V., unr. abl.;
zu den etymologisch verwandten Formen von
räuchen, rauchen
vgl.
;
M 109.
2.
›etw. riechen, den von e. S. / e. P. ausgehenden Geruch wahrnehmen, bemerken‹; von Tieren gesagt: ›etw. wittern‹; ütr.: ›etw. ahnen, einen verborgenen, nicht unmittelbar evidenten Sachverhalt erkennen‹; ›js. Nähe spüren‹.
Phraseme:
den braten riechen
›die versteckte Absicht erahnen, erkennen‹;
jn. / etw. nicht riechen können / wollen
›jn. / etw. nicht leiden, nicht ausstehen können‹.
Bedeutungsverwandte:
1,
; vgl.
1
1,
1,
,
1
8,
,
1,
2,
2
,
1.
Belegblock:
Wer Pulver riechen kan, | auf Balg und Stoß besteht, nicht die Kartaunen scheuet, | der ist ein Man wie ich.
Enders, Eberlin
([
Wittenb.
]
1523
):
die ersten [hunde] rücken das gewild, dem gerüch lauffen sie nach.
Auch muͤste Gott selbs sampt allen Engeln mit gewalt den schnuppen haben, und solchen braten nicht riechen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
132, 2771
(
Magdeb.
1608
):
Vnd manchs Manthier mich
[
Murner
, die Katze]
nit wil riechen / | So mus ich mich elend verkrichen.
Koͤmpt auch mein Doctor Hippocras | Reucht das toͤdliche Gifft am Weibe.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
10340
(
rib.
,
1444
):
Der helm is Middelmeissicheit, | Wale getempert in redelicheit, | Umb zo ruychen ind zo hoeren | Sachen de dich moegen stoeren.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
275
(
pfälz.
,
1436
):
Als der jeger vsspüret den hirtze durch riechen des leythunds, also ist die sele ein aller bequemelichster spiegel zu schauwen got.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
(
Frankf.
,
1550
):
,Lieber Meyster [Bader], [...] Es bedarff sein [reiben] nit, der Wuͦst ist mir von selbst abgangen.‘ Damit gienge er zur Badstuben auß, und alsbald ruch mann in der Stuben, daß er war gesagt het.
Jahr, H. v. Mügeln
1148
(
omd.
, Hs.
1463
):
Das dritte ros
[allegorisch: eines der fünf Pferde bzw. Sinne, die der Vernunft zur Verfügung stehen]
was stete gut; | [...] | vil manchen underscheit es rouch | der dinge, der es nie gesach.
Strauch, Par. anime int.
118, 27
(
thür.
,
14. Jh.
):
ez sint einirleige lude di richint Got.
Böhme, Morg.R.
151, 19
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
alsdan werden die geister lebendig / und dringet die krafft des Lebens durch alles / und in derselben krafft reucht einer den andern.
Gille u. a., M. Beheim
131, 105
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
dy selb gut unsers hern fran | erkenn wir auss den werken | Als ain güten speiss auss irm rǎch | riechen oder geschmaken.
Peil, a. a. O.
294, 1104
;
4.
›einen bestimmten (guten oder schlechten) Geruch verströmen‹; ›in bestimmter Weise (gut oder schlecht) riechen; duften; stinken‹ (überwiegend von Gegenständen, Pflanzen, Körperteilen gesagt); subst.: ›Geruch, Duft‹; tendiert in Verbindung mit
wol
zur Univerbierung; ütr.: ›einen schlechten Leumund haben‹; auch: ›jm. in Erinnerung bleiben‹.
Phraseme:
etw. wieder jn. riechen
›jm. etw. anlasten, jn. wegen e. S. anschwärzen‹.
Bedeutungsverwandte:
3,
1,
.
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
r
. (absolut);
etw
. (Subj., z. B.
der stam, die blume / küche / viole, das fläschchen / kraut, die zehen
) [wie, wonach] (z. B.
lieblich / stark / süs / wol, nach dem wein, von (dem) ambra / bisam / laster / kat
)
r
.; subst.:
das riechen
(Subj.)
mannigfalt sein
;
das riechen des balsams, der bäume / blüten / rosen / wurzen
;
süses riechens um jn. sein
;
das edle / starke / süsse riechen
; als part. Adj.:
der (wol) riechende gauch / mund, die riechende salbe
.
Wortbildungen:
2 ›Geruch‹ (dazu bdv.:
1,
,
der
,
1,
1
2,
1,
; vgl.
1
1).
Belegblock:
Peil, Rollenhagen. Froschm.
448, 5829
(
Magdeb.
1608
):
Die Zeen [...] | [...] roͤchen von Zimmet so suͤß / | Als des Mistbauren faule fuͤß.
Fischer, Brun v. Schoneb.
(
md.
, Hs.
um 1400
):
di
[Blumen namens
crocus
]
ist goltvar [...] | und ruchet wol.
Thiele, Minner. II,
26, 232
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
daz dirde casteel hies Ruychendale; | in dem casteel roecht also wale.
Eppich [...] machet eyn woͤl richenden mũdt.
Der stam ruchet woͤl vnd ist suße.
Feudel, Evangelistar
41, 20
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
herre, her
[Leichnam]
ruchet itczunt, wen her hat vire tage gelegen.
Hübner, Buch Daniel
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
ein crut | Daz wol ruchet uber al, | Suze.
Neumann, Rothe. Keuschh.
886
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
disse blume ist gar suberliche | [...] | unnd ruchet doch zu male nicht.
das violichen in dem grase kruchet, | dannoch ess gar wol ruchet.
Pyritz, Minneburg
3436
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
sußes richens umb uns waz.
Gille u. a., M. Beheim
333, 40
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
man sicht die pom vol plüte, | [...] | ich lab ir susses richen.
Mayer, Folz. Meisterl.
(
nobd.
,
v. 1496
):
Ir [rosen] richen das was manigfallt.
Riechung odʼ guter schmack.
Vetter, Pred. Taulers
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
do rúchet die kuchin so wol der edelen guͦten spise.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 7
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Balsams riechen suss und stark.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1181
(
oobd.
,
1607
/
11
):
2 kleine [...] fläschlein, [...] riechen starckh von ambra oder bisam.
Gille u. a., a. a. O.
51, 13
;
Menge, Laufenb. Reg.
5181
;
‒
Vgl. ferner s. v.
(V.)
6.