Konj.,
meist nebensatzeinleitend; in einer Reihe von Belegen ist eine Markierung des Nebensatzes aufgrund der Freiheiten der Verbstellung nicht erkennbar. Semantisch gliedert sich der
Artikel
wie folgt: 1 eine Alternative kennzeichnend; 2-7 logische Relationen angebend (
2 konditional, 3 konzessiv, 4 final, 5 modal, 6 restringierend, 7 temporal); in 8 leitet
ob
einen Inhaltssatz ein; in 9 und 10 wird eine Vergleichsbeziehung angegeben. Für einige Belege sind die Zuordnungen fraglich.
1.
›ob [...]‹;
ob
kennzeichnet nebensatzeinleitend nach Verben der Wahrnehmung (oft
sehen
), der Vergewisserung u. ä. (z. B.
fragen, wissen, [be]wegen
›überlegen‹,
disputieren
) die Alternative, ob ein Sachverhalt besteht oder nicht; in Einzelfällen steht statt des Verbs ein semantisch entsprechendes Verbalsubstantivum (z. B.
frage
), auch kann
ob
der Alternative vorangestellt sein und die Aufforderung zu ihrer Lösung folgen.
Syntagmen:
j. wissen / bewegen / versuchen / sehen / fragen, ob [...] (oder nicht)
; z. B.:
wissen, ob etw. eine ehe sei oder nicht
.
Belegblock:
Große, Schwabensp.
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Also luͦttel weiz man zuͦ rechte, ob der sebende herschilt len moge han oder nicht.
Beckers, Bauernpr.
57, 2
(
Köln
1515
/
8
):
off der wynter kalt ader warm wyrt. Soe gang vmb aller heiligē dach tzo eyner buechen [...].
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
137, 19
(
rhfrk.
,
um 1435
):
vff das er versüchen möchte obe Merlin also wyse were / als man dan von ym sagte.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
58, 17
(
Frankf.
1535
):
Wiltu wissen ob eine ein jungfraw sei odder nit / nim dises steynes [...].
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
3, 9
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Weget es selber, ob ich icht billich zürne, wüte und klage.
Ob ichts od’ nit od’ aber. [..] Ob yrgent ob yndert
(›ob hier oder dort‹).
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
100
(
Nürnb.
1517
):
bewieg zum andern, ob er der breutigam sei oder nit.
Geier, Stadtr. Überl.
(
nalem.
,
16. Jh.
):
Nach dißem fragt der stattammann den ambtsburgermeister, ob man mit dem gericht führfahren wolle.
Roloff, Brant. Tsp.
774
(
Straßb.
1554
):
Khan doch nit wissen noch zuͦr zeit | Ob es ein ehe sey oder nit.
Ob es Morgen gut wetter sein werde / weiß niemand.
Andreae. Ber. Nachtmal
18v, 2
([
Augsb.
]
1557
):
Frag: OB in dem Nachtmal [...] der warhafftig Leyb vnd Bluͦt vnsers Herre͂ Jesu Christi / dargeraicht werde.
Bauer, Imitatio Haller
98, 8
(
tir.
,
1466
):
ich wais nicht, ob du das von got erbwerben magst oder nicht.
Jörg, Salat. Reformationschr.
234, 20
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
215
.
2.
›falls, wenn, unter der Bedingung, daß [...]‹;
ob
drückt nebensatzeinleitend die Kondition dafür aus, daß etw. (ein Versprechen, eine Verheißung, eine Bedrohung, generell: ein Folgezustand, Folgeereignis oder eine Folgehandlung) eintritt, wenn eine Voraussetzung erfüllt ist oder erfüllt wird. Die Figur
,wenn [...], dann
‘ dient mehrfach der Handlungssteuerung, und zwar sowohl der Steuerung der Handlung des Angesprochenen zum Vorteil des Ansprechenden wie zum (auch: vorgetäuschten) Vorteil des Angesprochenen.
Phraseme:
ob got wil
o.ä.;
ob es not tut
.
Syntagmen
(
ob
-Satz nachgestellt): [ein Versprechen],
ob [...]
;
das j. etw. tut, ob [...], j. fragt / hoft, ob
[+ Infinitivsatz];
ob
-Satz vorangestellt:
ob etw. ist / geschieht, ob j. etw. tut, so [...], ob j. etw. tut, ich spreche
[+ Hauptsatz],
ob j. etw. nicht tut, so [...], ob etw. not ist, ir
[+ Hauptsatz],
ob der sünder [...], der
[relativer Anschluß].
Belegblock:
Schönbach, Adt. Pred.
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
ob der sŭndere wil rŭwe habn von allen sinen sunden [...], der sol mit mir leben ewichliche.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
(
osächs.
,
1343
):
Dise gebe ich dir [Jhesus] alle, ob
So
]
du nider vallinde ûf di erden und mich [tufil] ane betest.
Wann sy [thafell] mus, ob gott will, ein monett noch osternn awff dem altar sten.
vnd pit vch, jr wölt, obs not wer, jn gegen den herren verantworten.
Jörg, Salat. Reformationschr.
253, 6
(
halem.
,
1534
/
5
):
das sj [...] ein andern zuͦ hillff kon / und zuͦ louffen welltend / ob fürsnot oder ander gloͤüff uf erstuͤnde.
Sappler, H. Kaufringer
14, 212
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
ob ir das oun missiwend | mir gehorsam wöllend sein, | ich sprich auf die trewe mein, | des geniessent ir umb mich.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
(
Ulm
1486
):
Ich hoff (ob es den goͤttern gefelt) mich zehalten.
Klein, Oswald
11, 100
(
oobd.
,
um 1423
):
ob leiden dich wil wecken, | das ist ain sunder gnad von got.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
12, 21
(
noobd.
,
1347
/
50
):
ob der himel ain ander gestalt het, daz er drieket wer oder viereket oder vileket, so muͤst von not sein, daz [...].
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
195, 202
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ob das nu ist, das der tyefel mit der sechserlay anweig, [...], den menschen nicht anweig, so anweigt er yn doch mit dem sybenten.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
Darnach fragt man, ob sich ainer vogtet an frembde herrschaft, was derselb darum schuldig sei.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
2666
;
3.
›obwohl, obgleich, obzwar, wenngleich, selbst wenn, wenn auch, wenn schon‹;
ob
leitet, oft in Verbindung mit
gleich
4,
schon, wol, zwar
(jeweils in Kontakt- oder Distanzstellung) einen konzessiven Nebensatz ein, dessen Aussage gegenüber derjenigen des übergeordneten Satzes als irrelevant betrachtet wird.
Syntagmen:
teils in der Konstruktion
ob [...], so [...]
oder
doch / dannoch [...]
, teils Zusammenschreibungen, die hier als Wortbildungen gewertet werden.
Belegblock:
Etiam si. Ob wol schoͤn gleich, wie doch.
Nuͦ sprach doch vwer munt, | ir wollent liden dorch mich not, | ob ez wer der grimme dot.
Müller, Faustb.
973, 18
(
Frankf.
1584
):
Mein Fauste / seye doch nicht so kleinmuͤtig / ob du schon deinen Leib verleurest / ist doch noch lang dahin.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
(
Frankf./M.
1649
):
ob zwar diese vnsere Meynung zu wieder ist aller heutigen Richtern vnd Obrigkeiten vblichem Sinn praxi so bleiben wir dannoch darbey.
Meisen u. a., J. Eck
13, 20
(
Leipzig
1520
):
[er] wolt sie rechtvertigen, obschoͤn al doctores, al universiteten anders erkenten.
Schade, Sat. u. Pasqu.
(
obd.
,
1521
):
der selb pfründen götz thuͦt wie ein mor
[s.
mor
,
die
],
die sich in einen treckt sperret [...]; ob si schon nit ißet, so laßt si doch di andern süw nit darzuͦ kommen.
Keil, Peter v. Ulm
224
(
nobd.
,
1453
/
4
):
stoß die [wurtz] mit essig: daz leg auf den massen; ob sie halt swartz werden, dennocht so gewint sie leib-varb.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
39
(
Nürnb.
1517
):
darumb, obwol die würkung geteilt sein, so ist doch ein einiger got.
wann es wirdet dich got on dich nit selig machen, ob er dich wol on dich erschaffen hat.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
231, 16
(
Nürnb.
1548
):
vnd obschon Got [...] sich gestellet hat / alß woͤlle er sie [Balthasar, ...] jhres willens lassen toben / doch [...].
ob man da gleich vol auff zu essen hat / so vergehet doch der lust zum essen.
ob schon Ruolland, Rengnold und Olliffier nŭt hie sind, so sol man darumm daz hertz nŭt verlieren.
Jörg, Salat. Reformationschr.
257, 4
(
halem.
,
1534
/
5
):
dann ob er den [schaden] uff die xx guldin gschetzt haͤtte er nit zuͦ vil dran tan.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 104
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Ob aller kreuter art | trüg ein gart, der all vart wer gar zart | mit aller wurzen früchten, | dem legs doch in dem winder hart.
obgleich her Pauls Schmidl dy almußherren gemaindt het, das aber nit was, so het er nit unrecht than.
Bauer, Imitatio Haller
44, 8
;
10.
›so, wie [...], wie wenn [...]‹; in einigen Belegen leitet
als ob
einen indikativischen Satz ein, der einen realen, außerhalb des Textes liegenden Sachverhalt ausdrückt und diesen in eine Vergleichs- und Veranschaulichungsbeziehung zu dem Sachverhalt der Textstelle setzt.
Syntagmen:
teils Hauptsatz-, teils Nebensatzstellung des Verbs.
Belegblock:
Dreckmann, H. Mair. Troja
30, 26
(
oschwäb.
,
1393
):
do ward von den spitzzen in dem luft ain solich krachen, alz ob ain wald mit anander nider brach.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
199, 13
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ist, das ein mensch wirt angeweigt mit einem pösen lüst, der do nayget czu todsünden – als ob einer pegert der frawn seines nachsten czu vnchëwsch.
Weber, Füetrer. Poyt.
177, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Do ward ain schall, alls obs in lufften dundertt.