stümpler,
stümper,
der
;
–/-Ø
;
erstere Form etwas häufiger belegt; im
Dwb
(10, 4, 420 und 482) Ansatz zweier Stichwörter mit semantischen Nuancierungen.
›Person, die den beruflichen Qualitätsansprüchen, ideologischen (speziell: den konfessionellen) und charakterlichen Wertungen eines Urteilenden nicht entspricht und deshalb der Abwertung unter den jeweils argumentationsrelevanten Aspekten unterzogen wird‹; im Einzelnen: ›Pfuscher‹; ›aufgeblasener, dummer Schwätzer‹; ›Verleumder‹; ›Betrüger, Gauner‹.
Phraseme:
die stümpler oben aus sein
›das große Wort führen‹.
Syntagmen:
das handwerk stümpler haben, stümpler nicht gestatten
;
vor den stümpern nicht sicher bleiben, der stümpler des handwerks, der sprache
;
der rechte stümpler
;
ich / du stümp(l)er
;
die arzenei der stümpler
.
Wortbildungen:
stümmern
I ›stümperhaft dichten‹ (ironisch von Homer gesagt),
stümpeldeutsch
›verderbtes Deutsch‹,
stümpelei
,
stümplerei
,
stümpelkrämer
(dazu bdv.: ),
stümpeln
2 ›ungebildet tätig sein, herumpfuschen, dumm reden‹ (phonästhetische Spielerei; dazu bdv.: 2, ),
stümpelwerk
›Pfuscharbeit‹ (phonästhetische Spielerei; dazu bdv.: ),
stümpelwirt
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
371, 14
(
Lübeck
1639
):
Ein jeder Handwerck vnd handel hat seine Stuͤmpler vnd Stoͤrer.
Luther, WA (
1532
):
Du must aber die spruche und lere von wercken nicht so ansehen, das du den glawben davon sonderst, wie sie unser blinden lerer stuͤmpeln, sondern altzeit jnn den glauben zihen.
Ebd. (
1544
):
werden so viel humpler, stumpler, das sie sich nit haben wollen zihen lassen, oben aus und nicht unterthan sein.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Der gut Homerus auch wol stuͤmmert, | Vnd der sich auff das hoͤchst befleißt, | Offt selb in seine weißheit schmeißt.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth (
Frankf.
1602
):
Du stümpler, du hettest müßen ein bettler sein, wenn ich [ein reich weib] dich nicht genommen hett.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
181, 40
(
schles.
,
um 1450
):
Do habe ich stompper gedocht: Reÿtestu nicht, so dy dÿner, dÿ worde hynndene noch sprechin: „Irsame hern, was sal ewch der dÿner?“
Gille u. a., M. Beheim
115, 30
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
da ruffet dy ganss: ‚gag gug gag! | ai, daz perüret ach mein klag. | wann ich vor salchen stümpern | Auch nümer sicher pleiben kan.
| [...]‘. Fastnachtsp. (
nürnb.
,
v. 1486
):
Du federklauber, orenkrauer, blodrer und todrer, | Du stumpler, petler, schwadrer, rodrer.
Sachs (
Nürnb.
1540
):
Das sind die handwercks-leut. | Den zwecht man ab ir stümpelwerck, | Ir loß arbeyt und hümpelwerck.
Ebd. (
1557
):
Vil hauffen-wercks dw aushin suedelst, | Auf das geringst, stüempelst und wuedelst, | Darmit petreugst die leut an laügen.
Schorer, Sprachposaun
79, 12
(o. O.
1648
):
damit sie [Sprach] rein vnd lauter auff vnsere Nachkommene kommen moͤge / vnd sie nicht uͤber vns dermaleinest klagen / vnd vns vor Verderber vnd Suͤmpler der einen Teutschen Sprach außschreyen.
Ders., Sprach-Verd.
24, 22
(
1643
):
Wann wir vns nun recht darinnen vmbsehen / so finden wir auch eine grosse stimpeley der teutschen Sprach.
Sudhoff, Paracelsus (
1525
/
6
):
ist mer nutz in dem capitel, dan in der ganzen Galenischen, Avicennischen und andrer stümpler wuntarznai.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
16. Jh.
):
befohlen, den bisherigen
stümpelwirt
abzustellen (Regestbeleg).
Rennefahrt, Recht Laupen (
halem.
,
1600
):
was großer unordnung, mißhaͤll und unglychheit sich under inen von wegen etlicher stümpleren zimmerhandwerchs, [...] zuͦtrage.
Ders., Wirtsch. Bern (
halem.
,
1625
):
Es söllend ouch keine [...] stümpler und die das hantwerck nit gelernet, gestattet - - - werden.
Ders., Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1628
):
Die froͤmbden und heimschen hutten und kraͤtzen trager und ander unnütz stümpelkraͤmer gsind soͤllend durch unsere amptlüt allerdings abgeschaffet [...] werden.
Schade, Sat. u. Pasqu. (wohl
schwäb.
um 1525
):
si halten aber mer auf ir stimplerei, auf ire aigne aufsetzung und menschlich gebot.
Fischer, Folz. Reimp.
24, 92
(
schwäb.
,
1524
/
6
):
Ich sorg, das ir noch mancher sey, | Der ain andern haist ain himpler, | Der selbig ist ain rehter stympler.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Wie ich das ainfältigklich mit grober stumpel teutsch zusamen in ain summ gesetzt hab.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 124, 8
;
453, 39
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .