rotwelsch,
das
;
in 1 Beleg gekürzt
rot
;
zu
mhd.
rôt-walsch, rôt-welsch
›betrügerisch unverständliche Sprache, Gaunersprache‹
(); nach
Lühr, Zum Sprachnamen Rotwelsch, Übernahme von
mnl.
*
rot waalsch
›dreckiges Französisch‹
, das durch kontextuelle Verbindung mit dem Reimwort
valsch
die Konnotation
›betrügerische Sprache‹
erhielt (vgl.
Kluge/S.
2011, 774
; ).
›unverständliche, fremde Sprache‹; ›Gruppensprache, Geheimsprache, die nur Eingeweihte beherrschen (und die zu Betrug und Täuschung nicht Eingeweihter eingesetzt wird)‹; speziell: ›Sprache der (falschen) Bettler und umherziehenden Leute‹; negativ konnotiert und abwertend gebraucht.
Bedeutungsverwandte:
, (subst.).
Syntagmen
(das) r. können / lernen / reden / verstehen, im terich haben
;
eine sprache r. nennen
;
das r
. (Subj.)
keinen grund, kein ende haben
;
j
. (z. B.
grantner / schlepper / vagierer
als Beispiele für Personenbezeichnungen)
in r. stoknarren sein
;
das neue / spizbübische r
.
Wortbildungen:
rotwelsch
(Adj.).

Belegblock:

Luther, WA (
1530
):
Wolan das wir solch yhr Rotwelssch odder küderwelssch wol lernen, So lasst vns merken, das, Bin̂den, heisst Gesetz stellen [...], Gebunden, mǔs ein Christ heissen [...], das ist, der das gesetz des Bapsts hellt vnd gehorsam ist.
Es sey etwa eine schule, da man lerne, das Binden heisse gebieten, Und sey etwa ein newe rotwelsche sprache, die also rede.
Ebd. (
1543
):
So findet man auch in dem Bettelbuch
[das Liber vagatorum, das von Luther hrsg. wurde],
das dieselbigen
[Betrüger]
Rotwelsch reden, da viel Ebreisch unter ist, zum zeichen, das sie bey oder von den Juͤden her sind.
Ebd. (
1545
):
WJltu schier gleuben, das der Roͤmische stuel, Bapst und Cardinal, mit allen Teufeln besessen sind, und jr spitzbuͤbisch Rotwelsch kein grund, ende, noch mas haben kan?
Spanier, Murner. Narrenb.
16, 45
(
Straßb.
1512
):
Grantner / vopper / vnd vagierer, | [...] | Kürtzner / dützner / granerin, | Schlepper / schwertzner / hoͤrendt dryn. | Jn rotwelsch sind das boͤß stocknarren, | Die all mit schelmen zamen faren.
Sudhoff, Paracelsus (
1530
):
drumb ist es ein betrug, in den niemants reden kan; dan niemants verstet das rotwelschs
[die ärztliche Fachsprache]
und sind doch bauren namen.
Goedeke, P. Gengenb. (o. O.
um 1509
):
Durch ire sprach die mā nempt Rot | Btriegens [bettler] die menschen fruͤ vnd spot.
Lemmer, Brant. Narrensch.
63, 39
(
Basel
1494
):
Zuͦ Basel vff dem kolenbergk | Do triben sie [baͤttler] vil buͦbenwergk | Ir rottwelsch sie jm terich hand.