synagoge,
die
:
-Ø/–
;
über
mhd.
synagôgê
aus
lat.
synagoga
, dies seinerseits aus
griech.
syn-agōgē
›Zusammenkunft‹
; „dies übersetzt das
aram.
Wort
k
e
mis̆tā
›Bethaus“‹
(
Léon-Dufour, Wb. NT,
385
; s. auch: ).
›Synagoge, Tempel als Gebäude religiöser Lehre und Glaubensinhalte der Juden, ihrer Praktizierung und Kulte‹; dazu metonymisch: ›jüdischer Glaube, jüdische Religion‹; ›Synagoge als den jüdischen Kult praktizierende Gemeinde, Judentum‹; in den Belegen erscheint
synagoge
einerseits unter kritischen Aspekten, wie sie aus der christlichen Perspektive vorgegeben sind, teils auch neutral, teils unter analogischen Aspekten in Nähe zur christlichen Kirche, auch als religiöser Ort der Verheißung (s. u.
Luther
); mehrfach uneigentlicher Gebrauch.
Zur Sache:
4
Rgg
7, 1944
–1947.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 2, (
die
) 1, , 1, 5, (
der/die/das
) 1, 1, , .
Syntagmen:
die s. leren, zu einer kapellen weihen, got die s. erhaben / gepreiset haben
;
die s
. (Subj.)
Jesum schmähen, das sanctus benedictus singen, die s. die kirche sein
;
der tempel die s. sein
(hier prädikativ),
die s. verschwinden, jn.
(z. B.
den trügner
; Bezug auf Jesus)
von sünden unrein halten, die s. zu dem ende gescheiden sein
;
der herre der s. drohen,
(mit Bezug auf Maria:)
der s. eine plage sein
;
j. jn. in der s. sehen, aus der s. werfen, Jesus in der s. (jn.) leren, die gleichsner in der s. singen, durch leren in der s. sein, in der s. disputieren / schwören, js.
(z. B.
der gleichsner
)
ton hören, j. wieder die s. predigen
;
die s
. (als)
weib
(
des königs David
);
die s. des teufels, der Juden
;
die grosse / heilige s
.;
der lermeister, der brauch / ton / weg der s
.
Wortbildungen:
synagogmeister
.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
/
2
):
Darumb, was on gottis wort geordnet wirt, das wirt nit von der kirchen, ßondern von der Synagog des teuffels unter dem titel unnd namen der kirchen geordent.
Szo ist nu disse Hanna nichts anders denn die heylige Synagoga, das volck von Israel, des leben und geschicht ynn der Biblien geschrieben ist. [...] Darumb ist Hanna allt unnd [...], Maria ist iung unnd nah bey yhrer gepurtt, darumb das die synagoga tzu Christus tzeytt am ende und die kirche am anfang ware.
die weyll das gantz euangelium geystlych außgelegt wirt. Das ist nu geschen, das got die sinagog tzuͦ Jherusalem tzuͦgrundt und poden gestoͤrt hat und angetzundett, den glauben gantz vorlassen.
Ebd. (
1528
):
Der berg, da Christus auffgehet, das ist die Synagoga, die hat Gott scheinbarlich erhaben und gepreisset mit viel wunderzeichen, Er hat yhr gegeben die verheyssungen, das da von jhr solt komen der Heiland Gottes.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
die sinagoge alle gemeynn | heldet en von sunden gar unreynn!
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
sô saltu nicht mit bosûnen vor dir singen, alse di glîsenêre tuͦn in den synagôgen
[
Dietenberger
1534:
versammlungē
;
Froschauer
1531 /
Eck
1537 /
Luther
1545:
Schulen
]
[...], ûf daz si geêrit werden von den lûten.
Ebd. Mk. :
si gingen in Kapharnaum, und zuͦhant ginc her in an den sunâbinden in di synagôgen und lârte sie.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
Sprechen, das Abraham jude den eid in seiner synagogen in Moyses buch schweren sall.
Gille u. a., M. Beheim
41, 9
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
ir sinagog | was er [Jhesus] durch leren da.
Ebd.
223, 3
:
wie euer
[der
juden
]
sinagog und ee | czu dem end ist gescheiden.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Dw [Maria] harpf Davieczs, | Der sinagog | Ein plog | In aller jüdscheit weit.
Reichert, Gesamtausl. Messe
94, 10
(
Nürnb.
um 1480
):
Die andernn – als die Juden – sprachen und gelaubten, das die synagog wer die kirche.
Dietrich. Summaria
21r, 39
(
Nürnb.
1578
):
Hie beschleust der HERR dise Predig / vnd drowet erstlich der vnglaubigen Synagog / weyl sie Christum vnd sein Euangelium [...] nicht woͤlle annemen.
Lauterbach, Orhein. Rev. (
nalem.
,
v. 1509
):
wie Iesus mit den iuden in der synagogen, das ist in der schuͦl der iuden, disputierdt.
Goldammer, Paracelsus
6, 191, 10
(
1530
):
daß mans
[
-s-
=
kinder
]
zeucht zu aller hoffart und ergibt sie dem lermeister der sinagogen, die nichts anderst aus den kindern ziehen, als allein weltlich abtgotter.
Ebd.
194, 13
:
also werden verschwinden die grßen falschen libereien, die großen sinagogen, die großen stift, kloster.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2094
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Diss zarten kuͤngs werden lip
[Bezug auf
Jhesus
]
| Hat och die sinagog, sin wyp, | Verschmaͤcht und gelichot den buͦben.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1609
):
Was aber die betrifft, welche accusiert sindt, dz sy nit allein in synagogen und versamlungen gesechen worden syen, sonder [...].
Wyss, Luz. Ostersp. vor
6417
(
Luzern
1545
):
So wirfft man im est vnnd cleyder zú eeren in weg. vnnd singt die Sinagog das sanctus, benedictus vnnd agnus dey.
Sappler, H. Kaufringer
2, 50
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
des tempels achtet niemant mer | der was vor in grosser er | von den juden komen dar; | ir sinagog was es fürwar.
Rot
355
(
Augsb.
1571
):
Synagog. Versamblung / gemein schuͦl / Lateinisch Congregatio.
Wackernell, Adt. Passionssp. St. II,
1594
Var. (
tir.
,
v. 1496
):
Die juden spotten Judas, Und der sinagog maister spricht. Archisinagogus.
Feudel, Evangelistar
6, 12
;
11, 7
;
Gille u. a., a. a. O.
223, 50
;
428, 52
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ; ;
Vetter, Pred. Taulers ;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel ;
Adrian, Saelden Hort
5200
;
Goldammer, a. a. O.
6, 191, 15
;
Jaksche, Gundacker ;
Morrall, Mandev. Reiseb.
63, 5
;
Goertz, Liturgie.
1977, 209
.