ostertag,
der
.
1.
›Passahfest‹ (im alten Israel); zu 1, vgl. 6; 9.
Bedeutungsverwandte:
1
1.

Belegblock:

Feudel, Evangelistar
65, 18
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Vor dem oster tage wuste Jhesus wen syn czit kumen waz daz her von dirre werlde wolde czu syme vater varen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
es zuͦneͤhet der hochzeytlich tag der vngehoͤfelten brot. der da wirt genennet der ostertag
[
Luther
1545, Lk. 22, 1:
Ostern
].
2.
›Ostern als Tag der Auferstehung Jesu Christi, als Tag geistlicher Freude, als Beweis der Anwesenheit Gottes im Menschen, als Tag religiös begründeter Lebensfreude wie als Tag natürlicher Freude‹; mit alledem einer der zentralen Festtage des Christentums; zu 2, vgl. 6.
Gewisse Beleghäufung für Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
alle tage ostertag sein
(o.ä.);
der ostertag zum freitag werden
.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , 3, , , 1.
Syntagmen:
den o. segnen
, [wann]
begehen
;
der o. in jm. (in der mutter) verschlossen liegen, der o. js. (Cristes) sak
›Kleidung‹
umgeschnitten haben
(bildlich für: ›js. Gewand und damit Gestalt verwandelt haben‹; im Rahmen der
auferstende
);
j. js.o. sein
;
die sonne am o. spielen, Christus am o. erstanden sein, der herre am o. zu seinen jüngern kommen, j. am o. seiner klage vergessen, predigt tun, am o. Jesum
(das Abendmahl)
empfangen, die mörder am o. nicht am kreuze stehen
›hängen‹
bleiben
(sollen);
der o. der engel, der sälden o
.;
der fröliche / heilige
(mehrfach)
/ liebe / schöne o
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Des jares an dem ostertage | Rechte an der selben stunde | Als Crist irsten begunde | [...] | Also suln alle toten | Irsten von irn graben.
Kochendörffer, Tilo v. Kulm. (
preuß.
,
1331
):
Du hast, vil liber ostertac, | Umme sniten minen sac | Und hast mich schon gepriset | Mit vreud di nicht verriset.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
als ich einest sprach, daz unser herre kam ze sînen jüngern an dem ôstertage mit beslozzenen türn; alsô dirre mensche, der dâ gevrîet ist von aller anderheit und von aller geschaffenheit, in den menschen enkumet got niht: er ist dâ wesenlîche.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
256, 25
(
wmd.
,
1634
):
Nach den schönen Ostertagen, | Hirten zween, in aller früh | Kamen auff die waiden schlagen | Jhre Schäfflein, jhre Küh.
Werbow, M. v. Amberg. Gew.
850
(
omd.
/
oobd.
,
v. 1382
):
die noch geschribene tage alz sie von ersten die heiligen vetern auf geseczt sein worden: Cristag, jartag, obersten, ostertag montag und dinstag dornach, auffertag, pfingsten.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
in den heilegen ostertage soltu unphahen unsern herren Jesum Christum.
Henschel u. a., Heidin
1814
(
nobd.
,
um 1300
):
Din
[der
kvnegin
]
handelvnge vnd din gruz | Waz miner
[des
heiden
]
vrevde ein ostertak.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
ach, du bist doch, liep, min froͤlicher ostertag, mins herzen sumerwunne, min liebú stunde.
daz die spilnde sunne erloschen ist, der liebe ostertag zuͦ dem stillen fritage worden ist
(Teil eines Lehrbriefes).
Adrian, Saelden Hort
9897
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
ir [Magdalene] spiltun, sam dú sunne | an dem ostertag duͦt, | hertz und frode in fróde bluͦt.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
das men am nehesten sunnentage noch dem vollen mone des abrillenschines sol den ostertag begon.
das kein pfaffe sol öffenliche win schenken, und das men an dem osterobende sol den osterstog segen.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Ach aller sälden östertag! | Wer gab dir [kind] sölche craft | Daz du wurtt sighaft | An dem der der tieren vogtt ist?
Wyss, Luz. Ostersp.
9315
(
Luzern
1545
):
das sy [mörder] nit an dem ostertag | blybend an den Crützen stan.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Er sprach: „In warhait ich dir sag, | Hie ist all morgen ostertag | Und alle tag die fasenacht | [...]“.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
17, 20
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Jesum und die mueter sein, | die trait himmelischen schein, | wenn in ir verslossen lag | aller engel ostertag.
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Feudel, Evangelistar
88, 13
;
Bihlmeyer, a. a. O. ;
Vetter, Pred. Taulers ;
Niewöhner, Teichner
416, 23
;
Vgl. ferner s. v. .
3.
›Ostern als Termin für Abgaben, Geschenke u. dgl.‹;
zu 3, 10.
Gehäuft obd.; Rechts- und Wirtschaftstexte.
Syntagmen:
der o. ein gebannen tag sein
;
jm. (dem gesinde) am o. eier / weisbrot geben, der capelle am o. einen zins antworten / bezalen, bis auf den o. ziehen
›Netze auswerfen (dürfen)‹,
nach dem o. keine streifen
[›Netze‹]
mer ziehen, über den o. niemandem eingeben
›einschenken‹,
der donnerstag / sontag nach o
. [als Datumsangabe; häufig].

Belegblock:

Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. (
mosfrk.
,
16. Jh.
):
auf ostertag den scheffen boten custer und arbeitleuten sampt ihren weiberen gibt man fleisch eier weisbrod und wein.
Geier, Stadtr. Überl. (
nalem.
,
1589
):
in der vasten mag ain jeder fischer alle nächt ziehen biß auf den hailigen ostertag, und nach dem hailigen ostertag soll man kaine straifen mer ziehen biß vierzehen tag vor sanct Martins tag.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1290
/
1300
):
Dar nah ist reht, daz der winahtak, der oͤstertac, der pfingstak, die vierzehen tak des markes und der suntage und der santztage sint gebannen tage.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
Ez sol [...] chain schenck uͤber den Ostertag niemant eingeben.
Fuchs, Kart. Aggsbach (
moobd.
,
1405
):
Der brief ist gegeben (1405) des nêchsten suͤntags nach dem oͤstertag.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
470, 27
;
Hauber, UB Heiligkr. ;
Schulz/Basler
5, 284
;
Öst. Wb.
4, 330
.
Vgl. ferner s. v. 13.