memorie,
die
;
-Ø/-en
,
auch
memoria
;
-Ø/-s
.
– Texte der weiteren Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
1.
›Gedächtnis-, Erinnerungsvermögen als Möglichkeit,
kraft, macht
der
sele
bzw. des
menschen
, damit als Verpflichtung zu religiöser und sozialer Sinn- und Gemeinschaftsstiftung‹ (vgl. f.); offen zu 2;
vgl. 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (
wmd.
,
1521
):
ich hab mein memori in diser apoteken bei gar verlorn.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
560
(
pfälz.
,
1436
):
Die erst crafft oder maht der sele zu dem werg ist gnant memoria, das ist alsouil gesprochen als ein vernonfftlich gedechtnisse oder behaltnis.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 54
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Dise einikeit besitzen wir in vns selben obe sinnelicheit, vnd hinnan vs kummet memorie vnd verstentnisse vnd wille vnd alle die maht geistlicher werke.
Ebd.
907
:
Hie wurt der mensche gehoͤhet [...], vnd er keret sich in vnd stelt sine memorie vf blosheit ob alle invaͤlle sinnelicher bilde.
Ebd.
900
.
2.
›Gedächtnis, Ansammlung von Erinnerungen; Andenken, Gedenken‹; auch: ›kollektives Gedächtnis‹; ›einzelner Gedächtnisinhalt‹; ›konkretes Gedenkzeichen‹.
Obd.
Bedeutungsverwandte:
3; vgl. , , (
der/das
) 4, , (
der/das
), 6, 1.
Syntagmen:
die m. hintun
›tilgen‹,
irre machen
;
etw. in m. haben, in m. bringen, wie [...], etw
. (Subj.)
in js. m. sein, in der m. e. S
. (Dat.obj., z. B.
dem gerücht
)
rufen, etw. pro m. in ein protocol einverleiben
;
die schwache m
.
Wortbildungen:
memorabel
›erinnerungswürdig‹ (a. 1632?)
memorieren
.

Belegblock:

Luther, WA (
1543
):
die [Ebreische Biblia] dem leser die memorien jrre macht und sein studium hindert.
Fischer, Folz. Reimp.
31, 66
(
nürnb.
,
um 1488
):
Der fint allspald in seinr memori | Von dreyen weibspilden bescheid.
Sachs (
Nürnb.
1542
):
Da rüfft ich inn meiner memori | Meym guten gerücht, ehr, und glori.
Ebd. (
1556
):
Bey der unmenschlichen histori | Mag man wol haben in memori | Das [...].
Ebd. (
1566
):
Auch bringet die schrifft in memori, | Wie gott so vätterlich erhelt | Die rechtglaubigen ausserwelt.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
es ist nút kümberlich noch arbeit, daz ir sú [letze] alle zit in uwere memorien habent.
Rieder, Gottesfr. (
els.
,
1382
/
91
):
Nuͦ hette der selbe Heinrich Blanghart [...], gar gerne eine iemer werende ewige memorie und reverencie erdoht und uf gesat mit zierlicheme gesmeltze.
Ebd. (
1402
):
daz ich in ewekliche deste gegenwertiger sige in iren [der bruͤderen] memorien mit minnenricheme erneste fúr mich zuͦ bittende.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 442, 22
(
Hagenau
1534
):
Die fünfft kamer ist der memorien / hynden im haupt / des gedechtnuß kammer.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
wie dann das und anders, der eltvordern memmorias und gedechtnus hinzuthuon, beschehen ist.
Rot
328
(
Augsb.
1571
):
Memorirn, Sich eins dings besinnen / Jtem ein ding melden / her erzelen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
101, 9
(
mslow. inseldt.
,
1612
):
man wölle [...] ihre auśśag pro memoria ins śtadt protocoll einuerleiben lośśen.
Qu. Brassó
4, 225, 39
;
Rot
328
;
Jones, French Borrowings
432
.
3.
›Abschnitt in der Messe‹.

Belegblock:

Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1538
):
als der güt Herr wolt Meß lesen, [...], und kam uff die Memori, als sie denn beid Hend zusamenschlahen.
Dertsch, Urk. Kaufb.
668
.