radbrechen,
auch
radebrechen,
radenbrechen
,
V.;
die schwache Flexion geht vermutlich zurück auf
ahd.
brehhôn
›bedrängen, heimsuchen‹
(
Splett, Ahd. Wb.
1, 1, 97
;
Duden
7, 2014, 673
).
1.
›jn. (einen zum Tode Verurteilten) mit dem
rad
hinrichten; js. Glieder mit dem
rad
brechen; js. Körper auf ein
rad
flechten‹; zu 3, vgl.
4
19 (unter semantischem Aspekt).
Zur Sache:
Hrg
4, 135
 ff.
Bedeutungsverwandte:
, 1; 2, 1,
1
4, ; vgl. 16, 5.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Rädern radbrechen glider zerstossen.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
alle mordere vnde, de den ploch Rouͦben vnde de molen vnde kerchen vnde kerkhouͦe, vnde alle vorretere vnde mortbernere vnde, de ire bodeschaft zuͦ irem vromen werben, De sal man alle radbraken.
were dichein tot erger wan Radebraken.
Luther, WA (
1526
):
Also mus die oberkeit den poͤfel [...] schlagen, wuͤrgen, hencken, brennen, kopffen und radenbrechen, das man sie fuͤrcht und das volck also ynn eim zam gehalten werde.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
also schlaifet man in von Fridberg auß auf ainem prett biß zu dem galgen bei dem zollhaus und radprecht in.
Ebd. (zu
1508
):
auch etliche im reichstag darauf viertailen, vor mit dem reitl und strick erwurgen und darauf ratbrechen lassen.
Ebd. (zu
1560
):
Darauf ist zuͦ urtail [...] erkent [...], daß diser mörder soll lebendig geradbrecht werden.
Andreae. Ber. Nachtmal
30v, 18
([
Augsb.
]
1557
):
Daher nachmals die Pawrñ gesagt / Die Pfaffen radbrechen vnsern Herrñ Got in der Messz.
2.
›etw. (eine mündliche oder schriftliche sprachliche Äußerung) verkürzen, verstümmeln‹;
vgl. 3,
4
24; 27.

Belegblock:

Luther, WA (
1540
):
Et haben das hertzleid, wie sie den schonen text zemartern und ratbrechen, quasi were ein grosse kunst ein andere nasen zugeben dem text.
Behrend, Spangenb. Anbindbr. (
Straßb.
1611
):
Gleicher gestalt auch Weiber Namen | Die man also Radbrecht all samen | Trud / Sus / Nes [...].
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Er ist gleichwol im druck ausgangen, aber dermasen geradprecht, daz der autor, so er wider lebendig, das buch nit für das sein erkennen würdt.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
6, 38, 2
;