salse,
die
;
–/-n
;
im Diminutiv
sals|chen
;
aus
lat.
salsa
›gesalzene (gewürzte) Brühe‹
, dies zu
lat.
salsus
›gesalzen, salzig‹
(
Kluge/S.
2011, 859
;
Georges, Neub.
2, 4244
f.).
›eingekochter Saft (z. B. aus Früchten), Brühe, (Gewürz)tunke, Soße, Marinade‹ (als Zuspeise, Beilage); gelegentlich ütr.: ›Umgang, Behandlung, Bewirtung e. P.‹; bei Luther vielfach in phrasematischen Verbindungen und tropisch auf das irdische Leben bezogen.
Phraseme:
j. hinten anheben (und) salse zuvor haben
in etwa: ›an eine Sache ganz falsch herangehen‹; ˹
salse
(Subj.)
zu einem gebratnis gehören, gut zu (dem) braten sein
;
got
(Subj.)
eine salse bei den braten gesezt haben
u. Ä.˺ sprichwörtlich;
ein kraut von böser salse
›ein arglistiger Mensch‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1; 2, , , ; vgl. , , , 2, , .
Syntagmen:
die s
. (Subj.)
bitter sein, das heilige kreuz bedeuten, dem alten Adam nicht schmecken wollen
;
etw. eine rechte s. für jn. sein
;
etw. an salsen stat geben, in die s. tunken, limonen
(Subj.)
gut in den salsen sein
;
eine s. von rautenkraut
;
die bittere / saure s
.
Wortbildungen:
salsenschüssel
,
salsierchen
1 ›Soße, Tunke‹; 2 auch metonymisch: ›Soßenschüssel‹.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1542
):
solche salsen von rautenkraut gehört auf den untreuen man.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
118, 20
(
preuß.
,
1407
):
Kuchengerethe: 11 zynnen schusseln, [...], 4 clein salsirichen
[dies zu
salsierchen
2],
11 zcinen scheiben.
Luther, WA (
1524
):
Aber der alte Adam wehret sich hart, und diese bittere Salsen wil im nicht schmecken, Jedoch der glaube mus fort, denn in diesem leben ist anders nichts denn suͤnde.
Ebd. (
1531
):
[So wuͤrden sie] dencken, das Gott also gemenget und eine salsen bey den braten gesetzt hat.
Ebd. (
1532
):
Zw eynem gutten gebratnis gehort eyn sawrs salßchen.
Ebd.
550, 21
:
trotzen wir und spotten des Teuffels dazu und sagen: [...] prate und fris uns mit haut und har, Hebe aber hinden an, so hastu senff und salssen zuvor.
Ebd. (
1538
):
Das ist osterlich gericht, ein gebrattens lemlin, salsirichen
[dies zu
salsierchen
1]
und brod, kuchen und trunck weins.
Ebd. (
1545
):
Man muste auch zum Osterlemlein ungeseurt brot und saure salsen essen.
Ebd. 9:
Die salse bedeutet das heylige Creutz, denn, wie Paulus sagt, bleybt es nit auß, ,Alle, die in Christo woͤllen gotselig leben, muͤssen verfolgung leyden‘.
Weitz, Albich v. Prag
170, 18
(Hs. ˹
nobd.
,
2. H. 16. Jh.
˺):
gleich alz arbes ane grawpen nicht toͤgen, [...], noch salze ane salcz.
Sachs (
Nürnb.
1558
):
Mit bitterer salsen gar frisch | Und mit ungesewertem brot | Solt man das [osterlemblein] essen, befalch Gott.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Ayrer. Phaenicia
174, 81
(
Nürnb.
1618
):
das wer ein rechte salzen für in.
Maaler (
Zürich
1561
):
Saulsen (die) [...], Besprengung mit wolgeschmackten dingen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wenn man cinamomum pulvert und ez an salsen stat gibt mit ezzen, sô machet ez lustig.
Klein, Oswald
2, 69
(
oobd.
,
1421
):
o frau, wie bitter ist dein sals! | si swecht mir mein gelid.
Ebd.
95, 45
(
1425
):
käm ainr dort auss Flandern; | ist er ain kraut von böser sals | [...] | secht, der geneusst seinr bösen kunst.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1485
):
Fünf zinein salsnschüschl.
Hajek, Guͦte spise
33
;
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 119, 20
;
Bäumker, Geistl. Liederb. ;
Eis, Gesundheitsl.
162, 15
;
Rosenqvist, Frz. Einfluß.
1943, 493
.