herb,
(seltener:)
herwe,
Adj.
1.
›scharf, spitz‹; von stechenden Waffen, auch von stechenden Tieren; metonymisch von der Empfindung nach einer Verletzung durch einen Biß/Stich.
Bedeutungsverwandte:
2; vgl. 5, 4.
Wortbildungen:
herbekeit
1 ›Schärfe‹.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Jn dem sticht mich die Schlange herb.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Nicht vil ist ir in raffe | Von dez dornis herwekeit | Da mitte sie ist becleit.
darnach ein teil | Hat der halm herwe grete.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ez [ainhürn] ist gar scharpf und härwe, alsô daz ez kain jäger gevâhen mag mit gewalt.
Vgl. ferner s. v. .
2.
vom Geschmack: ›herb, säuerlich, bitter, scharf, beißend, streng‹; von Früchten ›unreif‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 1, (Adj.) 1, ; vgl. 2.
Gegensätze:
1.
Syntagmen:
der herbe geschmak / saft / wein, die herbe weintraube, das herbe ding / mus
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
16, 65
(
Magdeb.
1608
):
Wie der Artzt einem herben safft / | Mit honig gibt ein suͤsse krafft.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
man schol ez [aloe] geben mit herbem wein oder mit wermuotsaf.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
239v, 14
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
alle herbe ding als knoblauch / czv̈bel vnd des gleich.
Vgl. ferner s. v. .
3.
›grausam, schmerzlich, bitter; hart, unangenehm‹; von Ereignissen und menschlichen Handlungen und Empfindungen; Ütr. zu 2.
Syntagmen:
der herbe gedanke / schmerz / selenjammer / tod, die herbe anfarung / bescheltung / busse / handlung
.
Wortbildungen:
herbekeit
2 ›Leid, Schmerz‹,
herbigkeit
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Inhumanus Vnlieblich herb hert rauh vnfreundtlich vnguͤtig.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
ein geselle | Hie uf erden die durch Got | Liden martir unde spot, | Mit herwekeit genœtet.
Anderson u. a., Flugschrr.
19, 17, 22
([
Eilenb.
]
1524
):
Weñ ein bydder Christ diß wil furchten / das ym solche herbe bittere gedãcken / vñ engstliche nodt / den kopff mochten vnsinnig vnd thoͤricht machen.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
247, 2306
(
Zwickau
um 1540
):
Sie werden dir ein solche herbe bus | Aufflegen / daß dirs noch loͤblicher wer / | Ehr du solchs willigst / daß du stuͤrbest er.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Durch den herben und pitern dot | Deines [jungfraw] kindes laß unß genad dort finden!
Stieler (
Nürnb.
1691
):
Die Herbigkeit seines Zorns einem zuerkennen geben [...]. Herbigkeit des Gemuͤts.
Göz. Leichabd. ; ;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
15, 20
.
Vgl. ferner s. v. , .
4.
von Witterungserscheinungen: ›rauh, scharf‹; wohl auch ›besonders trocken‹.
Bedeutungsverwandte:
5, ; vgl. (Adj.) 4.
Syntagmen:
der herbe wind, das herbe wetter
.

Belegblock:

Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1379
):
waz herbs weter, zervaren die mer.
5.
zur Bezeichnung der herben Qualität der Elemente (neben der süßen, sauren und bitteren Qualität); vor allem bei Jakob Böhme.
Wortbildungen:
herbekeit
3.

Belegblock:

Böhme, Morg.R.
145, 24
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Erstlich ist die herbe qualität / darnach die suͤsse / darnach die bittere / die suͤsse ist zwischen der herben und bittern mitten inne. Nun macht die herbe immer harte / kalt und finster und die bittere reisset / treibet / wuͤtet und zerscheidet.
Sudhoff, Paracelsus (
1525
/
6
):
so nun der zorn also groß ist, so bringt die sel ein hiz in leib von wegen irer feuri und herbikeit.
Böhme, a. a. O.
146, 11
.
6.
›schwer, schwierig‹.

Belegblock:

Memminger Chron. Vorr. (
Ulm
1660
):
Ein Malter Korn galt auff 60. ein Malter Roggen auff 50. gulden / vnd doch konte man es herb bekōmen.