sich selben und auf get und staret, so wer ir vil leihter ein tot zu leiden, dann daz sie hie her wider kume.
Feudel, Evangelistar
63, 1
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
do samenten sich dy eldesten des volkes unde fursten der pristere unde dy meistere unde vurten en in ir rathus.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
die gereisigen sampten sich gewönlich auf dem Marckt.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz. (
alem.
,
um 1430
):
mornends [...] samnotend sich all cardinäl, ertzbischoff, patriarchen, bischoff, och alle pfaffhait.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
In disem kriege uf den vorgenanten dag samete sich der künig von Krackowe mit unzellichem grossen volke der heiden, mit künig Witolde, mit künig Sygemunt.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Die hymel wurdent uf getan | Gen Ihesu Cristo, do er kam, | Und samnotent sich mit lobe gar | Gegen im aller engel schar.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1409
):
da samnet sich des bischoffs hofmaister und berennet die statt und gewan si wider.
Ebd. (Hs.
16. Jh.
):
also sameten sich die von Wirtemperg, die von Öttingen, auch die von Rottenpurg [...] und die von Ulm ec. mit macht.
Ebd. (zu
1547
):
auch anndere dergleichen durchziehende personen sollen vnderwegen an kainem ort über zwen tag sich samen oder stilligen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
welhes menschen stirn sich gesamnet hât auf ir mitel, der ist zornich.
wenne sich diu tier von enander tailnt, daz bedäut streit zwischen den menschen, aber wenn sich diu tier samnent [...], daz bedäut vrid.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
als sich die ritterschaft zu einem torney sammet, allso samment sich die selen zu den selmessen.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
69, 29
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
5, 5
;
Völker, Antichrist
1852
;
Primisser, Suchenwirt ;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Vgl. ferner s. v. (
die
) 2.
2.
›jn. (an einem Ort, zu einem bestimmten) Zweck versammeln, zusammenkommen lassen‹; ›Personen (oder Personengruppen) zusammenrufen, zusammenbringen‹; mehrfach von Truppen gesagt; speziell auf Ehepartner bezogen: ›jn. vereinigen, verbinden‹; transitiv; im Part. Prät. teils mit Tendenz zu adjektivischem Charakter.
Phraseme:
jn. ehelich samnen
›jn. verheiraten‹;
sich leiblich mit jm. samnen
›mit jm. Geschlechtsverkehr haben‹.
Bedeutungsverwandte:
, , ; vgl. 2.

Belegblock:

Feudel, Evangelistar
6, 18
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Jherusalem, Jerusalem [...], wy dicke wolde ich samen dyne kindere czu glicher wiz alse dy henne sament ere kuͤchele undir ere vlugele.
Werbow, M. v. Amberg. Gew.
363
(
omd.
/
oobd.
,
v. 1382
):
Daz ist du scholt dich mit nyemand leipleichen sampnen auswendig der heyligen ee.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Also nu dy frowe dy koniginne gestarp da selbest, da lyss sy den juncfrowen, dy sye by sich gesamment hatt, eyne suberliche habe von gelde.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
Und her
[Herodes]
samente
[
Luther
1545:
lies versamlen
]
alle vuͦrsten der pristere und di scribêre [...] und vregite von en wô Christus geboren worde.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Wa zwen in meinem nomen fort | Pey einander gesamet seinn, | Würd ich stett sein in irer mit.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1383
):
Do samnotend die von Kiburg dozwúschent in den landen ritter und knecht.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
262, 10
(
els.
,
1362
):
[er] samnete sinen rot vnd frogete waz er uf disem Pylato solte tuͦn.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
[Cuͦnradinus] samete ein michel here und kam in Jtaliam in welsche lant.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
der kúnig gebot daz do wurden gesament
[
Wormser Proph.
1527 /
Froschauer
1531:
man soͤlte [...] zuͦsamen beruͤffen
;
Eck
1537:
zusamen beruͦft wurden
;
Luther
1545, Dan. 2, 2:
er hies [...] zusamen foddern
]
die warsager vnd die sternschauwer.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Ain vil starcke herfartt | Samnen er begunde.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Des volkes was unmassen vil | Inder stat gesamenot.
Morrall, Mandev. Reiseb.
135, 23
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Dar nach der selb Cham sampnet sin volck und zoch uff sin fygend.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
da sameten sie ain großen rat auf das rathaus und erzälten der gmain das groß übl.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ain man und sein fraw werdent gesament an dem kind, daz ir paider fruht ist.
Auer, Stadtr. München (
moobd.
,
n. 1347
):
Swo zwai gemechet eleich gesamet werden.
Leidinger, V. Arnpeck (
moobd.
,
v. 1495
):
da sprach der kaiser: frau, du solt wissen, das got mit uns ist, dann wir sein gesamnet in seinem namen, und unser keusch sol sein in gehaim
(beide Eheleute haben vor der erzwungenen Heirat Keuschheit gelobt).
Hübner, Buch Daniel ;
Feudel, a. a. O.
65, 13
;
Williams u. a., a. a. O.
311, 22
;
Rennefahrt, Stadtr. Bern ;
Völker, Antichrist
557
;
Drescher, Hartlieb. Caes. .
3.
›etw. sammeln, einsammeln, aufsammeln‹; ›etw. (meist: mehrere Objekte gleicher oder ähnlicher Art) an sich bringen‹; speziell auch: ›ernten‹ (in bildlichem Gebrauch); ›etw. mit etw. anderem zusammenbringen, zusammensetzen, vereinen‹; ›etw. konzentrieren, verdicken‹ (vom
dünnen blut
gesagt); refl.: ›sich sammeln, zusammenfließen‹ (von Wasser gesagt); ütr. auf die
sinne
und die
kräfte der sele
: ›etw. an einem Punkt zusammenziehen‹.
Bedeutungsverwandte:
3; 6, 1, 1, (V.) 1, ; vgl. 1, 2.
Syntagmen:
j. s
. (absolut);
j. etw
. (z. B.
die gülte, das geld / wasser, die kleinode / pfennige, allen hort, viel
)
s., jm. grosse güter s., die sele
(Subj.)
alle ire kräfte, die feigenmilch
(Subj.)
das dünne blut s., j. etw. in seinem sin, der mensch seine auswendigen sinne zu sich selber s
., (
etw
. [ein Tier], Subj.)
den mist in seinem leib s
.,
j. reichlich s
.,
das wasser
(Subj.)
sich in das mer s
.;
j. der zeichen
(Gen.obj.),
das tier der fische s
.;
die wasser
(Subj.)
an einer stat gesammet werden, der natürliche tag
(Subj.)
von tag und nacht gesammet sein
; subst.:
das sammen des schatzes
; als part. Adj.:
der gesammete name
.
Wortbildungen:
sammenkasten
›Sammelbehälter für Wasser; Zisterne‹,
samner
1 ›mit dem Eintreiben von Abgaben beauftragte Person‹; 2 ›Erntearbeiter‹,
sämner
1 ›mit dem Eintreiben von Abgaben beauftragte Person‹; 2 ›Erntearbeiter‹.

Belegblock:

Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Antonius der gewere | Sammente gar in sinen sin | Waz im gesaget wart von in.
Jostes, Eckhart
34, 3
(
14. Jh.
):
Wil si [di sel] dan dar zu chumen, daz si nihtes niht bedurf [...], so sol si alle ir creft sammen in iren freien willen, daz si ungehindert beleiben von ir selber.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wer mit mir niht enist, der ist wider mich, und wer mit mir niht ensamenet, der zerströuwet.
Ders., Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diu sêle wirt geliutert in dem lîchamen dar umbe, daz si samene, daz zerspreitet ist und ûzgetragen.
Feudel, Evangelistar
18, 29
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Lazzet uwir samenen des schaczis uf der erden, den der rost unde dy melen vornichten.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
du snides dâ du nicht gesêwit inhâst, und sammest
[
Luther
1545:
samlest
]
dâ du nicht gestrouwit inhâst.
Palm, Veter Buoch (
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Sage mir, was sal ich samenen in miner ivgende, das ich an dem alder habe?
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
74, 45
(
nobd.
,
v. 1412
):
das nyemant seynen lesern essen an das felt gebe dan eynem leser 1 h weck und puttentragern, semnern und mostern yedem 1 ₰ weck.
Mon. Boica, NF. (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
dieselben garben nympt ein flurher ein [...]; dartzu solt dy herschaft [...] einen schicken der im dy huͤlff sammen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
da gab im ein frau ein haller. er [petler] samet vil darnach.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Sie ruft an freundt und wen sie mocht, | Und samet in dem hauß was dar zw docht, | Cleinet und zir | Das nam sie hin gar schlechte.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
Item von dem obgeschriben sammenkasten geet das wasser in hültzen rören in dem graben neben der meur gen felt.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
der rilich seiet, der samnet oͮch rilich.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Ein ieklich guͦt mensch, wenne es betten wil, so sol es sammenen sine uswendigen sinne zuͦ im selber.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Die wasser die do sint vnder dem himel die werdent gesamet
[
Luther
1545, 1. Mose 9:
samle sich
]
an ein stat.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
dû solt der zaichen samnen sô dû maist maht und vindest dû si widerwärtig gegen ainander, sô volg dem sterkern.
daz tier ist sô girig auf ezzen, daz ez der visch sô vil samnet.
Plinius spricht, diu veigenmilch samnet daz dünne pluot und macht ez dick.
von den zwain worten
[
sarcos
und
phagos
]
kümt der gesamnet
[›zusammengesetzte‹]
nam sarcophagus.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
29, 18
(
noobd.
,
1347
/
50
):
wir reden von dem naturleichem tag, der gesament ist von tag und von naht.
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
504, 5
(
noobd.
,
1361
):
Waer auch, daz der selben haupt viehes minner wann zehenniw waeren und die selben herren oder ir samner wolten peiten uf daz naechst oder auf die andern jar hernach [...].
Steer, K. v. Megenberg. Sel
222
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
Die beschreibung vnd die chündung der sel, die vor geschriben sind, die sammet Johannes Damascenus in ainew.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
379
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Vnd wie uil mer vnd wasser sind, so sammen si sich alle in daz grosse mer, als geschriben stet Ecclesiastis jͦ.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
9368
;
Mon. Boica, a. a. O. ;
Lexer, a. a. O. ;
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1142
;
Langmantel, Schiltb. Reiseb. ;
Karnein, de amore dt.
65, 17
;
Siegel u. a., Salzb. Taid. ;
Voc. Teut.-Lat.
bb vjv
;
Vgl. ferner s. v. .