ratman,
ratsman,
der
;
-(ne)s / -(n)en
, auch
rat(s)leute
.
1.
›Mitglied, Angehöriger eines Stadt-, Gemeinderates; gewählter oder ernannter Vertreter in der städtischen Selbstverwaltung‹; speziell auch: ›Angehöriger des römischen Senats‹; vgl. (
der
) 5; 7, zu
1
1.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1, 1, 1, 1, , .
Syntagmen:
die ratmannen heissen / kiesen / weisen
;
der r
. (Subj.)
den frieden gebieten, jm. etw. nemen, die geheime des rats offenbaren, die ratmannen geloben / schwören, etw. bekennen, anregung tun, erkennen, das [...], einen bürgermeister kiesen, ir bürgerding auslegen, für die waisen denken, jn. um einen leidlichen pfennig setzen
;
den ratleuten etw. geloben / verpfänden
;
die Römer mit den ratleuten ire stat bilden, j. zu einem r. klagen
;
die ratmannen der stat
[+ Ortsname],
der räte
;
der r. von, zu
[+ Ortsname];
der alte / älteste / ersame / getreue / liebe / neue r
.;
das beisein eines ratmans
.

Belegblock:

Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
Do wurden sy tzu rothe das sy koren ratmanne tzu eyme Jare.
Helbig, Qu. Wirtsch.
1, 103, 11
(
md.
,
1380
):
Wir ratzlute unnd gesworenen der (stat zcu) Liptzk aller dreyer rethe bekennen offentlich, das [...].
Ebd.
2, 185, 4
(
1415
):
Den erbern weisen burgermeistere unde ratmannen der stad Dresden [...] unsern unverdrossen dinste zcuvor.
Ebd.
3, 99, 33
(
1582
):
Nachdem Unsere liebe besondere, die Ehrsamen, Rathmannen, Meistere der Innungen und Gemeinheit der Stadt Halle [...] unlängsten anregung getan, daß [...].
Köbler, Ref. Wormbs
101, 21
(
Worms
1499
):
Die obberürt verkündung mag gescheen dryerley wyse [...]. Zum dritten mit inwerffen eins Steins in solichen nuwen Buwe in bysyn eins Notarien vnnd gezugen. eins Ratsmans oder anderer glaubwirdiger Person.
Goerlitz u. a., Rechtsd. Schweidnitz
64, 16
(
omd.
,
1341
):
Ist ouch, das kinder vuͤrweysin vater halp, so sullen die ratluͤte von der Swidnicz [...] denken vor die weysin, das in ein sulch vormunde werde, das di kint nicht vorterbin.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Nu sullen wir vort sagen wie die Romer yre stat bilden mit den ratissluten.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
16.
/
17. Jh.
):
welcher rathmann die gehaim des raths offenbaret [...], den soll man aus dem rath thuen.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
62
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
Soll nimants khainen wein auffthun bis er von dem Herrn Richter vnd Eltesten Ratmanen vmb Einen zimlichen leÿdlichen phening seiner guet nach gesetzt wirt.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
132, 13
;
Helbig, a. a. O.
52, 26
;
2, 16, 5
;
Köbler, a. a. O.
338, 25
;
Goerlitz u. a., Magd. Schöff./Schweidnitz
199, 20
;
ders., Magd. Schöff./Posen
109, 6
;
Küther, UB Frauensee
188, 13
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr. ;
Vgl. ferner s. v. (V.) 13, 1.
2.
›Ratsmitglied in der Funktion als Gerichtsmitglied; Beisitzer bei Gericht‹; speziell: ›Schiedsmann‹; anschließbar an 1; vgl. (
der
) 2; 3; 11, zu
1
1.
Md.
Syntagmen:
der r
. (Subj.)
am landgericht sitzen, die ratleute etw. benennen / machen / teidingen, vor dem gericht schwören
;
den ratleuten etw. geben
;
der geschworene r
.

Belegblock:

Schwartzenbach (
Frankf.
1564
):
Rathman. Gerichtsman. Gerichtsschoͤpff. Beysitzer. Beyraͤhtiger. Mitvrtheiler. Mitrichter.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
,
1325
):
waz di ratlute da benennen oder theidingen an selmesssen [...], daz sal also besten.
Rössler, Stadtr. Brünn (
mähr. inseldt.
,
1. H. 14. Jh.
):
wer den rat pricht, der schol dem andern tail, daz den rat halt, dez selben guetes ein drittail geben und der stat ein drittail und den ratleuten ein drittail, ez sei dan, daz ez di ratleut anders machen.
Foltz, UB Friedb. ;
Rössler, a. a. O. ;
3.
›Ratgeber, Berater‹; speziell: ›Rechtsberater, Rechtsbeistand‹; vgl. (
der
) 1; 10, zu
1
1.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. , 3; 4, 3, 2.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
deine zeugnis heilger zier | Das hertz im leib erfrewen mir, | Jch laß sie mir iñ sachen mein | Mein trewen ratsleut immer sein.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
28, 18
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Umb werwort zu finden bedarf sie [ein weib] keines ratmannes.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 753, 26
(
schwäb.
,
1580
):
Es soll ain jede partei, so rechten will, vom aman ain fürsprechen und razman nemen und begeren vom gericht.