sanftmütigkeit,
sänftmütigkeit,
senftmütigkeit,
die
;-Ø/–.
1.
›Sanftmut, Freundlichkeit, Demut, Güte‹ (als innerster Wesenszug des Menschen, den er in christlicher Demut anzustreben und zu erlernen aufgefordert ist in der Nachfolge Jesu); in 1 Beleg auch Löwen zugesprochen, die Jesus erkennen; zu 1, (der
) 1.Häufig Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
j. s. erbitten / lernen
; die s
. (Subj.) gut / gros / nütze, eine tugend, eine ruhe von begerungen, einer blume / lilie gleich, aus got geboren sein, die s. nicht fluchen / lästern / richten / schaden, nichts übles gedenken / nachreden, die s
. (Subj.) in jm. ausleuchten, sich erzeigen, sich in jm. meren, das erdreich besitzen, den menschen empfänglich / geschikt machen, aus dem grund der seligkeit ausgehen
; j. sich der s
. (Gen.obj.) fleissen
; j. e. P
. (Gen.obj.) aus s. beiten, in s. schaf sein, grimmigkeit in s. keren, Christus in s. nachfolgen, Christus
(Subj.) jn. zu s. vermanen, die streitbaren herzen
(Subj.) sich zu s. keren
; die rechte / stille s
.; der geist, heilige geist, die kunst, das bild / ebenbild der s
.Belegblock:
Die ander senfftmutickeit ist grundlich gut, wilch sich ertzeygt gegen die widersacher unnd feynd, den selben nichts schadet, nit sich richet, nit flucht, nit lestert, nichts ubels nachredet, nichtes ubels widder sie gedenckt.
senftmudikeit, daz ist daz ein mensche sich also zu den ludin halde daz niman fon ume betrubit werde.
Ebd.
72, 23
: senftmudikeit ist ein ruwe von vihelichen begerungen noch Godis willin.
enurteilent nieman wan úch selber [...] nút das man [...] swere wort noch gelas noch unmúgende den nehsten verkleinet [...], sunder als uz minne und senftmuͤtekeit, und daz der mensche blibe bi ime selber in demuͤtekeit und in armuͤte sines geistes.
Kinder, kerent es war ir wellent: ir muͤssent schof sin in worer senftmuͤtikeit, in stillikeit und aller gelossenheit, lidelicheit, das du habest ein under geworffen gemuͤte under Got.
Das sol vor allen dingen der mensche leren das nieman den andern ensol úberkomen mit einer hertheit oder bitterkeit, sunder minsamlichen in dem geiste der senftmuͤtikeit.
Also sol man leren die ungelert sint, nach S. Paulus wort, mit dem bilde der senftmuͤtikeit.
ain ietlicher gott mynender mensch [...] nit erschreck, ob im die gnadenrich hoch aller wirdigest kunst der demuͤtigkait, der senftmuͤtigkait, der gedult und aller göttlicher tuͤgend nit bald zu handen gat.
Das aber die senftmútikeit
[
ein goͤtlich lebenDietenberger
1534 / Eck
1537: ;
GottseligkeitFroschauer
1531 / Luther
1545, 1. Tim. 4, 8: ]
ist nútz zuͦ allen dingen: habent die geheyssung des lebens.
das do nu ist vnd des kúnftigen. Nu gant sumlich den witen weg, und ist aber der maiste tail die sich huͤtent vor toͤtlichen súnden und sich doch in gaischlich leben niemer geben went. [...]. si huͤtent sich vor toͤtlichem zorne, si flissent sich aber nit rehter senftmuͤtkait.
Ze dem andren sölint wir Christo nachfolgen in senftmütikait.
Ebd.
17, 46
: Under allen andren tugentden, so ist kaine, zuͦ der úns Christus also flisklich vermane, daz wir sú von im lerint, als senftmütikait und demütikait, [...], so habent doch die zwo sunderlich in im usgelúcht für all ander tugenden.
Ebd.
52
: Won die senftmütikait ist gelich ainem pluͦmen oder edlen lylya.
Do bettetont sú
[die Löwen]
mich [Jesus]
allú an | Und kertent insenftmuͦtekait | Ir naturlich grimekait. die streitpern herzen, so nur auf den krieg gedacht haben, kern sich zum christlichen frid, güetikait, senftmüetikait.
2.
›Milde, Güte, Barmherzigkeit‹ (als Eigenschaft Gottes, mit der er sich dem Menschen zuneigt); auch: ›Nachgiebigkeit, Anteilnahme‹ (als Haltung des Herrschers gegenüber seinen Untergebenen, des Lehrers zu seinen Schülern); dazu metonymisch: ›Zugewandtheit, Freundlichkeit, Nachsichtigkeit‹ (von der Qualität der freundlich unterweisenden Rede gesagt); zu 2, (der
) 1.Belegblock:
ERynnere sie [die elltisten], das sie den furstenthumen und geweltigen unterthan seyn, der uberkeyt gehorchenn [...], gelinde seyen, alle sanfftmuͤtickeyt beweyßen, gegen alle menschen.
yhr habt aus dem heutigen Euangelien drey stucke gehort [...], das erste, das uns das Euangelien furhelt die sanfftmutigkeit und gnade unsers konigs und herrns Jesu Christi.
Dusser lantgraf lodewig, der hiss der milde adir gut willige, dar umb, her was [...] fol senff mutigkeyt, gutlich unnd milde kein armen luthen.
Herr, din antlút ist so vol gnaden, din mund so vol der lebenden worten, aller din wandel ist so gar ein luter spiegel aller zuht und senftmuͤtkeit!
sant Lucas [hette] dise vier antlit [...] in sinem lebende: eines menschen antlit gegen allen menschen die er mit fúrnunft lerte, mit senftmuͤtikeit stroffete, mit miltekeit zuͦ helfe kam.
In sollicher subjection war er [graf Froben Christof] zehen jar lang und darob, in welcher zeit er auch maniche wunderbarliche und nachtailige pratica hat abgewendt, mer mit senftmüetigkait und nachgeben, dann mit ainichem drutz oder rewhe.
mein gnädigster herre der kaiser, von besondrer hofnunge ewrer tugentloblichen milten senftmütikait.
Die senffttmuͤtikeit der red sol dem herschenden vñ dẽ diener gemein sein.
3.
›Schöntuerei, Scheinfreundlichkeit, vorgetäuschte Liebenswürdigkeit‹ (in negativer Konnotation zur Benennung einer oberflächlichen, eigennützigen Freundschaft und Zugewandtheit des Menschen an den Mitmenschen); auch metonymisch: ›Schmeichelei, Heuchelei‹ (bezogen auf eine Sprechhandlung, die eine solche Haltung zum Ausdruck bringt); vgl. 6, (der
) 1.Belegblock:
Wilchs gebot hat ein werck, das doch viel begreyfft unnd vil laster vortreybt, unnd heist sanfftmutickeit. Die selb ist nu zweyerley. Die ein gleysset fast hubsch unnd ist nichts dahyndenn [...]. Solche sanfftmutickeit haben auch unvornunfftige thiere [...], heydenn, Judenn, Turckenn, buffen, morder, bosze weyber. Disze allesampt sein [...] nit wenig, durch solch untuchtige senfftmutickeit betrogen.
Viel wissen sich in Worten für den Leuten nicht gering genug zu machen vnd zu demütigen, [...] da sie vnderdessen anderwerts ihre Pfauenfedern gewaltig herfürthun [...]. Solche Sanfftmütigkeit ist der ärgste Stolz und Ehrsüchtigkeit: Es ist heucheley, es ist schmeichelei, Liebkosen, heimliche Boßheit, heimliche Arglist, heimlicher Geitz, heimlicher Neid, heimliche Mißgunst, heimlich weiß nit was.