süchtig,
Adj.;
die Gliederung des Bedeutungsfeldes analog zu derjenigen von (
die
) ist teilweise diskutabel; Entsprechendes gilt für die Zuordnung der Belege.
– Älteres und mittleres Frnhd.
1.
›schwach, krank, Fieber habend, körperlich leidend‹; vgl. (
die
) 1.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, 2, 2, (Adj.) 2, 1 (ütr.), , (Adj.) 3, , (Adj.) 3, , (Adj.) 1, , .
Syntagmen:
j. s. sein
(z. B.
mit fieber
) /
werden
(z. B.
an dem leibe
),
das alter / glied s. sein, der arme s. worden sein, die wunde s. werben
›machen‹,
ein rauch die lieder s. machen
(z. B.
mit siechtum
).
Wortbildungen:
süchtigkeit
(dazu bdv.: 1, 3).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Infirmus. Kranck siech vngesundt schwach vnuermuͤglich muͤgloß bresthafft suͤchtig.
Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
29, 18
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
und wil si vorvolgin mit dem swerte, mit hungere und mit suchtikeit
[
Mentel
1466:
schelm
; nd. Bibel um 1478:
sterffden
;
Froschauer
1530:
tod
; Var. 1475
2
–1518 /
Luther
1545:
Pestilentz
]
und wil si gebin eyne muykeit allin landin zu vluche.
Luther, WA (
1545
/
6
):
[mus man] nicht daruͤmb ein Glied abschneiden und hinweg werffen, ob es ungesund, suͤchtig, Ja auch untuͤchtig und verderbet ist.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
want der selve bischof was suchtich ind hadde ein krankheit an dem heufde, dat he under ziden lach dach ind nacht sonder gesicht unt spraeche as ein doit minsche, as in die krenkde overquam.
Schwartzenbach (
Frankf.
1564
):
Kranck. Suͤchtig. Schwach. Brechhafft. Gebrechlich. Gebresthafft.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
20, 20
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Du meinest leicht, das alter sei ein edelhort? Nein, es ist süchtig, arbeitsam, ungestalt, kalt.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
Job der gar arme was worden und ser suchtich und sine lieben kinter hate vorlorn und al sin guͦt.
Pyritz, Minneburg
1658
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Doch sich min sin verzabelt, | Daz er wirt witzen bruchig | Und an dem libe suchtig.
v. Groote, Muskatblut (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Der zorn bringt suchticheit, | der zorn bringt grosz hertzenleit, | der zorn bringt grosz arbeit.
Maaler (
Zürich
1561
):
Süchtig / Bauwfellig / Kranckheiten vnderworffen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
er [lewe] ist sô haizer nâtûr, daz man wil, er sei stætes sühtig oder fiebrig.
wenn man ain underzäpfel macht auz gerœschtem hong und auz salz, daz ist den läuten gar guot, die sühtig sint mit dem fieber.
die sauren sint gesünter, gibt man si den sühtigen läuten geprâten oder rôch nâch anderm ezzen.
sein
[des
Köksilbers
]
rauch [...] macht diu lider sühtig mit dem siehtum, der paralis haizt.
Niewöhner, Teichner
203, 23
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
im geschiecht recht als dem wunten man | der selb an dw wunden streicht | daz der wunden nicht geleicht | und dw wunden suchtig wirbet.
2.
›Verderben bringend, pestilenzisch vernichtend‹; vgl. (
die
) 2.
Bedeutungsverwandte:
, 1, 2, 2, (Adj.) 2.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Jer.
51, 1
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
ich wil irweckin uf Babylonem und uf ire woner, dy ir herze irhabin habin widir mich als eynin suchtigin
[
Mentel
1466:
schelmigen
; nd. Bibel um 1478:
schnode vuel
;
Wormser Proph.
1527:
schedigen
;
Froschauer
1530 /
Eck
1537:
schaͤdlichen
]
wint.
Voc. Teut.-Lat.
ff vjr
(
Nürnb.
1482
):
Suchtiger. pestiferʼ pestilẽticʼ schelmiger pestuosus.
Maaler (
Zürich
1561
):
Süchtig. Pestilens. Das ein ursach der sucht ist.
3.
›einer psychisch-seelischen Haltung verschiedener Art ausgeliefert, von etw. besessen‹; im Einzelnen: ›süchtig, voller Sehnsucht‹ (nach
minne
4; 5); ›verhaltensgelähmt‹ (z. B. durch
trägheit
); ›an Sündenverhaftung leidend‹; ›anerkennungsheischend‹; ›machtgierig‹; ›habgierig‹; vgl. (
die
) 3.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 6, , 2, 2, ; vgl. 2.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
Niemant aber unter euch leyde als eyn moͤrder, odder dieb, odder ubelthetter, odder frembds guͦttis suͤchtig.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Ich heißen Drakeit, die suchtige, | Die hynckende und krempige.
Pyritz, Minneburg
2628
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ich bin auch mynnen suchtig | Und han die swinden etica.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel Var. (
Straßb.
1466
):
Der tobig
[Var. Hs. 15. Jh.:
süchtig
; nd. Bibel um 1478:
bose
;
Froschauer
1530:
spottvogel
;
Eck
1537:
vergift
;
Luther
1545, Spr. 15, 12:
Spötter
]
hat nit lieb den der in berespt.
das súchtig volck
[nd. Bibel um 1478:
de ouerdadigen bosen
, 1522:
pestilentische
;
Froschauer
1530 /
Eck
1537:
boßhafte
;
Luther
1545, 1. Makk. 15, 3:
aufrürer
]
volck het behalten das reich vnser vetter: aber ich wil rechen daz reich vnd wil das wider bringen als es ist gewesen vorzeiten.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
3, 35
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Balsam früchtig, mach got züchtig, | so wir süchtig
[›in unserer Sünden-, Seelennot‹]
werden flüchtig | under deines [Mareien] mantels val.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .