quarte,
aus
mlat.
quarta, quartum
›Hohlmaß; Viertelhufe; Viertel des Zehnten‹
(
).
– Alle Ansätze sind als Spezialisierungen zu
1 auffassbar.
2.
›vierter Teil einer steuerlichen Abgabe‹; überwiegend speziell: ›bischöflicher Zehntquart (vierter Teil des Kirchenzehnten, der an den Bischof zu entrichten ist)‹.
Wobd.; Rechts- und Wirtschaftstexte.
Syntagmen:
die q. beziehen / haben / kaufen / lösen / übergeben / verkaufen / versetzen / zustellen, jm. (zu lehen) geben
;
die q
. (Subj.)
jm. bleiben / gehören, ab dem zehenden gehen, jm. (nach recht und gewonheit) gebüren
;
jn. an der q. beschweren, järlich etw. für die, von der, zu der q. geben, jn. mit der q. erweichen
;
die q. des zehenden, der kirche, des gotteshauses
;
die q. auf den zehenden, aus dem kornzehenden
;
die bischöfliche / grosse q
.;
der kauf der q
.;
die pfarre mit der q
.
Belegblock:
Leisi, Thurg. UB
5, 200, 3
(
Konstanz
1347
):
Und hat mir der selb min herre bischoff Uͦlrich umb die selben sehszig pfund pfenning versetzet die quart der kilchen ze Singen.
wand nû duͥ selbuͥ kilche Syrnach quertig ist und uns und alle pyschofe ze Costentz duͥ quart derselben kilchen [...] zuͦgehoͤret.
Als der vest ritter, hern Ulrich der Paigrer seͣlig [...] von unserm gotzhus koufft hett die stat und burg ze Arbon mit [...] núczen und gúlten, zinsen, zehenden, quarten, veͣllen und geleͣzzen.
Kläui, Urk. Kaiserstuhl
40, 3
(
halem.
,
1404
):
Marquart, Bischof zu Konstanz urkundet, daß ihm
Cuͦnrad Wirt von Kaiserstuͦl sinen zehenden ze Kaiserstuͦl und ze Herdern gelegen, den er von uns und unserm gotzhuse ze lehen bisher gehebt haͧt, dar uff uns ouch jaͤrlich die quart gaͧt.
Boos, UB Aarau
(
halem.
,
1426
):
den zehenden ze Lintzenach und ze Felterin, den man nennet den quart und den byschoffzehenden.
Gagliardi, Dok. Waldmann
1, 243, 16
(
halem.
,
1487
):
die zwey dörffer Rieden und Diettlikon [...] sind ablösig mit 80 guldin rinischer houptguͦtz [...] für fryg, ledig, unverkümbert eigen, byß an die quart, so ab dem zechenden gemeinlich zuͦ Rieden gaͧt.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
(
halem.
,
1525
):
Darzu hab das gotzhus der pfründ mergklichen schaden, nemlich muss er geben jerlich dem priester für sin pfrund zwaintzig malter beder korn und sechs som win und gen Costentz
[an den Bischof]
für quart.
Boner, Urk. Brugg
442, 30
(
halem.
,
1554
):
daß alle Güter im Kirchensatz und Zwing Bötzberg den frowen zuͦ Wicken mit cleynen vnd grossen zehenden ze dienen schuldig sei, davon gehöre dem von Ratperg die quart oder vierdt theil.
Mollwo, Rotes Buch Ulm
(
schwäb.
,
4. V. 14. Jh.
):
die pfarr in uͥnser stat ze Ulme gelegen mit der pension und quart, mit zehenden ze Pfuͦl und och mit dem klainen zehenden ze Ulme.
Müller, Grafsch. Hohenb.
1, 166, 5
(
schwäb.
,
1392
/
3
):
Ich haͧn geben ze quart von der kirchen ze Rotemburg 4½ lb. h. minus 8 ß.
Boner, Urk. Zofingen
316, 11
;
608, 3
;
Müller, Grafsch. Hohenb.
1, 5, 17
;
5.
›Maßeinheit für die Bestimmung des Gewichts von Edelmetallen; Viertelunze‹; im omd. Raum (Preußen, Schlesien) überwiegend als Kurzform für
denarii quartenses, quartones
u. Ä.: ›Rechnungsmünze im Wert eines Viertelschotts (Münze mit einem bestimmten Silbergehalt)‹.
Rechts- und Wirtschaftstexte.
Belegblock:
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 33, 25
(
preuß.
,
1335
/
6
):
Vier quart gewichtes macht 1 scotgewichte.
an der Mitwoche czu Pfingesten sal eyn iczliche stat [...] ir gewichte senden czum Culmen, das mans do ychte: 1 mark [...], 1 ferding [...], 1 scot [...], 1 qwart und 1 waghe ℔.
Der pfennig sal halden konigsilber eyn qwart myner adir mehe umbgriffen.
Wicht all eyn halff qwart myn, gahn teygen schilling upp de mark.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
53, 8
(
schles.
,
1327
, Hs.
1358
):
Wer shone gewant ws der Stat fuͤrit, das dorinne gekoͤufit ist, der shal gebin von dem Tuche ein quart.
Welch gast her brengit einin moͤlstein, do von gibt her ein quart vnde von dem Sliffstein also vil, vnd alle andire Steine sullin vrig sin.
czu gebin vf sente michils tag sebindehalbis scot vnde eyn quart, vf wynachten sebindehalbis scot vnde ein quart.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
(
schles. inseldt.
,
1478
):
dem ander sal werden Michel Gesenden eyn halbe marg vnd XVI quarttones.
Müller, Welthandelsbr.
183, 13
(
schwäb.
,
1506
):
Zu Venetia haist man das silber gewicht marck; (1 marck) ist 8 onz und 1 onz ist 4 quart und ain quart ist 36 karat.
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 233
;
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 320
f.