o,
1.
›der Vokal und Buchstabe o‹ (s. dazu Frnhd. Gr. § L
):22
Phraseme:
alpha und o
(nach dem griech. Alphabet) ›Alpha und Omega, erster und letzter Buchstabe‹; zur Deutung s. die Belege.Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Belegblock:
‚Ich bin alpha‘ spricht her ,und o‘ | [...] | ,Begin bin ich unde ende.‘ | Got nennet sich durch daz ›begin‹, | Wen nie nieman war vor im, [...] | ›Ende‹, daz nieman ist nach eme.
Vocales in latine | Sint genennet vumf buchstabe, | Dar die wort alle tut abe | Nemen die man gesprechen mac | [...] | Sie sint diz: a e i o u.
Dem a begegene nicht daz e, | Dem e daz i, noch o dem u. | [...] | Wen alle rime die sint valsch | [...] | Da di buchstabe begegenen.
Dar zu nennet her sich O, | Das man sol versten also: | ,O under andern buchstaben | Sicht man cirkel crumme haben; | Dem bin ich glich‘ spricht her ,erkant, | Und in miner crefte rand | Hohe, tuefe, breite, lange‘.
o und alpha do hernider | kumpt in ende der werlde / gar.
Wolauff, als das zu himel sei, | die minnikleichen wonen bei | dem Alpha et O, der eren krei.
2.
als Interjektion (mit Folgeausdrücken wie dada, eia, heia, je, ho, we
; teils zusammengeschrieben) zum Ausdruck einer weiten Gemütsskala gebraucht: audacia, indignantia, spot, trauer, unmut, mutwille, zorn, wünschen
.Syntagmen
(in Auswahl): vor Bezeichnungen von Personen und personenähnlich gedachten Wesen: o bule / engel / geselle / got / herre / kind / königin / lucifer, sünder, teufel
; vor Abstraktgegebenheiten: o armseligkeit / minne / sele / meienzier
, mit Gen.: o deiner seligkait, o der stat
; vor Verben des Gemütsausdruckes: o klaget / rufet / wundert / zweifelt
; als Satzeinleitung: o, wie [...] / wo [...] / wen [...]
; o solten wir [...]
.Belegblock:
O das wehre ein fein leicht Christenthumb, vnd kostete nicht viel mühe.
eiâ, hêrre got, und ô! | wî wunnenclich, wî rechte vrô | wurdin in den vristin | dî brûdere und dî christin!
O
[
weeFroschauer
1530 / Dietenberger
1534 / Eck
1537: ]
der mörderischen Stad / die ein solcher Topff ist / da das angebrante drinnen klebt. O Je wijsen vñ cluͦgen meister vñ sternensyener hauen funden wie mã [...].
O est interiectō [...] o wundert o ruffet o zweifeld [...] o Claget o Bittet o ersuffzet. [...]. O das geschach o das war [...]. o das das geschehe.
O du ungeloubige und vorkârte geburt, wî lange sal ich mit ûch sîn?
O ho / sie halten abermal ein schlacht.
o wie smackent die leckermursel so wol heruz in die arme nature.
Owe, wie gar do ward bewaͤrt, | Herre Jhesus, din Goͤttlicher gewalt.
O Kunigin. O. Ein wort oder stimm darmit man eim ruͤfft / in Teütscher vnnd anderen spraachen im brauch. [...]. O ich ellender mensch [...]. O was grosser fraͤfenheit / O deß grossen muͦtwillens. [...]. O wie ist es so wol gehandlet.
O Maria kind! | so ste mir Wolkensteiner bei in nöten.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
122, 18
; Thür. Chron.
9v, 17
; Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
12a, 8
; zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
32
; Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
6, 19
; Sappler, H. Kaufringer
16, 553
; Dreckmann, H. Mair. Troja
29, 5
; Klein, a. a. O.
6, 28
; Bauer, Imitatio Haller
99, 17
;