überlängen,
V.
›eine auffallende naturgegebene räumliche Größe, Länge aufweisen‹ (z. B. von einem weit hervorragenden Felsen gesagt); ›ausgedehnter, umfassender sein‹ (als eine Vergleichsgröße; im ütr. Sinne räumlich gedacht); trans.: ›die Länge eines konkreten Gegenstandes (darunter von Maßen, Gewichten) zu einem je nach Situation unterschiedlichen Zweck strecken‹; ›etw. zeitlich horizontal verlängern, zu lange ausüben‹ (z. B. die Beweidung einer Nutzfläche); ›jn. (reitend) einholen‹; zu (Präp.) 3, 1.
Beleghäufung für das Obd.
Phraseme:
die überlängte vierung
›Rechteck‹.
Syntagmen:
j. ü
. ›durch Manipulation des Maßes betrügen‹ (absolut);
j. die weide ü., den eimer, die elle / wage, das gewicht / mas ü., j. jn. mit den gäulen ü
.;
der überlängte fels, die überlängte form, das überlängte buch / stük
.
Wortbildungen:
überlänge
›Überlänge, vom gewerbeüblichen Maß abweichende Länge eines Tuches‹; ütr.: ›im Übermaß vorhandene Abstraktgröße, z. B. die Sünde, zugeschnittenes Maß an göttlicher Zuwendung u. dgl.‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
Ain hailiger oder glaubiger mensch der empfind wol in jm die überlenng der sünden, werdenn aber jm umbs glauben willen nit zuͦ gerechnet.
Ebd. (
1524
):
Jch habe meynen Herren entpfangen, der ist meyn, und habe nu uberleng genug und alle fuͤlle, So nym du nun auch was ich habe, das soll alles deyn seyn, und will es auch fuͤer dich dar setzen.
Wolf, Gesetze Frankf.
250, 13
(
hess.
,
1452
):
mit namen die gemeine weide und wasem, damyde die lude ire pherde und andere fehe halden sulden, sere uberlenget werden und geunreynget.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1513
/
5
):
Aws dyser lenge vnd preitten mach einn v̈berlengte firung.
Bobertag, Eulensp. (
Straßb.
1515
):
da gedacht er, ist es nun der hertzog, vnd würstu flüchtig, so vberlengen sie dich mit iren guͤlen, vnd stechen dich vnder das pferd.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1446
):
wer ein über leng machen wil, der sol sie machen, also das er sie mit dem tuch beraiten und an die ram slahen sol und mit dem tuch an das zaichen tragen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
demnach es [schloss] zimlich hoch uf einem grosen, überlengten velsen gelegen.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
2685
(
oobd.
,
1607
/
11
):
das schöne gar grosse, überlengte buch in rot leder [...], ist auf pergamen [...] gemalt.
Ebd.
2704
:
ein zaichnusbuch in quarto, uberlengt, uff baingeschwembt papir.
Vogel, Pract. Alg. Ratisb.
160, 2
(
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
so hast dw ain quadrat, daz eben in helt als dye vberlengt fierung.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1563
):
wür ordnen und sötzen auch daß unser pflöger [...] jerlich [...] damit niemant betrüeglicher weiß iberlengt, [...] daß gewicht wagen maß und millen eln candl emer und kornmaß besichtigen.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
got siehet weiter, sein gotliche weiszhait vberlengt vnser menschliche poeszhait.
Barack, a. a. O. ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .