durchgiessen,
V., unr. abl.
1.
›etw. mit einer Flüssigkeit ganz und gar benetzen, bespritzen, begießen, übergießen‹; vereinzelt ütr.; als Synekdoche auch: ›etw. fruchtbar machen‹; vgl. 5; 14, (V.) 1; 2; 3; 7; 8.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1, 1, .

Belegblock:

Luther, WA (
1518
/
9
):
wye der regen die erden durchgeust und fruchtbar macht, also wirt meyn wort fursich gehen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
169, 33
(
els.
,
1362
):
Do fant er [sant Basilie] den lichomen [...] vnd sin sper mit bluͦte durchgossen.
Ebd.
595, 10
:
Do von hies er [keiser] sú geischelen vnd mit krŏwelen
[›mehrzackigen Haken‹]
iren lichomen zerren [...] vnd do noch mit essiche vnd salcze durch giessen.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2186
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Wie dinr liechten oͮgen brechen
[vgl.
brehen
] |
Durch goss so maͤnig bitter traͤchen.
Mayer, Folz. Meisterl. ;
Williams u. a., a. a. O.
785, 11
.
2.
›jn. / etw. (eine natürliche Gegebenheit, das Seelenleben des Menschen) ganz durchströmen, durchdringen, erfüllen‹; als logisches Subjekt begegnen meist Gott, in Gott gründende Kräfte (wie
liecht, süssigkeit
), menschliche Qualitäten (z. B.
tugend
) und Affekte (z. B.
freude, leid
), auch Lehrmeinungen; im logischen Objekt steht als Zielbereich der Mensch, sein Herz, seine Seele, moralisch-religiöse Qualitäten u. Ä.; refl.: ›sich ausbreiten‹ (auf ketzerische Lehren bezogen); vgl. 5; 14, (V.) 10; 11; als Ütr. anschließbar an 1.
Texte der Sinnwelt ,Religion‘, speziell der Mystik.
Syntagmen:
j
. (z. B.
got
)
/ etw
. (z. B.
tugend, das götliche liecht
)
jn. / etw. d., j. / etw
. (Subj.)
etw
. (z. B.
den leib, die natur / sele, das herz, js. gemüte, kräfte / sinne
)
d., sich d., jn. / etw
. [wie] (z. B.
kräftiglich, lauterlich
)
d., sich mit der gleichheit, mit hitzigem liecht d
.;
durchgossen mit etw
. (z. B.
mit geist, gnade / freude / süssigkeit / wollust, leid
),
von etw
. (z. B.
von einer überweslichen weise
).

Belegblock:

Luther, WA (
1520
/
1
):
wie denn geschicht allen denen, die mit gotlicher sussickeit und geyst durchgossen werden.
Seyntemal die lere der ketzer, wo sie etwa die hertzen der eynfeltigenn eyn nympt, ßo durchgeust sie sich alltzeyt weytter.
Ebd. (
1520
):
Szo wurde daß hercze durchgossen mit aller freẃde und wollust.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Nû sint etlîche, swanne in ir liep houbet stirbet, sô werdent sie sô gar durchgozzen mit leide, daz [...].
Jostes, Eckhart
104, 35
(
14. Jh.
):
da er [got] vindet ein userwelt sel, [...], da durchgúzzet, durchflúzzet, durchlúhtet und durchdringt er ir sinne und kreft.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
do si [Maria] aber mit der goͤtlichen gnade wart durch gegossen, do verloz si mentschlich nature.
Schmidt, Rud. v. Biberach
26, 2
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Das gotlich lieht das dúr gússet die verstentnissi vnd die natúr.
Ebd.
94, 10
:
Aller vernunftigú hertzgung ist, [...], wen túgent [...] dur gúst vnser gemuͤte.
Kochendörffer, Tilo v. Kulm ;
Quint, a. a. O. ;
Bihlmeyer, Seuse ;
Vetter, Pred. Taulers ;
Schmidt, a. a. O.
114, 3
;
Ruh, Bonaventura
311, 9
.