überschreiben,
V., unr. abl.
1.
›(ein Papier) beschreiben, vollschreiben; etw. überschreiben, mit einer Überschrift, einem übergesetzten diakritischen Zeichen, einem Signet versehen‹; ütr.: ›etw. wie eine bindende Überschrift in js. Gemüt einschreiben‹; vgl. (Präp.) 1; 2; 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , 1, , .
Wortbildungen:
überschreibung
1 ›Zuschrift, schriftliche Mitteilung‹ (dazu bdv.: vgl. 1, 5).

Belegblock:

Luther, WA (
1518
/
9
):
Darumb ist es ein irthumb, das man etlich andere gebet disem gebet vorgleychen ader auch fuertzihen wil, sunderlichen die mit rother dintthen uberschriben tzu geschmuckt seind.
Behrend, Magd. Fragen Anm. 17 (
omd.
,
um 1400
):
Nu bitte wir uns zcu undirweiszin noch diszer obirschreybunge was recht sey.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
Sind iederer columnæ uͤberschrieben diese Signet [...].
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
spricht der herre ich gib mein ee in iren hertzen vnd vberschreib sy in ir gemút
[
Eck
1537 /
Froschauer
1531 /
Luther
1545, Hebr. 10, 16:
in ihr Sinne wil ich es schreiben
].
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
sind die burgermaister [...] zuͦ bischoff Christoff von Augspurg komen und im von ainen rat 4 bogen papir überschriben inhalts überandtwurt.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
dieweil sy [laut] schier lautẽ wie das, a, o, u, werdẽ sy auch mit disen drey buchstabẽ geschribẽ, oben mit ainẽ klainen übergeschribnẽ, e, oder tipflin verzaichnet also, aͤ, oͤ, uͤ.
2.
›(einen Text) abschreiben, neu schreiben, umschreiben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1, , .

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
216, 29
(
omd.
,
1554
/
1633
):
Von dem überschreiben, wan er die clage gethan hat, dem gegenschreiber zu befehlen, gebührt ihme 6 ₰.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1661
):
diß zu end stehende jahr vernewert und alleß vleiß uberschriben worden den 2. januarii 1661.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1571
):
ein laut deß aufsant und brieflicher urkund in das neu überzuschreiben.
3.
›jm. etw. (z. B. eine Kuxe, einen Bergbaubetrieb, eine Immobilie) überschreiben, in schriftlicher Formulierung zueignen‹; vgl. (Präp.) 3 (ütr.).
Omd.; meist Bergrechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 8, 1,
1
1, 1.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
111, 14
(
omd.
,
um 1559
):
Werden berckschmiten ader puchwergk vorkauft, (sollen) dieselben nicht ubergeschrieben werden, sie haben den zuvorn ihre lehen fur dem berckmeister kreftig übergeben.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
das man gar mannich böse dingk den pfennern zugesaget und sie gar mit einer groben schrift uberschreben und die gar offenberlich vor allem volcke gelesen hat.
Ermisch, Sächs. Bergr. (
osächs.
,
1492
):
so offte er [gegenschreiber] uberschreiben wurde, von einem uberschreiben, es were ein kukes, ein halben, zwene, drey oder mer, das doch in einer zceche und einem uberschreiben were, nicht mer dann sechs nawe pfennyng geben.
Ebd. (
1509
):
wu betriegk in solichen uberschreybenn befunden, der sall mitt ernst gestrafft [...] werden.
Ders., Freib. Stadtr. (
osächs.
,
1516
):
Kompt aber imandt fur den richter hie bitend eyn haus ime uberzuschreiben, sal man ime das nicht reichn nach leyhn, es sey dan, das [...].
4.
›eine Stadt / jn., z. B. einen
friedbrüchigen
, wegen rechtlichen Fehlverhaltens, unüblicher Entscheidungen, machtpolitischer Übergriffe angreifen, verklagen, unter Druck setzen‹; vgl. (Präp.) 11.
Bedeutungsverwandte:
8; 9; 10; 11, ; vgl. 3, 1.
Wortbildungen:
überschreibung
2 (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 489, 20
(
preuß.
,
1452
):
dorinne sie begeren, das sie unser her homeister welde versichern vor drangunge bobistlicher, keiserlicher und anderer herrn kourfursten oberschreibunge.
Luther, WA (
1521
):
wenn du [bock zu Leypczick] mich ubirschrieben hast, bittich, du wollest auch das jungist gottlich schrecklich gericht an tastenn unnd widder es schreybenn.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
der bischoff von mencz, gnant dieterus, begunst die stad erffort vaste zu ubirschriben unnd ubir sie clagen den fursten zu missen.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
wiewol wir von denselbigen euern gnaden der uberschreybung und verklagungk eine abschrift gebeten haben.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
das man sy [burger] nit vahen oder annemmen mag / sy syent dañ zuͦ vor mit einem beluten geseßnen Raͤte / überschribẽ.