strosak,
der
;
strosackes/strosäcke
, auch
strosäk
.
›mit Stroh gefüllter, sackähnlicher, als Schlafunterlage dienender Tuchbehälter‹; er erscheint in den Belegen teils neutral, vielfach als Zeichen sozialer Armut, dann mit Abwertung, teils auch als Zeichen religiöser Erhöhung im Zusammenhang mit dem klösterlichen Armutsgelübde und asketischer Lebenshaltung sowie der Demutstheologie;
zu 1.
Phraseme:
hui strosak
(als Interjektion gebraucht im Sinne von ›verdammter Stohsack‹);
jm. den strosak für die tür werfen
›jn. rausschmeißen‹;
der strosak liegt für der tür
›j. wird abgewiesen‹;
als durch einen strosak seichen
›leuchten wie ein Dreckeimer‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , , , .
Syntagmen:
einen s. haben / verbrennen, jm. den s. geben / abnemen
;
j. des strosackes denken
;
auf einem s. liegen / schlafen
(dies als Form der Askese),
gemach haben, jn. auf einen s. schütten
›einen Sterbenden bereits vor dem Tode berauben‹;
der s. des geistlichen menschen, in der betlade, mit einem himmel, der s. der sele
;
der geistliche / newe / zerrissene s
.;
das bette mit dem s., zwilch zu einem s
.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1409
):
4 scot vor 2 strosecke den selben zwen.
Luther, WA (
1528
):
wo sie hoͤret, das Gott sey ynn dem odder ynn diesem, denckt sie ymer des strosacks und brodkorbes, Aber der glaube vernympt, das ‚ynn‘ gleich so viel ynn dieser sachen gilt als uber, ausser, unter, durch und widder herdurch und allenthalben.
Palm, Veter Buoch (
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
das sie zwei mit ein andir ir zit kvischlichen heten vertriben, also das maria dennoch maget was vnd ouch eukaristius. Nachtes lagen sie sunder
›getrennt‹
hart vf strosecken.
Fastnachtsp. (
nobd.
,
15. Jh.
):
Ich will dir einen alten pflug geben | [...] | Und einen zurissen strosak, | Darauf so habt ir gut gemach.
[Si] leucht als ain rosenvarbes plut, | Als der saichen durch ainn strosak thut.
Sachs (
Nürnb.
1554
):
wiewol ich gewißlich spür | Den strosack ligen vor der thür, | Iedoch so kan ich sie nicht hassen.
Ebd. (
1653
):
Sie [weib mit reichen gaben] rückt ir gut im stets herfür, | Wirfft im den strosack offt für thür.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Ich wil minen turst mit win und mit wasser wol buͤzen, ich wil ungebunden uf minem strosak schlafen.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
da schuͤt er
[der Dieb an js. Krankenbett]
in
[den
hinziehenden
›Sterbenden‹]
von dem Bet uff ein Strawsack und nam das Bet uff den Rucken und fuͤr damit darvon.
Goedeke, Fischart. Flöh Haz
984
(
Straßb.
1594
):
Pfui dich, kuchin und hünerhaus! | Hui strosack, für all teufel aus! | Ja wol der alten trumpeln nest.
Warnock, Pred. Paulis
12, 3
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Och von ainem gaischlichen strosäkli und ruͦwbettli der andechtigen sel und gaischlichen menschen.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 28, 13
(
halem.
,
n. 1529
):
da wurdend inen
[den Klosterfrauen, die zur Reformation übergehen wollten]
ire regel, vasttag, strosaͤk, metti, zitgsang und zuͦbaͤt und derglichen burdinen abgenomen.
Wiessner, Wittenw. Ring
5468
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Dar zuo gib ich euch gestrak | Ein chotzen und ein strosak
(als Hochzeitsgeschenk).
Hauber, UB Heiligkr. (
schwäb.
,
1553
):
neun und fünfzig betladen, etlich mit himeln und dar innen sovil stroseckh.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1563
/
4
):
wir hetten alle ding schon verordnet, daß wir die claider und stroseck
[der Sterbenden]
und etlich sachen verbrennen wolten.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1482
):
ain spanpetl mit ainem neuen strobsakh.
Zingerle, Inventare (
tir.
/
vorarlb.
,
1479
):
dru vederbett, ain strosack, ain linlach, zway kússin.
i schäffene degk vnd i strosack.
Loose, Tuchers Haushaltb. ;
Major, Haussradt
A iiijr, 4
;
Uhlirz, a. a. O. ;
Schmitt, Ordo rerum
223, 15
;
Bremer, Voc. opt.
7004
;
Voc. Teut.-Lat.
ff iiijv
;