überrichten,
V.
in jeweils einmaliger Belegung von verschiedenen Semantiken von
über
(Präp.) und
richten
her motivierbar;
richten
dabei im allgemeinen Sinne von ›etw. gezielt machen, unternehmen, tun‹; im Einzelnen z. B.: ›(eine Traufe) über ein Grundstück leiten‹; ›etw. (das Leiden Christi in einem Passionsspiel) übertrieben grausam darstellen‹; ›sich (in Liebesangelegenheiten) übernehmen, überanstrengen‹ (sarkastisch); ›etw. vollziehen, vornehmen‹.
Wobd. / oobd.
Wortbildungen:
überrichtung
›so vorgenommene Einstellung / Zurichtung e. S. (z. B. von Mühlsteinen), dass dabei ein Vorteil für den Müller herausspringt‹.

Belegblock:

V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
1507
):
ein so gruͤwlich anschowen, dass zuͦ gedaͤnken, Kristus waͤr nie mit so gruͤlicher ungeperd verscheiden. Mich beduͦcht, sagtʼs ouch, die sach waͤr uberricht.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
und er das landt der liebe zu gar vil und unzeitig iebte, do überricht er sich in massen, das er sein sterben muest.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1568
, Hs.
M. 18. Jh.
):
sonder er mülner solle demselben alspald solch sein traid treulich herab malen, darinnen kain valsch weder mit mit überrichtung der stain noch in ander weeg ainichen vortl wie der sein möchte suechen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
150, 2
(
mslow. inseldt.
,
1624
):
iśt [...] ein beśchau [...] wegen einer śtrittigen wondt Vberrichtet, vnnd hernach vonn einem Erwürdigen Rath hirüber erkant wordn, das [...].
Dertsch, Urk. Kaufb.
1546
.