überspringen,
V., unr. abl.
›etw. räumlich horizontal (in der Fläche) wie vertikal (in der Höhe) überspringen‹ (vom Menschen und von ausbrechenden Tieren gesagt); tropisch: ›Widerstrebendes, Hemmendes gleichsam springend hinter sich lassen, überwinden‹; ›etw. unbeachtet lassen, ignorieren‹; vgl. (Präp.) 2; 3.
Vorwiegend obd.
Phraseme:
die wage nicht überspringen
›seine Grenzen nicht überschreiten‹; vgl. (Präp.) 2; 3 (ütr.).
Bedeutungsverwandte:
3 (zur tropischen Verwendung).
Syntagmen:
j. eine mauer, die gelüste ü., der geist vergängliche dinge ü
.;
das überspringende vieh
(
küe, stiere, rosse, schweine
).
Wortbildungen:
überspring
(nach Ausweis der Lesart wohl ›Quelle‹, bezogen auf die Mutter Gottes).
Die folgenden Wortbildungen sind wortwörtlich zu verstehen:
überspringer
,
überspringung
,
übersprung
.

Belegblock:

Luther, WA (
1527
):
Yhr solt auch wol alle diese gewaltige spruͤche, die ich hie furbringe und handele, uberspringen und das maul auffwerffen und sagen: Er redet von koͤrnlin und bawmblettern.
Langen, Myst. Leben
191, 1
(
nobd.
,
1463
):
wen der geist / daz fleisch vberwindet vnd diese vergenckliche dinck / alle vbersprungen hat, so springet er auff dy ewigen dinck.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
ich lauff begúrt zuͦ dir: in meim got vberspring
[
Eck
1537 /
Luther
1545, 2. Sam. 22, 30:
vber die Mauren springen
]
ich die maure.
Schmidt, Rud. v. Biberach
76, 23
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Dvͥ hest vber sprungen des libs gelvͥste, das dvͥ sinen begirden nuͥt gehorsam bist.
Vberspringen / besser vnnd weitter springen dann ein ander. [...]. Vberspringen / vber etwas hinuͤber springen. [...]. Vberspringung / f. vbersprung. [...]. Vberspringer [...]. Exultator.
Heydn. maister
29v, 6
(
Augsb.
1490
):
Du solt die wag nit überspringen. dz ist. du solt die gerechtiheit nit übertreten.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
3, 27
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Pflegerinn der taugenhait, | die got menschlich hat bechlait, | aller tugent überspring
(Var.:
ursprung
).
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1629
, Hs.
1862
):
Welcher überspringents vich, es sei roß, küe, schwein oder ander durchgehent vich, hat.
Winter, Nöst. Weist. ;
Siegel u. a., Salzb. Taid. ;