essenz,
essentia,
die
;
meist mit lat. Flexion;
aus
lat.
essentia
›das Wesen einer Sache‹
(
Georges
1, 2469
;
Schulz/Basler, Neub.
5, 257
).
1.
›Wesen, Wesenskern; (grundlegende) Eigenschaften, innere (spirituelle) Natur einer Sache (im philosophisch-theologischen Sinne)‹; des Öfteren mit lateinischen Attributen. – Vorwiegend Paracelsus.
Bedeutungsverwandte:
.
Gegensätze:
,
1
3, 1, (
der
) 1; 3, 1, , 1.
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
die e. behalten, die schlange dem apfel die e. einpflanzen
;
j. in einer e. vereint sein, j
. (z. B.
der arzt
)
etw. in seiner e. wissen
›kennen, verstehen‹;
die e. des vaters, der frucht
;
der geschmak der e
.;
der beste teil von der e
.
Wortbildungen:
essentialisch
.

Belegblock:

Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Der heilige geist ist die minne. | Seht, da durch und dar inne | Ver einit die dri personen sin | In einer essencien an in.
Sudhoff, Paracelsus (
1530
):
der arzt erstlich wissen sol die himel und erden in irer materia, specie und essentia.
Ebd. (
1531
/
5
):
der den menschen nit in solchem astralischem, temporalischem, essentialischem wesen erkent, der ist unbilich ein arzt.
Ebd. (
1537
/
41
):
er [corpus physicum] auch behelt die essentiam limi, wie der son des vaters essentias im blut und fleisch als einem menschen zustet.
Ebd. (
1525
/
6
):
ein ander welt hernach folget, die da ist ein tochter diser, dem namen nach, aber nicht der form, der essenz, und dergleichen.
Ebd. (
um 1570
):
daraus
[
biß in apfel
als Sündenfall]
ist gut zu ermessen, das die schlang dem apfel iren effect und essentiam gleich spiritualischer weise eingepflanzet, gleichsam sie leiblicher weise in ganzer natur und substanz da were.
Ebd. (
1591
):
wie die erden ein iede frucht in ir nicht leidet, sonder drucket die herfür [...], so wird doch nur der leib der frucht gesehen, aber die essentia archei
[›Essenz des Archeus (Urprinzip des Lebens)‹]
der frucht sihet niemant.
2.
›Extrakt, Konzentrat (meist in flüssiger Form) aus organischen oder anorganischen Stoffen, das deren Wirkstoffe enthält‹; oft mit den Grundstoff oder das Auszugsmittel spezifizierenden lateinischen Attributen; ütr. von 1.
Gehäuft Texte des Paracelsus.
Phraseme:
˹
quinta essentia, die fünfte essenz
˺ ›fünftes, unsichtbares Element, lebensspendender Ätherstoff‹; nach alchemistischer Vorstellung in aller organischer und anorganischer Materie latent vorhanden und durch entsprechende Verfahren extrahierbar (nach mlat.
quinta essentia
); ütr.: ›höchste erreichbare Verfeinerung, perfekte Manifestation e. S.‹.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl. .
Syntagmen:
die e. extrahieren, von etw. distillieren
;
die e
. (Subj.)
gut sein, aus etw
. (z. B.
aus wasser
)
werden
;
j. der e. erfaren sein
;
etw. in der e. solvieren
;
eine edle / rechte e
.

Belegblock:

Sudhoff, Paracelsus (
1525
/
6
):
cura epilentica sol hernach folgen, nemlich essentia vitrioli.
Ebd. (
1525
/
6
):
große confortatif als [...] aurum potabile, [...] essentiam antimonii, [...] quintam essentiam lapidum.
Ebd. (
1526
/
7
):
von den anderen krankheiten so dem herzen zustehen [...], do seind die essentiae gut croci, chelidoniae, macis.
Quinta essentia ist ein materien, die da corporalischen wird ausgezogen aus allen gewechsen und aus allem dem in dem das leben ist [...], gesubtilt auf das aller reinigeste, gesondert von allen elementen.
Ebd. :
ein verstant ist, das aus menschlichem fleisch oder blut kein quinta essentia mag gezogen werden, dan das darumb das spiritus vitae [...] stirbt.
Ebd. (
1537
/
41
):
distillir von inen essentiam vini in das neunt mal, als dan calcinir die frischen lapides und solvirs in derselbigen essentia vini.
Ebd. (
1525
/
6
):
aus irer [cirbo, fraxino et aharna] aschen edler alkali und gleser werden und aus irem wasser ein edle essenz.
Memminger Chron. Beschr. (
Ulm
1660
):
da wird er in dem einigen Ambsterdam einen Ertract / oder die fuͤnffte Essents aller Mechanischen Kuͤnsten finden.