erdisch,
erdenisch,
seltener:
erdig,
Adj.
1.
›irdisch, weltlich, auf der Welt lebend, im diesseitigen Leben; das Weltliche, Diesseitige betreffend, ihm verhaftet; von seiner Existenz her der körperlichen Welt zugehörig, sterblich‹;
zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 2, 1, , .
Gegensätze:
1; vgl. 1.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1559
):
schreibt der bapst [...]: Ich bin ein herr des himlischen und erdnischen keisertumbs.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
833
(
Eisleben
1565
):
das du [Saluator] mir [Maria] das wilt gunne / | Mir armen erdenischen Magd.
Gille u. a., M. Beheim
75, 133
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wann die geschephung ertig, | Die got schuf in des menschen dinst, | die selben dienen im das mÿnst.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Salvator ad Petrum solum: | [...] | du salt syne ein erdnisch gott, | in myme dynst lyden noidt!
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
die mentschen, deren verstandt zuvil erdisch und gegen denen unsterblichen cörpern wissens halb nit zu vergleichen, lassens alles hingeen.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
der römisch kaiser ist ein erdischer got.
2.
›aus Humuserde, aus mineralischen Erden bestehend‹ (allgemein); speziell: ›aus Ton gebrannt‹; ›erdig schmeckend‹ (vom Wein); in der Alchemie und der Humoralpathologie neben
luftig, feurig, wässerig
die Eigenschaft und Wirkung des Elementes
erde
kennzeichnend: ›aus dem Element
erde
bestehend, diesem humoralpathologisch zugeordnet; die
complexion
und Beschaffenheit des Elementes
erde
habend‹; vgl. 3a; 3b; 3c.
Vorwiegend Fachtexte.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. 1; 3.
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
e. sein / brennen, die räuche e. geschikt sein
;
der erdische dunst / wein, die erdische kraft, das erdische ding
.

Belegblock:

Sudhoff, Paracelsus (
1536
):
das salz ist etwan feuriger complex als arsenisch, etwan luftiger complexion als vitriolisch, etwan erdisch als entali.
Ebd. (
1525
/
6
):
wan sie [schwamm] haben der rechten ganzen erdischen kraft nit.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz die räuch zwischen uns und den himeln mangerlai geschickt sint, dünne und dicke, klâr und trüeb, wäzzrig und erdisch.
daz der zuogemischt erdisch dunst
[eines Brunnens]
zæh ist in im selber und alsô gestalt, daz er sich zesamen zeuht in den halsâdern.
ez ist dreier lai wein. der êrsten lai ist wäzrig und dünn, der ander erdisch und dick.
ist ain ander frâg, war umb haiz wir ain erdisch dinch wäzeriger nâtûr, daz ander feureiner nâtûr, daz dritt lüftig, daz vierd erdein, seint si doch alleu auz den vier elementen sind gemischt?
die stain wahsen in der erden auz dem erdischen dunst und auz der fäuhten, diu in der erden âdern [...] beslozzen ist.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
On die römisch münz werden daselbst noch alt sporn, erdig geprent häflein, pecher [gefunden].
Pfeiffer, a. a. O. ; .
3.
›trocken, landwirtschaftlich nutzbar‹ (von Anbauflächen);
zu 4.
Gegensätze:
.

Belegblock:

Bindewald, Texte schles. Kanzl.
35, 27
(
schles.
,
1376
):
mit allen reynen vnde greniczczin, sie sint wessirrik adir erdik, alz daz vorbenante vorwerk vnd allis zin vorbenantis erbe.
4.
›auf dem begehbaren Land zu verorten, auf dem Boden der Erde lebend‹ (von Tieren gesagt);
zu 4.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz des elephandes inwendigeu gestalt ist geschickt wider alliu erdischiu tier.