mucke,
die
;mäcke
; -n/-n
.– Zur Wortgeographie von ,Fliege‘ und ,Mücke‘ in den rezenten dt. Dialekten s.
Dwa
; dazu: 1
Th. Schumacher, [...] Bedeutungsgeographie [...].
.1955
1.
›Mücke, Stechmücke, Schnake‹ als mehreren biologischen Arten zuzurechnendes Insekt, das trotz seiner geringen Größe als lästig, stechend wahrgenommen wird; in den Belegen begegnet mücke
mehrfach in anschaulichen, meist religiösen und didaktischen Zwecken dienenden Vergleichen; in den Komposita als Bw für Fiktiv-Scherzhaftes gebraucht; vereinzelt wird die mücke
auch in anderen Zusammenhängen, z. B. als Stoff zur Herstellung von Angelködern, genutzt.Phraseme:
nicht eine mucke
›gar nichts‹; mucken vor den augen
›Mouches volantes‹; mucken auskulken / seihen
›sich in Kleinigkeiten verlieren‹; mucken für rosinen verlosen
›kleinen Gaunereien nachgehen‹; mucken mit dem hasengarn fangen
›Unsinniges tun‹; nicht mer dan eine mucke ane got haben
›ohne Gott nichts haben / sein‹; eine neue mucke in der sonne sehen
›jede Neuigkeit erkennen und für seine Zwecke nutzen‹; eine mucke im auge haben
›nichts erkennen‹; das fürt eine mucke auf dem schwanz weg
›j. hat nichts gewonnen‹; 10000 mucken drücken 100 wespen nieder
; als eine mucke in ein habermus plappen
›dumm dahin schwätzen‹; unter mäusen und mucken alleine sitzen
›verlassen, mutterseelenallein sein‹.Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 3
, , , , , ; vgl. .Syntagmen:
mucken bekeren / fangen / säugen / verschlingen / verbannen
(dies letztere in der Tradition der Tierprozesse; vgl. ), keine m. in der kirche sehen, eine m. von der braut reissen, das spinweb die mucken beheben
›festhalten‹; die mucken
(Subj.) beissen / brummen / stechen, sich loben, dahin faren, ire freiheit rümen, sich an den leib schmiegen, im spinweb behangen, sich an einen schwam hängen, kein briefträger sein, ein bild in got haben, die m. jn. fressen / molestieren / umstossen, einen schaz bescheissen
; der mucken weren, e. S. als wenig als einer m. achten
; j. gleich den mucken sein
; got so hoch wie ein engel ob einer mucke sein, die frösche nach mucken fischen, der pharao von mucken überwunden werden
; die abgeriebene / anmächtige / grosse / kleine mucke
.Wortbildungen:
muckenfeimer
˹, , , , , ˺ (Scherzbildungen in entsprechenden textlichen Zusammenhängen),
muckenfus
muckenhirn
muckenkopf
muckenmark
muckenmilz
muckenmist
muckennez
muckenpulfer
muckensäuger
muckenschwam
muckenwedel
mukente
Belegblock:
noch schwiegen alle Bisschove stil und sahen nichts newes, die doch jtzt eine newe mucken jnn der sonnen sehen koͤnnen.
Der bann ist ja not, Aber Herr Gott, Er mus nicht mucken seygen und kamel verschlingen.
hast wohl eine mucken geseuget, aber dargegen ein Chamel verschlungen, den du furchtest Gott nicht, so liebstu auch den Nehesten nicht. Fur deinen augen sind der glaub, barmhertzigkeit und gerechtigkeit Mucken, so du seugen must.
des Teuffels namen, hat ein raum Gewissen, verschlinget den Ehebruch, wie der Wolff eine muͤcken.
[solche Gesellen] zanken von Sacramenten, sind Mückensäuger und kameelverschlinger?
Der vnsinn [...] fangt mit eim Hasengarn Moͤcken.
Doch en schaeden dat nyet eyn muck.
der engel âne dise [blôze] natûre enhât niht mê dan ein mücke hât âne got.
Gæbe ez [leben] ein crêatûre, daz wære der sêle unwert; si ahtete sîn als wênic als einer mücken.
got ist ob dem wesen alz hoh, alz der oberst engel ob einer mukken.
Corallen seind gar guͦt denen die alle zeit dunckt sie haben mucken vor jren augen fliegen.
Ein abgeribne mugk, von einem pawren seiner brawt gerissen.
der hohiste engil und di sele und di mucke habin ein bilde in Gode.
Ir blinden leitêre: ir kuͤlkit ûz eine muͤckin
[
schnackenEck
1537: ],
abir den kamêl vorslindet ir. Krautraupen. Den leib von jungen grossen mucken. Gemeine fliegen
(als Köder). mache [...] ein klein lecker koͤstelin von stichellinges magin vnd mucken fuͦzze vnd lovinken zvngen.
waz sol dem wibel (ein) lasurvaz, der schin ein lemen, | der muggen swil
(wohl: ›was nützt der Mücke eine Schwellung, die ihr Stich hervorbringt‹; vgl. den Kommentsar des Hrsg. zur Textstelle).
ein erznei, die ist gut, | [...], | Das ploe von dem himel und mukenhiern.
Darzuo kamen zwen jung füchs, | Premenschmer und trachenpluot | [...] | Roslungen und muckenmilz.
Du
[Fliege]
wirst von bürgern und von edeln | Außtrieben mit den muckenwedeln | mit platschen und den muckenschwammen. die müeck fing an zw rüemen, | Sich zw loben und plüemen | Ir freyheit und gewald.
dann er daheim unter den meusen und mucken verschlossen allein sesse und dorft nindert hin.
So finden sich lant bscheiser gar, | Schreyen: kauft mucken Bulfer rund, | meüs bulfer.
Der wart einre besmiret mit honge [...], daz in die binen, die mucken vnd ander gewurme solte fressen.
Eyn braͤm nit jn dem spynnwep klaͤbt | Die kleynen mücklin es behebt.
Eyn mucke füret es auff dem schwantze weg.
ein Marckatenter [...], welche Katzen für Hasen, [...] vnd Mucken für Rosinen verlausst hatten.
von solchem exempel waist du minder dan ain ganß, du blappest hin als ein mugk in ain habermuß.
Ein pfarrer, der des Euangelion vnwissent ist, [...], ist eben ein Pfarrer, als ein mugk ein brieftrager.
ob er nur ein mucklein hat im auge und die obrigkeit ein balken.
Mugen, bremen wa sy flïgen, | An den zartten lib sy sich schmiegen.
es faren kleine micklin (dahin), aber der großen heubter (einer), die ins euangelion schissen [...], der hat muͦgen reden, was er will.
der Pastor [...] keret den muckenwedel umb und schlueg mit dem still dem cardinal auf die nasen.
soll er [farender schueler] sich im abscheiden dankbar erzaigt und alle mucken usserm schloss verbannet haben.
werdt er so alt, daz in ein muck soll künden umbstossen.
auz eselhäuten werdent websen oder vespen. auz mukenmist werdent würmel.
Zwar mir sait ainst ain weise mugg, | geleiche purd prech nimd den rugg.
ir schult gedenkchen | das zechen taussent mukchen | hundert wespen nider drukchen.
Conopeum [...] muggeln necz, quo culices excluduntur.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
561, 1711
; Michels, Murner. Badenf.
561, 1711
; Strauch, a. a. O.
74, 10
; Ermisch u. a., a. a. O.
24, 35
; Gille u. a., M. Beheim
354, 42
; Moscherosch. a. a. O. ;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
128
; Bremer, Voc. opt.
44071
; Schles. Wb.
2, 898
.Belegblock:
Ich geh in den Gedancken vmb, | Wie in Flöhen vmbgeht der Hund. | Wil gehn auff die Stuben jetzund, | Biß mir die Mucken thun versteign.
Von ainundviertzig fliegen und mugken aines unfletigen mundes.
Ebd.
27
: Ain gaiffer maul [...], ain hurnaussen nest / vol fliegen und mugken.