ratstul,
der
;
-s/–
.
1.
›Position eines Ratsmitglieds; Sitz im städtischen Rat‹; zu (
der
) 5.
Phraseme:
den ratstul räumen
›die Ratsmitgliedschaft aufgeben‹;
am / zu ratstul sitzen
›ein Ratsamt innehaben‹ (a. 1500).
Syntagmen:
den r. besetzen
;
j. des ratstuls fähig sein, jn. des ratstuls entsetzen, sich des ratstuls unwürdig machen
;
jn. aus dem r. drängen, vom r. stossen, zum r. küren
;
die absonderung vom r., die besoldung zum r
.

Belegblock:

Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
Daruber bin ich bliben sitzen und den rathstul nicht gereumbt.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
So ist er (da)durch, das er die heimligkeit [...] des rates geoffenbaret hat, meineidig worden und (hat) sich damit des ratstuls die zeit und dhweil er lebt, unwirdig gemacht.
2.
›(stattfindende) Ratsversammlung‹; zu (
der
) 5.
Phraseme:
der sitzende ratstul
.
Syntagmen:
den r. mit bürgermeistern / ratmannen besetzen
;
jn. aus dem r. verordnen, etw. in den r. bringen, jn. in den r. wälen, jn. von dem r. entberen, j. vor den r. kommen
.

Belegblock:

Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
das mogen sie richten in siczczendem
[sic]
ratstule unde halden uff ire burger mit irem eyde.
Logen stroffet ymand den rad busszen deme siczenden ratstule, den mogen dy ratmanne dorumbe beschuldigen vor gerichte.