strälen,
V.;
zur etymologischen bzw. morphologischen Herleitung s.
stral
.
1.
›sich kämmen; sich / jm. die Haare glattstreichen, richten, ordnen, zurechtlegen, pflegen; (den Kopf) herausputzen‹; mit Tendenz zu: ›jn. streicheln‹; in 1 Beleg: ›sich putzen‹ (von Tieren); das
strälen
steht zeichenhaft für Sauberkeit, Hygiene, Pflege des Körpers, darunter der äußeren Erscheinung.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, 2, 1, , 1, 2,
1
1; 2,
1
1, 3, ,
2
1, 1, , , , .
Syntagmen:
j. s
. (absolut);
j. ˹ir / sich˺ s
. (refl.),
jn. / jm. s., das har / haupt s., jm. s., jm. das har, den zopf s., dem pferd den hals s., die tauben ire federn mit dem schnabel s
.; subst.:
sich mit strälen reinen
; ütr.:
gesträlte worte
.
Wortbildungen:
strälmagd
›Beschäftigte im Bad, zuständig für die Ordnung und Pflege des Haares‹ (von Frauen; a. 1351/83),
strälweise
›ineinander geflochten‹ (wie zwei Kämme).

Belegblock:

Oorschot, Spee. Trvtz-N.
257, 3
(
wmd.
,
1634
):
schaw die schöne Sonn sich strolet, | Krauset ihre gülden Haar.
Dedekind/Scheidt. Grob.
95, 29
(
Worms
1551
):
Das har straͤl nit / huͤt dich bey leib / | Har auff zupflantzen zimpt eim weib.
Strauss, A. v. Villanova dt.
151r, 29
(
obd.
, Hs.
1421
):
Auch in ander wege wye man sich ruster vnd strele vnd waschen.
Sachs (
Nürnb.
1558
):
Man muß im [dem Menschen] zwagn und streln sein haubt, | Straffen, ziehen, trencken und speißn, | Muß in all ding lehren und weißn.
Ebd. (
1549
):
Thut euch ein weil zöpffen und strelen | Und butzt euch fein auff das hingeben.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
die Frau het auch freilich iren Man in den 30 Jaren nie das Har gestrelt, so het er sie nie gesegnet, wan er uͤber Felt gieng.
Menge, Laufenb. Reg.
3102
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
So soltu dich reinen | [...] | Mit strälen weͣschen schone | Mit stuͦlgang besunder | So wirt nature munder.
Fuchs, Murner. Geuchmat
3551
(
Basel
1519
):
Vnd truͦg ir dann den spiegel vor | Vnd strelt ir das golt farb hor.
Plant u. a., Main. Naturl.
297ra, 11
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
[sol man] die arme gelich dennē vn̄ dc hoͮbit strelē vn̄ ogen den munt vn̄ die zene vn̄ hende weschen dur svverheit.
Maaler (
Zürich
1561
):
Am morgen fruͤ Straͤlen. Pectere capillos matutinus. Das haar Straͤlen oder richten. [...]. Straͤlweyß in einanderen geflochten / Zesamen geschlagen wie zween straͤl in einanderen gesteckt.
Morrall, Mandev. Reiseb.
16, 20
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
da sach er ain schoͤn junckfrowen ston vor ainem spiegel, die strault daz har.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. (
schwäb.
,
1553
):
und was sein har ein lutter filtz. Er sagtt auch, er hette im in XI jaren nie kein mall gestreltt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
die tauben habent grôzen vleiz, wie si ir federn geslihten und gezieren und mit irm snabel stræln.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
25, 1
(
Venedig
1483
):
Was sich dann auf reinigkeit des leibs zewhet das ist auch nicht todsuͤnde Als das haͤr strelen vnd die negel besneiden.
Oorschot, a. a. O.
254, 13
;
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
5801
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 124
.
2.
›jn. hart hernehmen, quälen, peinigen‹; je nach Situation (Diebstahl, Hölle, Türke) mit den diesen zugeschriebenen Qualen assoziiert; auch ironisierend, dann: ›jn. bestehlen‹; ›jn. blenden, täuschen, hinters Licht führen‹; die einzelnen Nuancen lassen sich assoziativ (nicht notwendigerweise; s. ) von der groben Behandlung mit einem
stral
1 herleiten.
Obd.
Phraseme
(jm.) den beutel / säckel strälen
›(jn.) ausnehmen, (jm.) gleichsam den Beutel leeren‹.
Bedeutungsverwandte:
, .
Syntagmen:
j. jm. wol s., j. jm. das gefieder s., j
. (z. B.
der richter / türcke
)
jm. s., j. jn. mit der hechel s., der strasräuber jm. den geldsäckel strälen, der teufel jm. die augen mit kamillenblumen s
.; mit sachlichem Subj.:
die rute jm. s
.

Belegblock:

Sachs (
Nürnb.
1528
):
Es wird int leng nit feln, | Sie werden an einander streln | Und wird ein grosses schlahen drauß.
Ebd. (
1548
):
Wirst du der rechten warheit fäln, | So muß dir der nachrichter sträln.
Ebd. (
1553
):
Des wil ich per deum nit feln, | Ich wil im seinen beutel streln! | Sagst du mir nit, er sey fast reich?
Ebd. (
1563
):
Der richter straff und wandel numb, | Der procurator das schreibgelt. | So wurd in beyden wol gestrelt | Ob irem gar spöttlichen zanck.
Ebd. (
1550
):
Schrammfritz, gerett uns dise beut, | Wir wölln deß kauffmans beutel streln.
Ebd. (
1557
):
Het er denn kleinot oder gelt | Bey im, dem wurd denn auch gestrelt.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
Nun beicht dir der Diebhencker | Woltestu mir mit der Hechlen also strelen?
Bächtold, N. Manuel. Papst
96, 1770
(
Zürich
1525
):
Gott geb, wie inen der Türk sträl oder nisse, | Wie er die christen brate oder spisse.
Maaler (
Zürich
1561
):
Einem wol Straͤlen vnd bey dem haar ziehen.
Einem vor gericht Zwahen oder straͤlen vñ seine laster haͤrfuͤr ziehen / Einem den kopf vor dem richter wol erwäschen.
Wyss, Luz. Ostersp.
10099
(
Luzern
1545
):
denen wend wir zwan vnnd strälen | ir leügli mit Camillen Bluͤmen.
Gille u. a., M. Beheim
55, 20
;