säckel,
der
;
-s/-Ø
;
lexikalisiertes Diminutiv zu 2.
– Überwiegend obd.
›Geldbeutel, Börse‹; ›Münzsack‹; speziell: ›Kasse einer Gemeinde, Bürgerschaft, Stadt‹; metonymisch: ›Einnahmen der Gemeindekasse‹; speziell auch: ›Armenfürsorge‹; generalisierend: ›Geld, Vermögen, Budget‹; auch: ›Ersparnisse‹.
Phraseme:
j. im säckel sein
›Almosen empfangen‹;
jn. im säckel strafen
›jm. eine Geldstrafe auferlegen‹;
jm. den säckel geben
›Bußgeld, Schulden bezahlen‹;
jm. den säckel abschneiden
›jn. um einen Gewinn, Ertrag bringen‹;
jm. den säckel speisen
›von jm. finanziell übervorteilt werden‹; ˹
(jm.) den säckel beuteln / leren / schaben / schütteln
;
jm. in den säckel gaffen
˺ ›jn. finanziell ausnehmen; sich von jm. aushalten lassen‹;
an jm. in den säckel gewinnen
›sich an jm. bereichern‹;
die geldsucht im säckel haben
›geizig sein‹;
krieg
(Subj.)
über den säckel der armen leute gehen
›Krieg auf Kosten der Armen geführt werden‹.
Bedeutungsverwandte:
, (
das
) 1, 14; vgl. 2; 3, 1, 2.
Syntagmen:
j. den s. aufziehen / entschöpfen / füren / gefüllen / haben / kaufen / räumen / regieren / stelen / versehen / zuhalten, in der hand haben, in seine gewalt bringen, mit / von etw. füllen, jm. einen s. an den hals hängen
;
der s
. (Subj.)
behalten / ler werden, jm. ler stehen
;
j. dem s. strafgeld abtragen
›unterschlagen‹,
etw
. (Subj.)
dem s. wehe tun
;
js. vermögen
(Subj.)
an den s. hängen, j. sich auf den s. verlassen, j. aus js. s. ausgeben / schenken / zeren, etw. aus dem s. stelen, das almosen aus dem s. geben, x gulden aus seinem s. bezalen / geben, das geld im s. behalten / haben, das geld
(Subj.)
in den s. gehen / gehören, j. jn. mit dem s
. [wohin]
schicken, jm. etw. vom s. leihen, j. von wegen des säckels zu e. S. geordnet sein
;
der s. des königs, der stat, der armen / untertanen, der armen leute
;
der s. silbers, der guten werke
;
der s. ane geld, vol pfennige
;
der eigene / gemeine / reiche / volle s
.;
die verschwendung des säckels
;
das geld / pausen im s
.
Wortbildungen:
˹
säckelabschneider
,
säckeldieb
,
säckelfeger
,
säckelschneider
˺ ›Betrüger‹ (dazu bdv.: 2),
säckeldarius
scherzhafte Bildung für
säckelmeister
in Anlehnung an lat.
secretarius
,
säckelgürtel
›Geldgürtel‹,
säckelherre
›für die Armenfürsorge zuständiger Stadtbediensteter‹,
säckelkammer
›Schatzkammer‹,
säckeln
›Geld einsacken, in die eigene Tasche wirtschaften‹ (dazu bdv.: , V., 7; 8),
säckelsteuer
›steuerliche Abgabe‹ (dazu bdv.: vgl. 5, 2, 1, ).

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
357, 13
(
Lübeck
1639
):
Das ist gut / was dem Maul wol / vnd dem Seckel wehe thut.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. (Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
nit wais ich wie ichs hab verschuldet, | mein seckhl ist mir worden lehr.
Spanier, Murner. Schelmenz.
23, 10
(
Frankf.
1512
):
Das sindt myr freylich nasse knaben, | Die fill verzeren vnd wenig haben, | [...] | Und kynnendt myr den seckel schütlen.
Köbler, Ref. Nürnberg
123, 7
(
Nürnb.
1484
):
ein pfendter oder ein andere person Ratshalben darzu geordent von gemeines fiscus oder seckels wegen.
Sachs (
Nürnb.
1524
):
Unnd precht ainer ewerm seckeldario v gulden für ain opfer und felet umb ayn ort, er nem das gelt nit.
Franck, Decl.
336, 4
(
Nürnb.
1531
):
begert sie [huͦre] doch taͤglich von jrem buͦlen oder liebhaber ein silberinne steur / vnd beuttelt den seckel.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
7, 30
(
els.
,
1362
):
eine guͦte consciencie eder gewissene ist genemer denne ein seckel vol pfenninge.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
als balde als einem menschen in kumet ein hoch muͦt, ein beheglicheit sin selbes und ein vermessenheit oder eigen willikeit, so zehant ist der vigent do und snit im sine sekel ab, den richen sekel aller siner guͦter werke.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
und soltent haben der apposteln leben, einen gemeinen seckel, einen gemeinen kochehafen, einen gemeinen tisch.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 11, 7
(
Hagenau
1534
):
Von disen allen fullet man die kuchen / keller / boden / haus und hofe / und den seckel.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
Also gat es, alsbald Gelt und Guͦt geseckelt ist, so kumpt es kum wider heruß.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
Straßb.
um 1545
):
er hat freilich die geltsucht im seckel gehabt, darumb haben ihn des bischofs seckelfeger cristieren muͤßen, und also das pausen im seckel vertriben.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
ich will lieber bey einem Strassenräuber oder bey einem Seckelschneider dienen, als bey einem Commissarius.
Lauterbach, Orhein. Rev. (
nalem.
,
v. 1509
):
Die scriber hand den sekel vnd alles, das dor in gehort, der keisser das nochsehen.
Goedeke, P. Gengenb. (o. O.
1516
):
Der lieby wil ich [Circe] sie geweren, | Vnd inen auch die seckel leren.
Bächtold, N. Manuel. Elsli
257, 14
(
Basel
1530
):
Die werdend inen den seckel dermass schaben, | Dass inen nit vil überblibt.
Rennefahrt, Stadtr. Bern (
halem.
,
1397
):
dz sy [...] ir husgesinde, so ir muͦs und ir brot essent, nuͥt bekuͥnbern soͤllent mit keiner sekkelstuͥr.
Schib, H. Stockar
157, 33
(
halem.
,
1520
/
9
):
und hand ettlich ber(g)knaben gehain, dye in geholfen und geratten hand, das sy destar minder gelt im syeckal behaltand.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1594
):
das sy selbs eignen wyn in iren kelleren [...] ynleggen laßen söllendt, by 20 ℔ ₰ unabläßiger buͦß zuͦ handen der statt seckel.
Ders., Recht Laupen (
halem.
,
1664
):
das gält, so davon fallt, nit zesecklen, noch zebehalten, sonder das angentz in den stock zethuͦn.
Maaler (
Zürich
1561
):
Seckelabschneyder / Seckeldieb. [...]. Seckelgürtel / Darein man gaͤlt legt.
Sappler, H. Kaufringer
25, 159
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
der geitig ist zuo aller stunt | durstig ser in seinem muot, | wie er müg gewinnen guot | und gefüllen den seckel sein.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
die ander waren mertails ergriffen, sein irer missethat halben mit der gefengnus gestraft, und deren ehr und vermögen noch an seckel gehenkt worden
(sinngemäß: ›ihr Vermögen wurde von der Stadt eingezogen‹).
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1520
):
[Ein Mitglied des Stadtrats]
hett der stat und dem gemeinen seckl straff⸗ und pueßgelt abtragen und vil böß hendl triben.
Ebd. (zu
1548
):
etlich waren schwanger, etlich kranck und faul, wolten sich auf den seckel verlassen.
Ebd. (zu
1550
):
da haben die Spänier den großen herrn des königs Ferdinandi seckel und gelt gestolen.
Ebd. (
1563
/
4
):
wa die eltern von den kinden seind gestorben [...], da haben die secklherrn die speis geben.
Ebd. (
1544
/
5
):
über das alles mag ain erber rat für ander stött umb das gottloblich werck mit underhaltung der armen billich geprisen und gelobet werden, wölicher seckel und ordnung der armen dermaßen geregiert und versehen wirt.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Der krieg gehet allein vber armer leut seckel.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Adlareich [...] nam derselbigen reichsland und stet maut und zol, rent und fent ein, so in die römischen kaiserlichen seckelkamer gehörten.
Schottenloher, Flugschrr.
57, 29
(
Landshut
1523
):
er forcht villeicht, er [...] muest im den seckl speisen, darumb redt er im nichte guͦts nach.
Mieder, a. a. O.
528, 27
;
Alberus, Barf. ;
Knape, Messerschmidt. Bris.
22, 114
;
Karsten, Md. Paraphr. Hiob ;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
72r, 5
;
Ukena, Luz. Sp.
1202
;
v. Birken. Erzh. Österreich ;
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. ; ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 165
.
Vgl. ferner s. v. 1.