getrank
(meist),
getränke
(etw. seltener),
das
;
-s/-tranke, -tränke
;
beide Formen weder zeitlich noch geographisch abgrenzbar.
1.
›Getränk (im Unterschied zu
speise, nar, kost
), von Mensch und Tier zu ihrer Erhaltung aufzunehmende Flüssigkeit nicht näher spezialisierter Art; bestimmte, diesen Bedürfnissen angemessene Flüssigkeit‹; teils von den Spezialisierungen unter 2 und 4 nur unsicher abgrenzbar; als Metonymie (vereinzelt belegt): ›das Trinken‹.
Bedeutungsverwandte:
1, (
das
) 2; vgl. 3.
Syntagmen:
g. fürtragen / kredenzen / trinken, jm. g. bringen / geben, das g. lauter machen
;
jm. g
. (Subj.)
gebresten, milch js. g. sein
;
sich des getränks enthalten
;
got jm. bei dem g. beiwonen, in g. mas halten, jn. mit g. erhalten, jm. mit g. dank sagen, das gefängnis mit g. versehen
;
das starke
›überaus mächtige‹ (tropisch) oder ›übel schmeckende, scharfe‹
/ trübe g
.;
das mas des getranks
;
gift im g
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
4. Mose 6, 3
(
Wittenb.
1545
):
Der sol sich Weins vnd starcks Getrenks enthalten / weinessig oder starcks getrancks essig sol er auch nicht trincken.
Volkmar (
Danzig
1596
):
ein trank / oder getrenck.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 10, 5
(Hs. ˹
md.
auf nd. Grundlage,
v. M. 14. Jh.
˺):
dem ich diz lob schenke, | der nimt ez, des ich wenen wil, vür ein gut getrenke, | sit im ein luter miol win vür werdez lob nicht smecket.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
18, 12
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Zu Babilonia vor künig Soldan sahen wir dich kost und getrank in großen wirden kredenzen.
Lippert, UB Lübben
2, 157b, 16
(
osächs.
,
1439
):
2 ph. vor getrengke den hauwern.
Gille u. a., M. Beheim
327, 196
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
von solcher hande weise | ist ir narung und speise, | milch das ist ir getrank.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
61, 22
(
nobd.
,
1486
):
so hat unser gnediger herr von Bamberg alle maß deß gedranckhs und getraidts anzugiessen und zu besichtigen.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1515
):
davon hab ich ine geben für getranck, keß und prat 2 ℔.
Morrall, Mandev. Reiseb.
130, 25
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
uff dem gesaͤß ist gemachet von maisterschafft, das alles das getranck das sie trinckent gat dem tracken durch den hals.
Brandstetter, Wigoleis
193, 2
(
Augsb.
1493
):
da warde aller hand speiß vnd getranck mit vollem rat fürgetragen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Getraͤnck / Tranck / das trinken [...]. Starck getraͤnck ist Wasser / das kan Mühlen vmbtreiben.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wer daz weiz in den airn nimt und læzt ez in ain trüebz getrank [...], daz macht ez lauter und dünn.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Pferd und seuͤm man tziechen sach | So vil mit chost und mit gedranch.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 19
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
da pracht man im zu eren | gesegents prot und auch getrank.
Ebd.
42, 15
:
got, won uns und dem essen bei, | amen, und auch bei dem getrank, | das ieglich mensch got also dank.
Nyberg, Birgittenkl.
1, 212, 17
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Klein, Oswald
15, 6
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
522, 4
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
9, 31
.
Vgl. ferner s. v. 1, 3, 2.
2.
›alkoholhaltiges Getränk (wie
bier, wein, met
)‹; in 1 Beleg (
Anderson u. a.
) metonymisch: ›Getränkeausschank‹.
Gewisse Beleghäufung für Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
das starke getrank
.
Syntagmen:
das g. taxieren
(zu Steuerzwecken),
durch das land füren
;
das g
. (Subj.)
trunken machen
;
steuer auf das g. auflegen, jm. mit g. bescheid tun, mit dem g. seine narung suchen, von dem g. geld fallen
;
das g. im keller
;
das hitzige / köstliche / liebe g
.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
2, 497, 7
(
preuß.
,
1442
):
in welcher weisze her das meynete mit dem gelde, das also von dem getrencke ville.
Ebd.
4, 487, 12
(
1456
):
haben die herren sendeboten [...] vffgeleget eczliche stewer vff das getrencke, [...] von allirley weyne den czehenden pfennig.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
85, 13
(
preuß.
,
1437
/
8
):
Das getrenke im kellir, item 3 covent bier.
Luther. Hl. Schrifft.
Spr. 20, 1
(
Wittenb.
1545
):
DER Wein macht lose leute | vnd starck getrencke macht wilde.
Anderson u. a., Flugschrr.
24, 5, 5
([
Nürnb.
]
1525
):
Burger dieser Stadt / zuuor aber die genen so mit dem getranck yr narung suchen muͤssen / als weinschencken / wyrt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 143, 24
([
Augsb.
]
1548
):
Gib den Künigen nicht Wein zuͦ trincken / noch den Fürsten starcke getrancke.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Starck getraͤnck / vinum aut temetu͂.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1623
):
bietet ein ersame gesambte burgerschaft dennen wein-, most- und pierwierten ordentliche trankschäzer zu sezen, welche bei ihren gewissen waß jedes getrank rechtlichen werth ist solches taxieren.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
52
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
das khainer [...] seinem negst(en) mit Einigerleÿ gethrenkh, Wain od(er) bier (etc.) Zum volsauffen bschaid
[s. dazu
bescheid
2]
zuthun.
Toeppen, a. a. O.
534, 32
;
Ziesemer, Gr. Ämterb.
577, 14
;
Behrend, Magd. Fragen ;
Luther, a. a. O. 3. Mose
10, 9
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
132, 3, 9
;
Vgl. ferner s. v. 4.
3.
›Trinkgelage, Besäufnis‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
in dem getrenke | wûchs ein sulch gezenke, | daz ein mechtig edelinc, | [...] | Lûdewîge dâ betrûbete.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
54
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
das ein Ied(er) gastgeb [...], In die nacht khain gross gefress, getrenckh, gesang, geschray, spil noch getanntz [...] gestatten sol.
4.
›Körper oder Gemüt in irgendeiner Weise affizierendes, veränderndes, heilendes, auch tötendes Getränk‹.

Belegblock:

v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
62, 41
(
omd.
,
1487
):
Zcum vierden werden ehliche wergk Jn todtsunden vorbracht Szo sich ehliche lewthe. [...] durch gedancken reitzenn adder derhalben hitzige [...] speÿse getrencke zcu ÿn nehmen.
Fastnachtsp. (
nürnb.
,
v. 1486
):
Ich Laurein hab ein guts getrank | Welcher paur ist wunt und krank | Und trinkt auß dem fleschlein, im wirt pas.
Morrall, Mandev. Reiseb.
159, 7
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Dar näch hett er berait mit zober ain getranck.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wenn man den trinkwein macht mit des tiers flaisch, sô vertreibt daz getranck die vergift.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
umb alle die eer, die ir der frumb kaiser beweist, was sy geflissen, das sy im zu letz wolt lassen ain getranck des grymmigen tods.