sächer,
der
;
-s/-Ø
.
1.
›Gegner, Kontrahent‹; metonymisch: ›Streitpartei‹; überwiegend speziell: ›Person, die eine rechtlich legitime Forderung (gegen jn.) erhebt‹; ›Kläger‹; ›Person, die an einem Rechtsstreit beteiligt ist, einer Prozesspartei angehört‹; ›Person, die eine Rechtsangelegenheit vertritt‹; ›Sachwalter‹; ›Antragsteller‹; vgl. 1; 2; (
die
) 3.
Wobd.; überwiegend Rechtstexte.
Phraseme:
der rechte sächer
›Anführer einer Streitpartei‹.
Syntagmen:
den s. ansprechen / töten / verhören, zu tode schlagen, um frieden anschreien, einen s. haben
;
sich gegen jm. s. machen, jn. für einen s. achten
;
der s
. (Subj.)
etw. leisten, antwort geben, tröstung brechen, etw. kuntlich machen, die ordnung, das gesez halten, vor gericht erscheinen, die sächer
(Subj.)
(miteinander) eins / uneins werden, teidingen
, [wohin]
kommen, jn. beteidigen / rechtfertigen, etw. sagen / versprechen, freundschaft haben, die sache ansehen, um etw. bitten, den frieden abtrinken, einander trösten
;
j. s. sein, ein s. in einer sache sein
;
j. sich als ein s. in eine sache begeben
;
der schuldner
(Subj.)
dem s. etw. entgelten, mit busse ablegen, j. dem s. kundschaft tragen, frieden bieten
;
j. sich gegen dem s. seines leibs und lebens erweren, gut von den sächern nemen, der amptman zwischen jm. und dem s. ein teiding machen, die geschichten
(Subj.)
sich zwischen den sächern begeben / verlaufen
;
der s. der rechte
;
der ungehorsame s
.,
die beiden s
.;
die bitte des sächers, der helfer / wille der s
.

Belegblock:

Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
Also sol ein Richter [...] die Sach ansehen und nit die Saͤcher.
Geier, Stadtr. Überl. (
nalem.
,
um 1400
):
wenn daz ist, das ainer umb ain schuld mit recht erlangt wirt, und daͦrnach ain amman [...] zwúschen demselben und dem saͤcher ain taͤding machet [...].
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1512
):
alls die rechten secher [...] warend ab dem schlos Kregen kumen, do suͦchten sy ander hilff an andern ortten.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
zuͦ hofe do inne etewen zwegen ein pfruͦnde geluhen wurt, die verkriegen nuͦ ir vetterlich erbe oder einer sleht sinen secher zuͦ tode.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1404
):
denne sol der schuldner dem secher und
[=
ent-
]
gelten die trugenheit mit druͥn phunden buͦssen.
Ebd. (
1521
):
Ob ouch einer frid verzycht und sich unghorsam macht, den soll man von stund an in gfaͤngknuͥs naͤmen [...], und soll das ablegen der herschafft und dem saͤcher mit zwiffalter buͦss.
UB Zug
701, 7, 2
(
halem.
,
1427
):
Und sol ouch nieman reden umb eigen und umb erb, won der des gotzhuß eigen ist, es sy denn der secher beyder will.
Kläui, Urk. Kaiserstuhl
70, 49
(
halem.
,
1446
):
sy hofften und getruͥwten nit, das der voͤgt, schulthais und die raͤt zuͦ Kaiserstuͦl umb soͤlichs ichtzit sagen soͤlten, denn si waͤrend seͣcher und hetten si bißhar allweg von des hailigen wegen gerechtvertiget und betaͤdingt.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1467
):
man sol die secher in eim grumen zit heissen versprechen, die sach in der stuben laͧssen beliben.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1539
):
der soll [...] vor gricht erschinen, rechts begeren vnnd, will der secher antwurt geben, clagen.
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1615
):
Wann die zwen saͤcher, so einanderen getroͤstet, nach der trostung uneins werdend.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1503
):
so sich nun hinfüro zwischen unsern bürgern [...] aufrürn begeben, so soll ain iede unpartheische person [...] den oder die sacher umb frid anzuschreien und den zu geben zu begern.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
also soll der frid bestan [...] zwischen unsers herrn des kaisers, hertzog Ludwigs von Bairn, als zwischen der rechten sacher, und zwischen aller ir baider helfer.
Ebd. (zu
1552
):
dieselben alten disfalls vergangnen handlungen und sachen, so mit den sachern und personen, zwischen welchen sich dieselben geschichten verlaufen und begeben, begraben ligen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
seie er idoch der sach nichts verwandt, derhalben er sich darein als sächer nit begeben werde.
Müller, Stadtr. Ravensb.
297, 22
(
oschwäb.
,
1548
):
und sollen [...] der burgermaister sein aiges und der stattaman seins ampts insigel von des sachers pitt [...] an den leibgeding brief hengkhen.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen ;
Boos, UB Aarau ;
Boner, Urk. Brugg
59, 8
;
Rennefahrt, Statut. Saanen ;
ders., Zivilr. Bern ;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 155, 22
;
159, 2
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vorarlb. Wb.
2, 808
.
Vgl. ferner s. v. 3.
2.
›Verursacher eines aus Sicht des Sprechers negativ bewerteten Zustandes bzw. einer solchen Tat‹; ›Veranlasser, Anstifter‹; ›Täter, Schuldiger‹; vgl. 1; (
die
) 2.
Wobd. / oobd.
Bedeutungsverwandte:
, .
Wortbildungen:
sächerin
(dazu bdv.: vgl. , ).

Belegblock:

Rennefahrt, Stadtr. Bern (
halem.
,
1384
):
da sol der kleger von dem secher recht vordern und nemen.
UB Zug
711, 6
(
halem.
,
1428
):
so ist Goͤtschÿ Widmer ouch fúr einen mitschuldner und secher des selben todschlags [...] verruͤft.
sy haltend üch für secher, uß ursach, das üwer amptlüt sprechend, es bescheche alles durch üwere hend.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Schreib hieruf dem herzogen, fuͤr schadens abtrag hundert kronen dem bischof ze geben, und die saͤcher gestraft zuͦ Lustere abstellen.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
die kriegßlŭt, so by Rengnold wăren, thetten wie sy, also daz in kurtzer zit der mererteil der sächern ertödt wurden.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1564
/
1630
):
wo ain schaider von dem secher im schaiden verwundt wirt, so sol der sächer zwyfache buoß verfallen sin.
Adomatis u. a., J. Murer. Hest. vor
809
(o. O.
1567
):
sy [Hester] aber [...] zeigt an Haman den saͤcher / welcher an den galgen / den er Mardocheo gemachet hatt / gehenckt ward.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Merck wie Parmeno diser sachen nit ain secher sein will. sunder ain knecht.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
ich sag euch, das ir warlich die sacherin seit, durch die ich her zu land komen pin.
Jörg, Salat. Reformationschr.
628, 5
;