sütte,
sutte,
die
;
-Ø/–
;
zu
mhd.
sute, sutte
(; zum folgenden Ansatz 1 s. generell
Patocka
).
Die motivationelle Durchsichtigkeit und damit die Einheit des Wortes ist fraglich; vgl. den Ansatz von drei Stichwörtern im –1361; hier wird einheitlicher Bezug auf
sieden
angenommen.
1.
›das Aussieden (des Salzes als gewerbliche Handlung)‹; als Metonymie: ›Saline, gewerblich betriebene Anlage zur Gewinnung von Salz‹; im engeren Sinne wohl auch: ›Pfannhaus‹; ›dem Siedevorgang zur Reinigung unterworfene Salzmasse‹.
Syntagmen:
die s. fürdern / meren
(z. B.
namhaft
) /
unterhalten, es gibt die s
.;
die arbeiter der s. gewarten
;
der s. etw. nützig sein
;
bei der s. notdurft sein, mit der s
. [wohin]
keren
;
die fürderung der s
.
Wortbildungen:
sütgefälle
›Nachlassen der Zufuhr von Sole ins Pfannhaus‹,
sütnot
wohl ›Notwendigkeit des Gesotten- und Verdampftwerdens in der Pfanne‹.

Belegblock:

Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1617
):
1 leuterböthen darinnen sich die südte reinigen.
Patocka, Salzwesen.
1987, 92
(
oobd.
;
1354
):
Die sullen darkeren mit der Sutte [...] als vil sich danne der Sute in der Wochen vergangen hat. [...] daß die Arbaiter der Sute nicht gewarten mochten.
Ebd.
92
(
1513
):
auch anndern notturften, so bei derselben Südt sein. [...] solliche Suͤdt zu perg, auch Im phannhaws vnnd Holczwerch.
Ebd.
119
(
1582
/
5
):
Wann es
[Werk] [...]
mit sauren wasser angeczogen wird, vnd wann mans ablassen wolt, so gab es ein halb Jahr lang die Suth.
Ebd.
262
(
1595
):
Das
[Selbwasser]
rindt Zu Sütt noth, auch nach thal.
Ebd.
265
(
1354
):
Wir suͤllen auch allen Gewalt tragen, der beschehen mag, von Wasser von Feẃr, von Lawnen, von Sutgeuelle, von Wint, von Kriegen.
2.
›Teich, See; Flut, Tiefe des Wassers; Pfütze, Lache; Blutlache‹; in allen Nuancen schwach belegt.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Dô er lac besulwit tôt | in sinis blutis sudde.
Gille u. a., M. Beheim
52a, 16
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das er [wolf] die chuten | Da slaphet an | und ging hin dan | czu einer suten, | Da er vil gens | und enten wist.
Klein, Oswald
17, 33
(
oobd.
,
1410
):
mit der mensur und nach des kimpas firmament | den magnet lent, levant la dich nicht forzen. | Wassa alabanda! – springen | teuff in die sutten hinab! | forton la dich nicht dringen.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
3.
›Krankenstube‹; im Glossar zur , als „ohne Zweifel mit
sucht
zusammenhängend“ beurteilt (s. auch
Schmeller/F.
2, 1, 340
); vgl. eher
sud
2 als motivationellen Bezugspunkt.

Belegblock:

Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1445
):
das waßer stemmet so hoch, daß es zu dem newen spital zu den fenstern in die sutten hinein gieng.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
Von der rören in dem eussern spitalhoffe. Die röre ligt also verrer vor dem weichkessel gerichtz durch die sutten auß durch die stubthüre [...] pei dem loch, das do in dem pflaster ist vor dem prunnen, dorein das unrein wasser fleust.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1346
):
so soll man
Niclein, hern Niclas diener des Pollen
, 4 ℔ dn. geben und den Rest alle Freitag den Dürftigen
in der purger Spital ze Wienne in die Sutten
austheilen.
Ebd.
1508, 16 (1402):
es wer in der sutten, im lankhaus oder in der chinczstuben.
5 ℔ dn.
in der purger Spital
zur Handvertheilung an die armen Dürftigen in der
Sutten.
4.
›unterster Schiffsraum‹.
Wortbildungen:
suttentür
›Tür zum Schiffsraum‹.

Belegblock:

McClean, Havich
1692
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
uncz in der marnër | saget dy selben mer, | das feẅr wer erloschen gar: | ‚nu nemt ïr der sutten war! | da ist vil wunders inn geschehen‘.
Ebd.
1862
:
do
[im
schef
]
wüchs ein nëwes holcz für, | also geschach der suttentür.
Ebd.
1673
;
1704
;
1809
.
5.
›als Viehfutter verwendete Flüssigkeit‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 1.
Wortbildungen:
süttig
›siedend heiß‹.

Belegblock:

Maaler (
Zürich
1561
):
Süttig. Feruens, Feruidus. Gar süttig heiß / Vber die maß heiß. [...]. Süttig wein. Feruefactum vinum. Süttigmachen / Ze sieden machen. Feruefacere.
Vilmar (a. 
1596
).