übergros,
Adj.
1.
charakterisiert nach menschlichen Maßstäben gemessene Gegebenheiten und Sachverhalte als ›übergroß, das Höchstmaß physischer Dimensionen bzw. von daher gedachter physischer Vorstellungen, auch Handlungen erreichend bis übersteigend‹; relativ zur jeweiligen Bezugsgröße, dann (im Übertragungsverhältnis zueinander stehend) z. B.: ›außerordentlich hoch‹ (von einer Kirche); ›schwer‹ (von der Sünde); ›mächtig, mit Macht‹ (von Konflikten); ›heftig‹ (von einem Sturm); ›hochschwanger‹ (vom Leib); ›unerträglich‹ (von einer Tortur); vgl. (Präp.) 10, (Adj.) 1ff.
Bedeutungsverwandte
(je nach Bezugsgröße spezifisch): 1; 2; 3; 6; 11, 1, , 1.
Syntagmen:
js. sünden, eine kirche ü., js. geist / sele ü. entzündet sein, j. jm
. ›im Vergleich zu jm.‹
ü. sein
;
der creatur etw
. (Subj.)
übergröslich wiederstreben
;
der übergrosse bau / dank / leib / sturmwind, die übergrosse armut / hitze / liebe / mässigkeit / menge / tortur / zier, das übergrosse liecht
.
Wortbildungen:
übergrosheit
›hohe soziale Würde, Anerkennung‹ (eines Bruderschaftsamtes),
übergrösse
,
übergrössen
›(den Kopf) durch Verkleidung größer erscheinen lassen‹ (zu
grössen
1).

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1397
):
mit wieviel oevergroisheit van eren [...] dat wullenampt gesat, gestalt ind geordiniert ind mit wievele privelegien [...] gezeirt was.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
wañ sie nicht so vnbillig [...] Leuth gewesen wehren / hatten sie so vber grosse vnd vnertraͤgliche Tortur nicht zugelassen.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
64, 20
(
omd.
,
n. 1474
):
es kam eyn obirgrosser, stargker stormwint von deme hymmele.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Du inerlich an schawe | Den ubergrossen pawe | Hymels und erd.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1520
):
unser Frauen kirchen zu Antorff ist übergroß, also daz man viel ampt auf einmal darinnen singt.
Vbergroͤsse / hefftige groͤsse.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
es ist die guet fraw eins übergrossen leibs gewest.
Niewöhner, Teichner
464, 485
(Hs. ˹
moobd.
,
1370
/
80
˺):
waͤr si
[die
muͦter gottes
]
geschepht in mistat, | so waͤr si niemant uͤber groz; | si waͤr aller sünder gnoz.
Ebd.
547, 48
(Hs. ˹
nobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
denn daz hawbt ist uber grozzet | mit dem sloyr zuber preit.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
69, 112
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
wenn daz ist gar uͤbergrossleich widerstrebent der menschleich creatur, der got gegeben hat die vernunft.
Ebd.
75, 89
:
Etleich sint, die uͤbergrossleich lieb habent gutew ding vnd got, aber vnuernunftichleich mit vnzimleicher mass.
Ebd.
109, 9
:
Etleich sint, der gaist oder sel sint gar ubergrossleich vnd naturleich derzunt zü den leipleichern pegyrden vnd wollustichaiten.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Als paide ir her zusamen kamen, erschracken die Cristen ab irer über grossen menig.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. ;
Gille u. a., M. Beheim
140, 67
;
Mayer, a. a. O. ;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel ;
Fischer, Eunuchus d. Terenz ;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 151
.
Vgl. ferner s. v. 2.
2.
ertextet metaphorisch von 1 her eine im Bereich von
1
glaube
4,
gnade
1,
liebe
10,
wunder
liegende religiöse Qualität (
extendens se superne vocatione
) als ›unmessbar, jenseits und über jeder Aussagbarkeit liegend, alle Zungen übergreifend, gnadenhaft‹; vgl. (Präp.) 10, (Adj.) 1; 9.
Texte der Sinnwelt ‚Religion‘.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1; 2; 3, 1; 3, , 1; 3, (s. v. , Adj., 4), 2, .
Wortbildungen:
übergrostätig
.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Nu horet alle besunder, | willich ein ubergroiß wunder / | Mir reden aller zongen wort, | Die in der werlt sint gehort.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
40
(
Nürnb.
1517
):
der will enzündet durch das feur der übergrossen lieb gottes.
Ebd.
97
:
Als er [Christus] entpfangen ward, zuhandt heiliget er Joannem in muterleib vermittelst des grues Marie. Fürwar ein ubergrostetig, hochweises werk.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Nu muͦsten doch die jungern unsern herren lossen, die aller minneklichsten engegenwúrtkeit, die so trostlich und úber gros und gotlich was.