durchgehen,
1.
›etw. (einen Raum, ein Gebiet) durchschreiten, durchwandern, durcheilen, besuchen‹; auch: ›(befugt oder unbefugt) ein (Herrschafts)gebiet betreten, in einem Raum, Gebiet umhergehen, -ziehen‹; teils bildlich; speziell rechtssprachlich: ›Waren, Vieh durch ein Gebiet führen‹;
Bedeutungsverwandte:
; vgl.
1,
(V.)
1,
,
,
1,
3.
Syntagmen:
j. hier, hin und wieder, von einem tor zum andern d
. (absolut);
etw
. (z. B.
den himmel / Jordan, die helle / welt, das kloster, die adern / zimmer, die wege des meres
)
d
.;
jm. mit durchgehen
(subst.)
schaden geschehen
;
durchgehendes kaufmansgut, durchgehende personen
.
Wortbildungen:
1 ›begehbar, passierbar‹ (dazu bdv.:
, Adj.,
1).
Belegblock:
Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 32, 27
(
Wittenb.
1545
):
Gürte ein jglicher sein Schwert auff seine Lenden / vnd durchgehet hin vnd wider / von einem thor zum andern im Lager.
der stat lude [...] deden graven ind stechen, dat die bach clein ind durchgengich wart.
Loersch, Weist. Boppard
(
mosfrk.
,
1637
):
ob ihm [höfer] in seinen lehn von uns guteren ein schad mit verrucken, durchgehen oder sonst geschehe.
Eggers, Psalter
13, 7
(
thür.
,
1378
):
Di vogele des hemils, dy vische des meres, di da durch gent dy wege des meres.
Mayer, Folz. Meisterl.
(
nobd.
,
um 1480
):
Wie nun die lerer dürchgingen des himels flür, | Fünden sie doch des gleichen ny.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
797
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Do muͦsten sÿ mitt sitten | Durch den Jordan enmitten | Mitt allem irem her durch gaͮn.
darvon gibt man denn dem gleitzman das gleit, wie von anderm durchgaͤndem koufmannsguͦt.
Ein klein Gaͤßlin das nit durchgengig ist. Angiportus.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der lauter [wein] wirt schier gekocht in dem magen und durchgêt die âdern.
Bauer, Imitatio Haller
49, 4
(
tir.
,
1466
):
Das lauter hercz das durch get den himel vnd die hell.
ders. Hl. Schrifft.
2. Könige 4, 9
;
‒
Vgl. ferner s. v.
2
(Adj.)
1,
6.
2.
›etw. (geistig) durchlaufen, absolvieren‹; auch: ›etw. in betrachtender Weise nachvollziehen, geistig verfolgen‹; speziell: ›etw. (flüchtig) durchlesen‹; als Ütr. bzw. bildlich anschließbar an
1.
Gehäuft Texte der Mystik.
Bedeutungsverwandte:
1,
4; vgl.
8;
9.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
das leben / leiden des herren, alle creaturen / tugenden, x wonungen
)
d
.;
etw
. [wie] (z. B.
leichtlich
)
d
.;
das durchgehen
(subst.)
der menschheit
;
das durchgegangene holzgericht
.
Belegblock:
Quint, Eckharts Pred.
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dû solt alle tugende durchgân und übergân und solt aleine die tugent nemen in dem grunde.
[Entwúrt der Ewigen Wisheit:] So man ane daz durchgan miner menscheit ie hoͤher uf klimmet, so man ie tieffer vellet.
Ich wirds leychtlich Durchgon / od’ durch faren / Ich wirds in einem fürgang maͤlden.
3.
›etw. ganz und gar durchdringen, erfüllen, vermischen; auf etw. einwirken‹; mit dem Moment der Gewaltsamkeit und Plötzlichkeit auch: ›in etw. eindringen; etw. durchstoßen, durchzucken‹;
Überwiegend Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘, häufig der Mystik.
Bedeutungsverwandte:
2,
2,
,
1
2,
4,
,
; vgl.
3.
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B.
der frost, js. leib, die erbsünde / feuchte, js. schöne, eine goldene kette, ein schwert / wesen
)
jn. / etw. d., got etw
. (z. B.
die sele
)
d., etw
. (Subj.)
etw
. (z. B.
die menschheit, die oren, die niedersten kräfte
)
d
.;
durchgangen mit etw
. (z. B.
mit dem götlichen wesen, mit der klarheit der sonne
).
Belegblock:
es sind yhe wenig die es recht gleuben, die andern sind der historien sonst also gewohnet und durchgangen wie ein alt hause des rauchs.
[Gott] wircket dadurch teglich jnn uns, das es durch gehet als ein sawrteig.
Strauch, Par. anime int.
45, 37
(
thür.
,
14. Jh.
):
sal di sele Got bekennen, so muiz he sich in si nêgin [...] und si durchgêin.
Gille u. a., M. Beheim
162, 335
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
die schon der fraun Hester | kung Aswerum also durch ging | [...] | das er [...] | viel in der mynne strike.
Vetter, Pred. Taulers
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
er wurt also ein mit der suͤssekeit der gotheit daz sin wesen also mit dem goͤttelichen wesen durchgangen wurt.
Schmidt, Rud. v. Biberach
124, 8
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Daz spitzze geruͦwet niemer, vntzvnt daz es in tringt vnd dúr gat.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
(
oobd.
,
1349
/
50
):
[kölkraut] hât grôzeu praiteu pleter, diu werdent rôt, wenn si der frost durchgêt.
Primisser, Suchenwirt
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Vrow Scham dez suezzen tawez tror | Straufte snelle von dem gras | In ein tuech [...] | Pis ez die fauchte durich gie.
Klein, Oswald
33, 27
(
oobd.
,
1417
/
8
):
Dein zarter leib mein herz durchgeet.
noch aines tüt mich pangen, | das mir der klainen kindlin schal | mein oren dick bedrangen, | hand durchgangen.
‒
Vgl. ferner s. v.
5,
2,
1.
4.
›sich / etw. durch eine Öffnung hindurch bewegen; durch eine Öffnung, über ein Hindernis, eine Schwelle schreiten, fließen‹; speziell: ›durch etw. (ein Sieb, ein Seihtuch o. Ä.) gehen, sickern‹;
Belegblock:
Schmitt, Ordo rerum
702, 16
(
rib.
mit
nd.
Einschlägen,
2. Dr. 15. Jh.
):
Laxare dorch vertigen [...] dorgande machen.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
(
osächs.
,
1343
):
lîchter ist eime kamêle durch zuͦ gêne durch einer nâlden loch, wan daz der rîche in gê in daz rîche der himele.
Kehrein, Kath. Gesangb.
(
Bautzen
1584
):
Der hellen schloß bist durchgangen, | Daraus erloͤst dein gefangen.
bauchfluß / [...] da die speyß also vnuertouwet durchgadt.
5.
›sich ohne Unterbrechung räumlich oder zeitlich über etw. erstrecken‹; auch: ›an etw. heranreichen‹; ›ineinander übergehen‹; zum rechtssprachlichen Gebrauch vgl.
;
Bedeutungsverwandte:
3;
20; vgl.
5; zum part. Adj.
:
1;
2;
3;
4,
(Adj.)
1;
3;
5,
2
(Adj.)
1;
2,
1
(Adj.)
12,
(Adj.)
1;
4,
; vgl.
1,
.
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B.
die adern
)
etw. d
.;
etw
. (Subj., z. B.
ein bau
)
nach der zwerch d
.;
ein durchgehender ast / darm / friede / kauf / wechsel, die durchgehende elle / erbgerechtigkeit / linie / regel / umfrage, das durchgehende kissen / mark / teil, durchgehende schiffe
.
Belegblock:
das [...] das durch gonde marck den rücken herab verwunt würt.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 254, 29
(
halem.
,
1489
/
90
):
1 kölsch bet, [...], 1 durchgend küssy, 2 grossy und 3 kleiny küssy.
Durchgende schiff / daruß einer in das ander kommen mag. [...]. Durchgend / Das überhin reicht. [...]. Ein gerade Durchgeende / glechteylende linien.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
119, 5
(
mslow. inseldt.
,
1523
):
von wegen eines Waśśergrabn, der Zwiśchen ihrem Wein gartn durchgehet.
‒
Vgl. ferner s. v.
2,
16,
3.
6.
›schnell davonstürmen, entlaufen, durchgehen‹ (von Reit- und Zugtieren gesagt);
Bedeutungsverwandte:
,
,
1,
.
Belegblock:
das maul
[›Maultier‹]
auff der er saß das vbergieng
durchgieng
;
Froschauer
1530 /
Dietenberger
1534:
lief hinweg
gieng [...] hin
;
Luther
1545, 2. Sam. 18, 9:
lieff vnter jm weg
].
Siegel u. a., Salzb. Taid.
(
smoobd.
,
1625
):
wëlcher springete roß hat oder durchgeents vich, das soll er seinen nachparn ân schaden halten.