übergros,
Adj.
1.
charakterisiert nach menschlichen Maßstäben gemessene Gegebenheiten und Sachverhalte als ›übergroß, das Höchstmaß physischer Dimensionen bzw. von daher gedachter physischer Vorstellungen, auch Handlungen erreichend bis übersteigend‹; relativ zur jeweiligen Bezugsgröße, dann (im Übertragungsverhältnis zueinander stehend) z. B.: ›außerordentlich hoch‹ (von einer Kirche); ›schwer‹ (von der Sünde); ›mächtig, mit Macht‹ (von Konflikten); ›heftig‹ (von einem Sturm); ›hochschwanger‹ (vom Leib); ›unerträglich‹ (von einer Tortur); vgl. (Präp.) 10, (Adj.) 1ff.Syntagmen:
js. sünden, eine kirche ü., js. geist / sele ü. entzündet sein, j. jm
. ›im Vergleich zu jm.‹ ü. sein
; der creatur etw
. (Subj.) übergröslich wiederstreben
; der übergrosse bau / dank / leib / sturmwind, die übergrosse armut / hitze / liebe / mässigkeit / menge / tortur / zier, das übergrosse liecht
.Wortbildungen:
übergrosheit
übergrösse
übergrössen
grössen
1).Belegblock:
mit wieviel oevergroisheit van eren [...] dat wullenampt gesat, gestalt ind geordiniert ind mit wievele privelegien [...] gezeirt was.
wañ sie nicht so vnbillig [...] Leuth gewesen wehren / hatten sie so vber grosse vnd vnertraͤgliche Tortur nicht zugelassen.
es kam eyn obirgrosser, stargker stormwint von deme hymmele.
Du inerlich an schawe | Den ubergrossen pawe | Hymels und erd.
unser Frauen kirchen zu Antorff ist übergroß, also daz man viel ampt auf einmal darinnen singt.
Vbergroͤsse / hefftige groͤsse.
es ist die guet fraw eins übergrossen leibs gewest.
waͤr si
[die
muͦter gottes]
geschepht in mistat, | so waͤr si niemant uͤber groz; | si waͤr aller sünder gnoz. denn daz hawbt ist uber grozzet | mit dem sloyr zuber preit.
wenn daz ist gar uͤbergrossleich widerstrebent der menschleich creatur, der got gegeben hat die vernunft.
Ebd.
75, 89
: Etleich sint, die uͤbergrossleich lieb habent gutew ding vnd got, aber vnuernunftichleich mit vnzimleicher mass.
Ebd.
109, 9
: Etleich sint, der gaist oder sel sint gar ubergrossleich vnd naturleich derzunt zü den leipleichern pegyrden vnd wollustichaiten.
2.
ertextet metaphorisch von 1 her eine im Bereich von 1
glaube
4, gnade
1, liebe
10, wunder
liegende religiöse Qualität (extendens se superne vocatione
) als ›unmessbar, jenseits und über jeder Aussagbarkeit liegend, alle Zungen übergreifend, gnadenhaft‹; vgl. (Präp.) 10, (Adj.) 1; 9.Texte der Sinnwelt ‚Religion‘.
Wortbildungen:
übergrostätig
Belegblock:
Nu horet alle besunder, | willich ein ubergroiß wunder / | Mir reden aller zongen wort, | Die in der werlt sint gehort.
der will enzündet durch das feur der übergrossen lieb gottes.
Ebd.
97
: Als er [Christus] entpfangen ward, zuhandt heiliget er Joannem in muterleib vermittelst des grues Marie. Fürwar ein ubergrostetig, hochweises werk.