ris,
der
;
-Ø/-se
.
1.
›längliche Verletzung einer (festen) Oberfläche von unterschiedlicher Größe‹; ›(durch Gewalteinwirkung entstandener) Spalt, Schlitz‹; ›durch Reißen verursachte Öffnung‹; auch ütr.; speziell: ›(klaffende) Wunde‹; zu (V.) 1.
Phraseme:
ein schändlicher / böser ris in einem guten tuch
sprichwörtlich wohl für den rücksichtslosen Umgang mit etwas Kostbarem.
Bedeutungsverwandte:
1
2; 3, 1,
1
1, ; vgl. .
Syntagmen:
einen r. bekommen / machen, das glas
(Subj.)
einen r. haben
;
ein r
. (Subj.)
geschehen / zuheilen
, [wo]
sein
;
in die risse wasser giessen, in den rissen etw. finden
;
der r. des zänleins, die risse der wunden
;
der r. in einem stein / tuch, von oben bis tief in die erde
;
der böse / scheusliche r
.;
ledersäcke ane r
.
Wortbildungen:
rissicht
›viele Risse aufweisend‹ (dazu bdv.: vgl. , 4).

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
Das heisst je einen scheuslichen riss in das Juͤdenthumb gemacht und also drein gegrissen.
Ebd. (
1537
):
[Constantius] machet aller erst einen riss, das alle Fuͤrsten, reichen, gelerten hinach fielen und des Arij ketzerey verfachten.
Ebd.
127, 26
:
Es ist ein schendlicher, boser ris in das thuch, quod sich vermist et aliso contemnit.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
526, 604
(
Magdeb.
1608
):
wo ein riß jhrs [Spitzmeuse] Zeenleins ist / | Die wund vol roter blattern brent.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Mainz
1550
):
Wie die Sonn durch ein Glas dringt, da doch kein riss geschicht [...], Also hat die Jungfraw Gott geberet.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
63, 12
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
di adamant, di vint man in den rissin in den das wassir nidir vellit.
Pyritz, Minneburg
4730
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
daz min hertz wer verwunt | Mit einem gluwenden spisse, | So daz der wunden riße | Mir ymmer mer geheilten zu?
rissicht / voll riß.
Müller, Welthandelsbr.
224, 7
(
schwäb.
,
1506
):
Setz für die lederseck an riß duc. – karl. 3 ci 2.
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
Under der gedachten cappella [...] hatt es noch ein andere cappell, in wölcher der rüß durchscheidenlich von oben an dös föllsens büs tüef in düe erden, eine cluften so weyt, das einer denn kopf köndte hinein stöcken.
2.
›Strich, Linie, Umriss (als Teil einer Zeichnung)‹; metonymisch auch: ›Entwurf, Skizze; Grundriss‹ (und das zu dessen Herstellung verwendete Instrument); dies auch bildlich; zu (V.) 5.
Bedeutungsverwandte:
1, 3, 1, ; vgl. 2, 1.

Belegblock:

Schmitt, Fachprosa
34, 23
(o. O.,
1486
):
mach mit dem czirkel vom n pisz vnter das o, doch das vom o pisz avf dy liny j k ain risz, dar avf des czirkels risz bleibt, des ain exempel jn der nachgemachten figvr.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
um 1506
):
So sichstw jn der figur, wÿ dy stiren, nas, mawll vnd kin jn solich ris getzogen werden.
Ebd. (
1513
/
5
):
Van dan reis mit dem tzÿrkell hindersich ein runden ris.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ein vnderzogner Rissz oder senn / wie es die Mathematici brauchend. Chorda. Die Rissz / züg / oder strich der buͦchstabẽ.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
181
(
schwäb.
,
1455
):
[an Maria gerichtet]
Laus schön figur enbrechen | Ab diner gnauden ryß!
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Sagt weiter die geometrei von natur und aigenschaft des riß und strichs.