melm,
der
.
›Staub (generell); stiebendes Erdmaterial; Staub, Staubwolke des Kampfgetümmels‹; selten neutral gebraucht; meist steht
melm
für die Wertlosigkeit gegenständlicher Dinge, für die Nichtigkeit des Daseins, den Schmutz der Erde, die Erniedrigung des Menschen.
Älteres und mittleres Frnhd.; gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion (darunter bibelsprachlicher Texte) / Didaxe‘, auch berichtende Texte der späten Heldenepik, oft gebundener Form.
Bedeutungsverwandte:
1
2,
2
1, , 1; 3; 4; vgl.
1
2,
1
2, , , 1,
1
(
das
) 2.
Syntagmen:
der wind den m. werfen
;
der m. stauben
;
j. als der m. stauben, als der m. werden
;
j. auf den m. nieder burzeln, etw. aus den melmen erglästen
(z. B.
der schild
)
/ erglitzen
(z. B.
der helm
),
j. durch den m. waten, der schild durch den m. glast geben, j. im m. liegen, jn. in den m. fällen, jn
. (z. B.
ritter
)
in dem m. schauen, js. haupt in den m. fallen, von dem melmen staub werden, gotte
›Götzen‹
von m. nicht frei sein
;
sorgen / sinnes, des todes m
. (jeweils poetischer gen. explicativus);
der finstere m
.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Am.
2, 7
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
di da treten bobin den melmen
[
Luther
1545:
kot
]
der erden di houbt und den wec der einvaldigen miden.
Ebd. Bar.
6, 11
:
diselben [gote] sint nicht vri von roste und von melm
[
Luther
1545:
motten
].
Thiele, Minner. II,
31, 122
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
van Hollant greve Wilhelm, | des eren stubet als der melm.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Do wart alsso gross stoup von den melmen, das eyner den andern kume gesach.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk. (
osächs.
,
1343
):
wer ûch nicht intfêt, gêt von der stat ûz, ouch den melwin
[
Mentel
bis 1475
1
:
gestüpp
;
Luther
1545:
staub
]
ûwere fûze intslahit in gezuͦcnissen ubir si!
Eggers, Psalter
1, 15
(
thür.
,
1378
):
ir vbeln, nicht so; sunder also der melme
[
Mentel
1466:
gestüpp
; 1475
2
/
Froschauer
1530 /
Eck
1537:
staub
;
Luther
1545, Ps. 1, 4:
Sprew
],
den der wint werfit in deme antlicze der erden.
Pyritz, Minneburg
1774
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Daz ich uff sorgen melme | Fur sie da nider burtzelt.
Ebd.
4270
:
Daz ich durch grobes synnes melme | Mit der vernunft min mus waten.
Matthaei, Minner. I, (Hs.
15. Jh.
):
sin manlich hant verschriett | hut vil der schilt und helm, | das fuͤr und auch der melm | von siner hurttir stoben.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Jch sach des edlen fuͤrsten helm, | Den het vorselbt des todes melm.
helm | Den man durch staub und auch durch melbm | Vil diche sach erglitzen.
Munz, Füetrer. Persibein
300, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
sein schwert ain soliche durchfart nam, | das im das haupt vom leib viel in den mellem.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. ;
Eggers, a. a. O.
75, 10
;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich ;
Weber, Füetrer. Poyt.
176, 3
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
415, 4
.