regen,
der
;
-s/-Ø, -e
;
vereinzelt kontrahiert:
3
rein,
ren
.
›Regen, zur Erde fallender Niederschlag aus Wassertropfen‹; metonymisch: ›(einzelner) Regenschauer, Regenguss‹; mehrfach im Orientierungsfeld anderer Bezeichnungen für zerstörerische Witterungserscheinungen, wie z. B. 1, , 1, 1, , , ; bei Paracelsus speziell: ›Feuchtigkeit, feuchtigkeitsbildende Kraft im Körper (im Gegensatz zur austrocknenden Kraft, die durch die Sonne repräsentiert wird)‹; ütr.: ›etw., das wie Niederschlag in Tropfen, wie ein Schauer (auf die Erde, auf jn.) herabfällt‹; vor allem in sprichwörtlichen Redewendungen teils als Sinnbild für ›schlechtes Wetter‹ (im Gegensatz zu Sonnenschein) und damit auch für ›Unheil, Bedrohung, Leid‹ sowie für gegnerische Personen (s. u.
Luther, WA
31
).
Phraseme:
die fabel mit dem goldenen regen
Bezeichnung für die Sage der griechischen Mythologie, in der sich Zeus Danae in Form eines goldenen Regens nähert;
nach einem regen wieder ein sonnenschein kommen
(sprichwörtlich; auch umgekehrt:
nach dem sonnenschein der regen kommen
) ›auf Leid, Unglück folgt Freude, Glück‹;
vor dem regen unter das dach kommen
›(rechtzeitig) vor einem drohenden sozialen Abstieg sterben‹;
lauf aus dem regen und fal ins wasser
etwa: ›wenn man einem Unheil entgeht, geschieht das nächste (und schlimmere) Unheil‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , , 1, ,
2
1, 1, (
der
), ; vgl. 1.
Gegensätze:
, , .
Syntagmen:
die hitze
(Subj.)
den r. austroknen, eine krähe den r. anzeigen, es
(unpersönlich)
tut einen r
.;
der r
. (Subj.)
kommen / niederkommen, sich erheben / giessen / zerteilen
, [wo]
nimmer sein, das land durchgiessen, das land fruchtbar / weich machen, ein imbibierung der erde sein, jn. feuchten / netzen, etw. erschrecken / zerstören, von dem gebirge niederwaschen, der r. dem erdboden angenem sein, aus den wolken fliessen / triefen, durch etw. rinnen
;
j
. (z. B.
Zwingli, Öcolampadius, Erasmus
)
js. r. sein
;
etw
. (Subj.)
als ein r. vorübergehen, etw. im r. brauchen, got
(Subj.)
etw. im r. herabgeben, ein fisch im r. zunemen, das ungewitter mit r. gros sein, etw. von dem r. versert werden, j. vor dem r. fliehen / laufen, etw. wie der r. fliessen / triefen, etw. zu r. werden
;
der r. des glüks
;
der fruchtbare / geringe / grosse / kalte / langwierige / rechte / süsse / schwere / späte / ungestüme r
.;
der r. in der ernte
;
die flut, die tropfen des regens
;
eine hütte für den r., das unheil mit seinem r
.
Wortbildungen:
˹
regachtig
,
regenachtig
,
regenicht
,
regenlechtig
,
regenlich
,
regnig
˺ ›regnerisch‹ (dazu bdv.: 2; vgl. ),
regenfisch
›(Platt)fisch, dem zugeschrieben wird, bei Regen zuzunehmen‹,
regengus
,
regensand
›vom Regen durchfeuchteter Sand‹,
regentag
,
regentropfe
,
regenwat
›liturgisches Priestergewand‹ (wohl als Lehnübertragung von mlat.
[pallium] pluviale
; dazu bdv.: vgl. ),
regenwitterig
,
regenzeit
.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn (
Wolfenb.
1594
):
Sey nur zufrieden, Es kompt nach einem Regen wol wider ein Sonnenschein.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
[dî burcluite] lidin sulche nôt, | daz man von den zinnen | [...] | sach irgîzin sich daz blût | als einis starken reinis vlût.
Nû was iz regnic unde naz, | dô sî dar quâmen.
Luther, WA (
1527
):
,spat regen‘ heist der, so da kompt, wenns getreide erfur komen ist und schosset, wenn das land von hitze durre ist, Also das Euangelion auch kompt, wenn durchs gesetze die gewissen hitzig und durstig sind worden.
,Lauff aus dem regen und fall yns wasser‘ Und: ,heb einen teller auff und zubrich eine schussel‘, das aus ubel erger wird.
Wenn nu nicht allein die zween Canones, sondern so viel Canones widder diese wort weren, als regens tropffen auff erden.
Ebd. (
1530
/
1
):
Zwingli, Oecolampadius, Erasmus sind unser hagel und regen, qui uns hindern.
Ebd. (
1537
):
Ej, fleugestu [Noha] und leuffstu fur einem geringen regen und Wetter?
Ebd. (
1544
):
Daher ist das newe testament aus Mose geflossen vnd getroffen wie der Regen aus den wolcken.
Ders. Hl. Schrifft.
Jes. 18, 4
(
Wittenb.
1545
):
Jch wil stille halten vnd schawen in meinem Sitz / Wie eine Hitze / die den Regen austrocket.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
443, 5645
(
Magdeb.
1608
):
Vnd folget darauff ein Regengoß / | Das Berg vnd Thal voll Wasser flos.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
allez daz vruhtbærlîche lîden sîner heiligen menscheit, daz er geliten hâte in disem lebene an hunger, an durste, an kelte, an hitze, an winde, an regene, an hagel, an snêwe [...] und dar zuo den bittern tôt, daz opferte er [...] dem himelischen vater ze einer êre.
Jostes, Eckhart
22, 13
(
14. Jh.
):
wan ez
[
di leiplichen ding
, die vom Sonnenschein zerkleinert werden]
den aufclimmet ze der chelten, so findet ez ein widerslak von der chelten und wird hernider geslagen und wird zu regen ode ze sne.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
uf den seszenden dag februarii [...], da was ez ein regenecht weder.
Ebd. :
uf den vurgenanten dag [...] irhup sich ein groß stormwint unde darzu große regen, groß doner unde blicke.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1578
):
brauch den [wullen reisemantel] baussen Coln im rene und dreck.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
die regene
[
Mentel
1466:
der regen
;
Luther
1545:
ein Platzregen
]
quâmen nider und quâmen fluͦte und wêeten winde.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
63, 10
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
wen der reyn kumt, so wescht der reyn her nydir von deme gebirge di adamant.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
177, 22
(
osächs.
,
1570
/
7
):
nim regenwürmer, lege die in einen frischen regensand uber nacht, darnach thue sie in ein tröglein, thue darzu ein wenig honig, ist gutt
(als Angelköder).
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
178v, 32
(
Leipzig
1588
):
Wie der fruchtbare Regen dem duͤrren Erdbodem im heissen Sommer sehr angeneme vnd bequem ist / Also ist auch der gute Trost dem betruͤbten Hertzen.
Gille u. a., M. Beheim
8, 40
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Mit wind und regen was es [ungewiter] aussermossen groß.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Welt noch geluckes regen | Mich feuchten hie, das wer mir not.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
pis auf weihnahten da tet es newer zwen reht regen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
man sagt, alle wegen | Komm nach dem Sonnenschein der Regn, | Nach grosser freude kompt gern leydt.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz. (
alem.
,
um 1430
):
es was ettwas regenlich, das er die predig und das verkünden in das münster zoch.
Sudhoff, Paracelsus (
um 1520
):
on ein sunn [die für und für austrocknet] ist der leib nit, und also on regen und tau auch nit, darumb so müssen sie beide do sein, welchs on das ander ist, das ist ein krankheit.
Goldammer, Paracelsus
2, 22
(
1531
/
4
):
gott kente wol im regen essen und trinken herabgeben ohn alle unser arbeit, aber aus der erden mit arbeit will er es haben.
Maaler (
Zürich
1561
):
Er ist vor dem Raͤgen vnder das tach kommen. [...]. Er ist grad raͤcht gestorben / oͮb er zuͦ armuͦt kam. Raͤgachtig / Zuͦ raͤgen geneigt. [...]. Raͤgenachtig / Voll raͤgens. [...]. Raͤgenlaͤchtig. [...]. Raͤgentag (der) Dies pluuialis [...]. Raͤgenwitterig. Imbricus, Pluuiosus.
Morrall, Mandev. Reiseb.
11, 11
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Da ist númer wind noch regen noch nebel uff von grossen hoͤhin wegen.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
909
(
schwäb.
,
1455
):
Das langkwerk überal | Sol sin nauch wunsch bedeckt | Das es kein schur erschreck | Und ungestümer regen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 127, 2
([
Augsb.
]
1548
):
Wie der Schnee im Sommer / und Regen in der Erndte / Also reymet sich dem Narren ehre nicht.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wenne ain zameu katz wild well werden, sô sneid ir diu ôren ab, sô vallent ir die regentropfen in daz haupt.
Bocha haizt ze latein auch piscis pluvialis, daz haizt ze däutsch ain regenvisch, dar umb, daz der visch sunderleich zuo nimt in dem regen.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
19, 24
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Als die wolle feuchte wart | von des himmels tawe, | also enphieng in kewscher art | die edel jungkfrawe. | noch das fel nie wart versert | von dem regen / suesse.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
17
(
oobd.
,
1607
/
11
):
In einem nußbaumin schiebledlin die fabola mit dem gulden regen [...] gar sauber von helffenbain geschnitzt.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
13, 17
(
noobd.
,
1347
/
50
):
wanne in dem winter oder in der regenzeit, so ez feuht witert, so vind wir in den luften wazzerig duͤnst.
Buijssen, Dur. Rat.
54, 2
(
moobd.
,
1384
):
die regenwat oder ander hachzeitleich wat, di si [priester und schueler] tragen, die legent sew fuer den alter zwͤ einem uͤrchund daz dy ebraischen chinder vor Christo auf dem weg ıͤr (wat) niderstrewtten, do er cham hincz Jerusalem.
Alberus, Barf. ;
Peil, a. a. O.
582, 2415
;
Strauch, Par. anime int.
83, 19
;
v. Keller, a. a. O. ;
v. Tscharner, a. a. O.
18, 4
;
Thiele, Minner. II,
7, 300
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Vgl. ferner s. v. 4, .