stössig,
Adj.
1.
›stoßend (mit den Hörnern, von Tieren gesagt)‹, mit Öffnung zu: ›geil, wild‹; hier als Ütr. anschließbar: ›gewitterhaft‹ (vom Wetter);
vgl. 1.
Bedeutungsverwandte:
1
(Adj.) 3, .
Gegensätze:
.

Belegblock:

Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Ob ein gehoͤrnether ochs oder ein stoͤssiger angreifft
[
Luther
1545, 2. Mose 21, 28:
stösset
;
Eck
1537:
mit dem horn schlecht
]
ein man. oder ein weip.
Maaler (
Zürich
1561
):
Jn einem Gespan / oder stoͤssig sein. Versari in controuersia.
Spänig vnd stoͤssig sein.
Stoͤssig / Geil. Petulcus.
Zame rinder / Nit stoͤssig / Mit denen guͦt ist vm̃ zegon.
Ein (stoͤssiger) bock [...]. Ein (stoͤssiger) Ochs.
2.
›umstritten, strittig (von Gütern o. Ä.); anfechtbar, appellabel (von Urteilen)‹;
vgl. 12; 13; 14; 15.
Wobd. / oobd.; Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
3.

Belegblock:

Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1331
):
daz in diu pfant, diu stoͤzzig sint, ine werdent gar und gaͤnzlich.
Argovia (
halem.
,
v. 1415
):
Die vrteilen, die in diesem gedinghof stössig werdent [...], die zücht man in die geding ze Mure.
UB Zug
750, 26, 2
(
halem.
,
1431
):
wer, das urteilen hie stoßig wurden in disem hof, die sol man ziehen gen Stampfibach Zúrich.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1377
):
daz selb [erb] sol man bringen für yndern und für auzzern rat, ob ez yndert stozzick wurd.
3.
›uneins, im Streit liegend, verstritten‹ (von Personen); in der Regel auf rechtliche, soziale, wirtschaftliche Verhältnisse bezogen und dementsprechend verbal ausgetragen, vereinzelt auf Schlägereien bezogen; auch: ›unwirsch, aufmüpfig‹; auch: ›widerborstig, stößig‹ (von Zugtieren);
vgl. 14.
Gehäuft obd.
Bedeutungsverwandte:
5, 2, , ; vgl. , .
Syntagmen:
mit jm. s. sein / werden, miteinander / untereinander / gegeneinander s. sein / werden, j. und j. s. sein / werden, an der urteil s. werden, eine stat mit der anderen stat s. werden, jn. s. machen
.

Belegblock:

Altmann, Wind. Denkw. (
wmd.
,
um 1440
):
do worden dez pfalzgrofen knaben herzog Ludwigs von Heidelberg mit dez konigez knaben stossig in der trenk und slügent do an einander.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Nu lit aber ein verborgne stoss hier inne, der mengen menschen stoͤssig machet.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1403
):
wurden aber die vier [man] stoͤssig, glich zwein gegen zwein, so sol der kleger ein gemeinen nemen, ob [...].
Ebd. (
1451
):
wurden die von Sanen in künftigen ziten dheinest irrig oder stößig mit den von Wallas umb dhein sach, daß [...].
Mollwo, Rotes Buch Ulm (
schwäb.
,
1382
):
das alle unser richter daruf wissen ze ertailen und an der urtail nit stoͤssig werden.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
93, 26
(
moobd.
,
1443
):
artikell des geberbs weins und getraids, darumb der obgenant abt und die stet stossig sind.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1520
):
Ob ain inmann und ain wiert mit einander stossig wuerden umb verstolen guet.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
84, 22
;
Wickram
4, 36, 26
;
Bernoulli, Basler Chron. ; ;
Thiel, Urk. Weltenb.
174, 33
;
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 123, 19
;
294, 34
;
Uhlirz, Qu. Wien ;
Winter, a. a. O. ;
Vgl. ferner s. v. 5, 2.