nonzeit,
die
,
auch
none zeit
.
›Mittagszeit, sowohl als etwa dreistündige Zeitstrecke wie als Zeitpunkt gesehen‹; innerhalb dieser Strecke bzw. bis zu oder zu diesem Zeitpunkt werden bestimmte religiös motivierte Handlungen (speziell zum Gedächtnis des Todeszeitpunktes Christi) oder alltagsbetriebliche, wirtschaftliche, rechtliche Handlungen, darunter Vertragsabschlüsse, vollzogen; insgesamt liegt eine Übertragung von der kirchlichen / klösterlichen Horeneinteilung des Tages auf die säkulare Tagesgliederung vor;
vgl. 1; 2.
Im späteren Frnhd. nur vereinzelt belegt.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , , , , .
Syntagmen:
der streit auf der n. ein ende nemen, einen sturm bis auf die n. treiben, der herre um n. verschieden sein, vor / nach der n. etw. (nicht) kaufen,
˹
zur n. ein
1
bet, die messe sprechen, messe haben, ein gebet tun, dem herren um n. danken, das liecht des himmels zu der n. erloschen sein
˺ jeweils zum Gedenken an den Todeszeitpunkt Christi,
vor n
. (als der Marktzeit)
zucken
›ein Messer ziehen‹,
auf die paulune schlagen, leute gewinnen, von einer n. zur anderen
[wo]
weiden, zu der n. jn. antworten
›übergeben‹,
zu n. das mel
(zum
malen
)
bringen
;
die n. des tages
.

Belegblock:

Reichert, Gesamtausl. Messe
12, 11
(
Nürnb.
um 1480
):
an den heyligen tagen sol man sie [messen] haben umb nonzeyt zu einer gedechtnuß, das unser lieber Herre zu der zeyt starb.
Voc. Teut.-Lat.
x vjr
(
Nürnb.
1482
):
Nontzeit mittagstzeit. nona. i. hora meridiei.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
do des himels (lieht) von mitliden von sext untz ze nonzit erloͤschen was.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Ze none zit dú maget tett | Mit grosser andacht ir gebett.
Donalies, Augsb. Bibelhs.
1992, 46, 23
(
oobd.
,
v. 1350
):
abersa ginch / er vz ze sexzit und vmb / nonzit
[
Luther
1545, Mt. 20, 6:
neunde stunde
]
tet er avch alsam.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1328
):
ze nonzeit ein weil ewer pet ze sprechen, ze vesperzeit, ze gumpletzeit alsam.
Ebd. (
um 1365
):
Ez habent die gesworen gesetztet, daz die vischer all tag vor nonzeit ir visch nindert anderthalben verchauffen suͤllen dann in der stat an dem vischmargt.
Buijssen, Dur. Rat.
14, 32
(
moobd.
,
1384
):
dıͤ mess wıͤrt gesprochen zw terczzeit, zw sexchstzeit und zu nonzeit.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1643
):
wan ain mann zuckt an dem pfingstag so markt ist vor nonzeit, [...], der ist des großen wandls vorfallen.
Kollnig, Weist. Schriesh.
31, 36
;
Wyss, Limb. Chron. U ;
Vetter, Pred. Taulers ;
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich ;
Jerouschek, Nürnb. Hexenh.
9r, 10
;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2375
;
4121
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Roth, E. v. Wildenberg ;
Vgl. ferner s. v. 1.