stutzen,
stützen
(Letzteres sehr vereinzelt),
V.
– Fortsetzung von mhd.
stutzen
›stutzen, zurückschrecken‹ () und mhd.
(under)stützen
(ebd.); Ersteres gilt als Intensivbildung zu
stossen
(
Kluge/S.
2002, 895
), Letzteres als Fortsetzung von ahd.
(ge)studen
, das in unserem
stud
erhalten ist. Die formale Ähnlichkeit beider Verben, ihre - wenn auch teils kühne - semantische Beziehbarkeit aufeinander, darunter ihre assoziative / tropische Vernetzung dienen hier zur Begründung für die Umfangsbemessung des Bedeutungsfeldes.
1.
›etw. (Konkretes durch Anbringung einer Unterlage) stützen, abstützen‹; ›etw. (z. B. eine Leiter) wo anlehnen‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1; 2, 1, .

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Re aliqua niti. Jrgend vff Fussen stehen leynen stewren hefften stuͤtzen.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 98, 5
(
omd.
,
1424
):
tagelon, das schuwer czubessern und czustutczen boben dem czigelove.
Voc. Teut.-Lat.
ff vr
(
Nürnb.
1482
):
Stutzen odʼ vnterstutzen. appodiare.
Maaler (
Zürich
1561
):
Sich an ein baum Stützen oder leinen.
Röhrich u. a., a. a. O.
141, 11
.
2.
›mit den Hörnern einander stoßen‹ (von Tieren); ›verbal, zänkisch aufeinander stoßen; zurückprallen, sich bekämpfen‹ (von konfessionellen Parteien gesagt); ›auf etw. pochen, bestehen‹; ›sich einer Instanz widersetzen‹; ›zurückstürzen‹ (vom Wasser).
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
sich einer lere / secte engegen s., die parteien sich an einander s., böcke mit einander s
., (ein Tier
mit dem kopf
)
auf ein pferd s., j. mit jm. aufeinander s., der flus hinwieder s
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
925, 29
(
Lübeck
1639
):
Wenn zwey Boͤck mit einander stutzen / so ließt der dritt die Woll auff.
Volkmar (
Danzig
1596
):
ich stutze wie die Böcke.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
534, 869
(
Magdeb.
1608
):
der Hornung / | War zu fertig hinweg im sprung / | Vnd stutzt hernach mit aller macht / | Auff das Pferd / das sein Hirnschal kracht.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Wen sie [Heiden] mit Laruen vnd mit Butzen | Wie Narren auff einander stutzen.
Goedeke, Fischart. Schiff
38
(
Straßb.
1576
):
Je meh die flüß laut rauschend trutzen, | Je kräftiger hinwider stutzen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
206, 4
(
halem.
,
1534
/
5
):
So hand sich ouch diser sect / und ufruͤrigen leer widersetzt / und engegen gstüztt die theology zuͦ Parys, Leven / Coͤln.
Ebd.
480, 18
:
und fieng all handlung gantz an entbor schwaͤben / stutztend die partyen zuͦ Haslj sich taͤglich an ein andern / hattend gmeynden und versammlungen.
3.
›sich aufputzen, sich über das Notwendige hinaus ausstaffieren, aufplustern‹; hier anschließbar: ›widerständig auftrumpfen‹.
Bedeutungsverwandte:
1
2; vgl. 1, , (V., unr. abl.) 1.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1632
):
[in dem Maien] da die stolze Welt sich putzt | und in jungem Schmucke stutzt?
Jörg, Salat. Reformationschr.
362, 14
(
halem.
,
1534
/
5
):
Darum nun by vil und mengerley anrytens / ufruͦrigen handlens / stützens / troͤwens und ungeschickts fürnemens [...] kilchen stürmen / und blündern / uncristlicher dingen fürnemens / und uͤbens kamend aber die botten zamen zuͦ Lucern.
4.
›auf etwas Vorangegangenes hin stutzen, stutzig werden, zögern; von etw. zurückschrecken‹; speziell vom Turnierpferd: ›parieren, anhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , 1.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
169, 3871
(
Magdeb.
1608
):
da ich stutzt / vnd nichts drauff sagt / | Zweiffelt ob ichs lies / oder wagt / | Schanckten sie mir selbst gar vmbsunst / | Zum anfang drithalb Kuchs auß gunst.
Ebd.
217, 5319
:
Das ich [Pferd] lernt traben / wenden / stutzen / | Springen / lauffen / die feinde trutzen.
Fischer, Folz. Reimp.
11, 57
(
Nürnb.
um 1488
):
Sülchs der paur nümer kunt vertoln, | Stuczt hinter sich zu einer want.
5.
›etw. zurückschneiden‹ (z. B. die Fingernägel); ›etw. stutzen‹ (z. B. den Bart).
Bedeutungsverwandte:
1; 3, 1.
Wortbildungen:
stützer
(wohl ›Wanderhandwerker‹ nicht bestimmbarer Art, vielleicht ›Kerzenmacher‹; Zuordnung fraglich).

Belegblock:

Burkhardt, UB Arnstadt (
thür.
,
1487
):
und ab eynn froͤmder stueczer here zcoͤge und buͤrger wuerde, der suelde auch thu, als ein ander newe meister zcu den kerzen und wes dem hantwerge nott ist.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Mundt, Augen, Naß vnd Ohren butz, | Die Naͤgel an den Fingern stutz, | Jnwendig wasch die Seel darzu.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Bart stutzen / kleider kuͤrtzen / thet die Ammoniter ins verderben stuͤrtzen.
6.
›eine Bewegung unterschiedlicher Art ausüben, seinem Handeln eine Richtung geben‹; im Einzelnen: ›feindlich wohin vordringen; sich schnell wohin, auf jn. zu bewegen‹; ›(die Augen) zum Himmel richten‹; ›wo herumziehen‹ (von fahrenden Kleinhändlern, Bettelmönchen).
Bedeutungsverwandte
(zu Letzterem): 1.
Wortbildungen:
stützeln
,
stutzenierer
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
237, 5945
(
Magdeb.
1608
):
Das Stalwechter sich macht herbey / | Mit einem seiner Burß gesellen / | Kenten die Jäger an den fellen. | Vnd stutzten tapffer zu jhn forth.
Ebd.
646, 4376
:
Padran vnd seine Hoffeleut / | Stutzten fort in das Feld gar weit.
Ebd.
655, 4666
:
die Spannische Schuͤtzen / | All zu Friedliebn hinderhalt stuͤtzen / | Vnd jhre station da nemen.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
Straßb.
um 1545
):
schlagen inen aber den hof ab und laßen inen
[den
gleisnern und schmeichlern
]
verbieten, im ganzen bistumb zuͦ stutzlen und terminieren.
es kommen auch die mentiris, die stutzenierer zuͦm vicario, kaufen von ihm ein admiss, [...]. da wirt ihnen zuͦgelaßen, daß sie mögen im ganzen bistumb frei die bauren bescheißen.
Wyss, Luz. Ostersp. nach
6742
(
Luzern
1545
):
maria kert sich ein wenig nebent sich, stutzt ir ougen cläglich in himell vnd ret.