sülze,
die
;
-Ø/–
;
häufig ohne Umlaut(schreibung):
sulze
.
eine salzhaltige, gallertartige, feuchte Masse, Brühe unterschiedlicher Substanz und zu unterschiedlichen Zwecken; die Belege beziehen sich z. B. auf das hausübliche Pökelwasser, metonymisch auf eingesalzene Speisen pflanzlicher und tierischer Herkunft, in ersterem Falle speziell auf Kohl und Früchte, in letzterem auf Innereien aller Art, speziell auf Pökelfleisch, ferner auf ein Heilbadewasser, auf die Salzlecke für Wildtiere.
Bedeutungsverwandte:
, , 2; vgl. 2.
Syntagmen:
s. machen / bereiten / auswägen / ausgiessen / bewaren / quellen / waschen, jm. geben, die s. betreffend ordnung geben
;
die s
. (Subj.)
ausrinnen / überbleiben
;
der wanst, das herz, die lunge / milz s. sein, ein blut wie s. stehen
;
für ein pfund s. etw
. [einen Betrag]
geben, in einer s. baden, das fleisch
(Subj.)
in der s. liegen, fleisch mit s. schützen, etw. zu s. machen, den darm zu s. sieden, safran / wein zu der s. nemen
;
die s. mit fischen, zum spitalhof
;
die tonne s., ein pfund der s
.;
die alte / fliessende / gute / heisse / reine / ringe / starke s
.;
die schüssel von s., das pulver zu s
.
Wortbildungen:
sülzbrühe
,
sülzen
,
sülzfisch
,
sülzkol
,
sülzkompost
,
sülzrinne
,
sülzstrene
,
sülzstube
.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
716, 3
(
preuß.
,
1447
):
9 tonnen zulczkompost, item 6 scheffel hanfsom.
Ders., Marienb. Ämterb.
139, 29
(
preuß.
,
1452
):
½ tonne morenen, item ½ tonne hecht, item 2 tonen sulczkoel, item 1 firtel ole.
Hajek, Guͦte spise
48
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
in disem condimente mahtu suͤlze petersielien bern vnd clein cumpost oder ruͤben.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 388, 12
(
hess.
,
1595
):
daß hinfuro die sültz, als da seindt der wanst, hertz, miltz, lungen, leber, klein und groß därm wol gewaschen und gequellet, wann das wasser zimblich abgesiehen, unnder der schirn mit dem pfundt ausgewegen und jedes pfundt durchaus so wohl von ochsen alß khüen umb 6 ₰ gegeben werden soll.
Skála, Egerer Urgichtenb.
203, 6
(
nwböhm.
,
1577
):
hetten es [Speck] durch ein niedt heraus bracht. wer das fleisch noch In der Sülz gelegen.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
109, 25
(
nobd.
,
1400
/
11
):
Sie und ander lute koche sullen auch im sumer gut und rein sulczen. keuffen, sieden und veil haben by der Muͤncze.
Fastnachtsp. (
nobd.
,
1494
):
LUCIFER SPRICHT ZUM SATHAN: Klaub sie [pain] auf und trag si in die helle | Und sag unsern gesellen, | Daß si di sulz wol bewarn | [...] | Nu uns die fueße worden sein, | Ich hoff, die selen werden alle mein.
Voc. Teut.-Lat.
ff vjv
(
Nürnb.
1482
):
Sultze salrayde. odʼ galraydsultze. galantena. galrayde gelatria. geladia.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Also richt mir teglichen zu | Mein weib so vil kiffarbeis-speiß, | So mancherley selzamer weiß, | Sie thut mirs sülzen, siedn und pregeln.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1973
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Alle tag ain hünli súd, das ander brät, | Und ain súltzli mit güten fischen.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1588
):
andere därm sollen si wol seübern und zu sulz sieden und das pfund der selben sulz umb 8 stebler geben.
Sudhoff, Paracelsus (
1525
/
6
):
alle die da seind volles leibs, voller flüssen, voller feuchtikeit, voller inwendigen schleimikeit, [...], die sollent in diser sulz baden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Saltzwasser (das) Muria. Sultz.
Sultz (die) Heißt ouch die fuͤchte so sich samlet wenn man fleisch ynsaltz / darmit man auch gewont das fleisch zebeschütten. Muries. Sultzbruͤy. Muria.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. (
schwäb.
,
1555
):
sollichs plutt auffgefangen und lasen stan, ist es gestanden wie ein ander plutt oder sultz.
Stopp, Kochbuch S. Welserin
57, 1
(
Augsb.
1553
):
Sultzfisch, das lauter werden.
Bastian, Runtingerb.
2, 273, 27
(
oobd.
,
1393
):
12 Amber umb 4 chopf lanntwein zu suͤlcz.
Patocka, Salzwesen.
1987, 187
(
oobd.
,
1595
):
(der WASSERKNECHT) Der den Sulczstren, Zu rissten waiß.
Ebd.
188
(
1595
):
Also fleust es [die SULZ(E)] in röhrn trȧg, / Biß in die Sulcz stiben herauß.
Ebd.
263
(
1513
):
Die Schrecken, Spatsalz, Grafach vnnd ander kernstain (...) sollen (...) zu Sulcz gemacht (...) werden.
Ebd.
264
(
1595
):
Jm außleschen heben Sÿ [die PFANNKEHRER] ab, / Die Sulcz Rin.
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 445, 42
(
moobd.
,
1436
):
soll den armen dwͤrfftigen menschen
im Spital sowie
den pfruͤnttnern vnd pfruͤnttnerin
eine Speisung zuteil werden,
mit naͤmenn ein semelmuͤsch, ein pfeffer oder suͤlcz, ein krawͤtt.
Wopfner, Bauernkr. Tirol (
tir.
,
1519
):
betreffendt die bărn und sŭltzen wellen die hern vom regiment von stŭndan verschaffen und ordnŭng geben.
Hajek, a. a. O.
96
;
Lexer, Tucher. Baumeisterb. ;
Loose, Tuchers Haushaltb. ;
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
970, 28
;
Bastian, a. a. O.
2, 273, 27
;
Crecelius
828
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Patocka, a. a. O.
188
;
264
.