überkraft,
die
;
–/-e
+ Uml.
›über das Normalmaß hinausgehende qualitative oder (vereinzelt:) quantitative Ausprägung jedweder Form physischer, psychischer, sozialer Überlegenheit‹ (allgemein, meist von kollektiv oder abstrakt gefassten Größen gesagt); im Einzelnen: ›militärische Übermacht‹; ›Stärke, Kraft e. P.‹; ›herrscherliche Macht, Einfluss einer sozialen Realität‹; ›Wucht einer Tätigkeit‹; ›Macht einer Haltung‹; ›überwältigende Kraft‹ (z. B. der
minne
1; 3; 4; 5; 6; 8); ›Ausmaß der Gnade Gottes‹; ›Macht der Musik‹; ›überhohe Menge e. S.‹ (z. B. an Speise, Trank); die Dichte der Belege für die einzelnen Nuancen schwankt; vgl. (Präp.) 10, 1; 2; 3; 4; 5; 6; 7.
Nahezu ausschließlich obd. belegt; im mittleren Frnhd. auslaufend; alle oobd. Belege profan narrativ.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Solt ir die juden den lazen | under u mit vride wesen, | die uch nimmer liezen genesen, | heten sie die uberkraft.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
6
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
daz muzzikait ist ain vergift, | davon die sel stirbet | und hie der leip erwirbet / | von ir posen maisterschaft | aller untugent uberkraft.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
daz [lied] erschal froͤlich, daz es im
[Seuse]
alle sin sinne verflogte von uͤberkraft des suͤssen gedoͤnes.
du weist, daz der minne reht ist, daz si von irem geminten nihtes begnuͤget; so si ieme hat, so si ieme begert, [...], wan daz wuͤrket dú úberkraft der minne.
Es ist ein weiche riter, der von úberkraft dez heres einest hinder sich gewichet.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs.
um 1300
):
alse groz úbirkraft wart in si gegozsin. von der gotlichun gnade.
Schmidt, Rud. v. Biberach
7, 5
(
whalem.
,
1345
/
60
):
daz er [menschlich geist] erhaben wirt mit fur der minne in den, der ob im ist, (daz ist in got), vnd von vberkraft der minne wirt der geist vsser im selben veriaget, das er sich selben nuͥt betrachtet, so er got alleine minnet.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Owe hoche mine
[Bezug auf
Heleyna
]
über craft, | Ritter, mich entwinget nicht: | Magtum daz ist min züversicht.
Pfaff, Tristrant (
Augsb.
1498
):
Do aber herr Tristrant sahe die überkrafft der veint, gedaucht yn wol zeit, das ym der künig zuͦ hilff keme.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
362, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
das ors zun seitten mit den sporen ruertʼ, | und machtʼ in los mit streittes überchreften.
Weber, Füetrer. Poyt.
113, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
wann das das haws et was der diet gar läre, | speis, tranck was da dy v̈berkrafft, | menng pett wat reich.