räudig,
Adj.
›von Räude befallen‹ (von Tieren, überwiegend von Schafen gesagt); ›von juckendem Ausschlag, Ekzemen, Flechte befallen‹ (von Menschen bzw. einzelnen Körperpartien gesagt); mit Bezugsgrößenverschiebung: ›juckend, kratzend‹; generalisierend: ›krank; infiziert; verpestet‹; dies auch ütr. zur abwertenden Beschreibung von Personengruppen und deren Gesinnungen;
zu .
Bedeutungsverwandte:
4, 1, 1; 2, , .
Syntagmen:
j., das schaf r. sein, j. auf dem hals r. sein
;
j. / etw
. (Subj.)
den stal, das haus r. machen, das vieh r. erkennen
;
der räudige gaul / grind / haufe / mensch / sünder, die räudige haut, das räudige pferd / schaf / vieh / volk, die räudigen leute
.

Belegblock:

Luther, WA (
1524
/
7
):
so sol man ein soͤlch Schaf nemen, [...] das da nicht hincket, eineugig, schebicht oder reudig were.
Schoop, Qu. Düren
26, 21
(
rib.
,
1600
):
Keine ruddige schaf sollen hieselbst in Deurener herlichkeit gestattet werden.
J. W. von Cube. Hortus
93, 19
(
Mainz
1485
):
schmieren die rudick hut mit dissem wasser.
Skála, Egerer Urgichtenb.
30, 1
(
nwböhm.
,
1562
):
sein Sohn hab In Zu dieser Duberej bracht, vnd wie ein Reudig schaff, sein haus Reudig gemacht.
Keil, Peter v. Ulm
233
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Domit [schurff-salb] salb den reudigen menschen durch wol.
Sachs (
Nürnb.
1552
):
Juckt und kratzt, samb er reudig wer, | Auch fischt stets nach den leusen er.
Ebd. (
1552
):
Ein reudig schaff | Ein ganzen stal vol reudig macht.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Ach helferinne, hilf und tawe mit deinen genâden auf uns räudig sünder.
daz [pflaster] ist guot den räudigen oder schebigen läuten.
Meisen u. a., J. Eck
47, 17
(
Ingolst.
1526
):
man koͤnd sy [richter] nit zuͦ wegen bringen [...]. Die imm
[Luther]
und seinem losen rüdigen hauffen gefielen.
Ebd.
52, 16
:
kumbst du meer uff bann
[›trittst du häufiger öffentlich auf‹],
ich wil dir dein ruͤdigen grind anders anngreiffen.
Turmair (
moobd.
,
1529
):
dan so kumbt ain grosse anzall volks zusamen, rüzigs und reudigs [...] und ist kem der halb tail geschickt zum kriege.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
251, 35
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst ;
Eis, Gesundheitsl.
168, 19
;
Vgl. ferner s. v. 1, 25.